„Ego­is­mus und Faul­heit sie­gen“

Au­to­fah­rer blo­ckie­ren in der Ge­mein­de Un­ter­münk­heim im­mer wie­der Geh­we­ge, Stra­ßen und Not­fall­aus­fahr­ten. An der Ein­sicht fehlt es ih­nen oft.

Haller Tagblatt - - LANDKREIS HALL - Von Oli­ver Fär­ber

Et­was ver­är­gert ist die jun­ge Mut­ter schon. Ge­ra­de hat sie mit ih­rem Ba­by samt Kin­der­wa­gen an der Un­ter­münk­hei­mer Orts­durch­fahrt ei­nen un­frei­wil­li­gen Kurz­aus­flug auf die dort stark be­fah­re­ne Bun­des­stra­ße un­ter­neh­men müs­sen. Der Grund: Falsch­par­ker ha­ben ih­ren Wa­gen auf dem Geh­weg ab­ge­stellt. „Und das ist jetzt und heu­te kei­ne Aus­nah­me“, be­klagt die 24-Jäh­ri­ge.

Ih­ren Na­men will sie lie­ber nicht in der Zei­tung le­sen – ge­ra­de weil sie die Bri­sanz im Ort we­gen die­ses The­mas ken­ne. „Ich gön­ne na­tür­lich den Ge­schäfts­leu­ten hier ih­ren Um­satz und bin froh, dass wir sie hier ha­ben“, meint sie. Die könn­ten auch meist nichts da­für, dass ih­re Kun­den mein­ten, di­rekt vor den Lä­den ihr Au­to ab­stel­len zu müs­sen. Aber für sie und ins­be­son­de­re auch äl­te­re Men­schen, die mit dem Rol­la­tor un­ter­wegs sind, füh­re das zu Ge­fah­ren­si­tua­tio­nen, wenn sie we­gen des von Au­tos blo­ckier­ten Geh­wegs auf die Stra­ße aus­wei­chen müss­ten.

Und wenn sie – selbst im net­ten Ton – dar­auf hin­wei­se, kas­sie­re sie oft nur har­te Wor­te. „Da heißt es ,Ich woll­te ja nur kurz da rein’. Aber im Re­gen will ich auch nicht fünf Mi­nu­ten war­ten. Und wenn das ei­ne Au­to weg­fährt, steht ja schon das nächs­te da, und wei­ter kommt nie­mand vor­bei“, lau­tet ih­re Er­fah­rung. Oft neh­me sie schon wei­te­re Stre­cken zwi­schen den bei­den Am­peln auf der an­de­ren Stra­ßen­sei­te in Kauf.

Ein Sze­na­rio, das in Un­ter­münk­heim bes­tens be­kannt ist. Auch der ein­zi­ge Eh­ren­bür­ger der Kom­mu­ne, Frie­der Kr­um­rein, hat­te sich schon in der Bür­ger­fra­ge­stun­de des Un­ter­münk­hei­mer Ge­mein­de­rats dar­über be­schwert. Aber die Ver­wal­tung scheint re­la­tiv macht­los. „Ver­ein­zelt ha­ben wir schon Fah­rer ge­mel­det, die auf den Geh­we­gen ste­hen“, er­klärt Bür­ger­meis­ter Chris­toph Masch­ke. Da­bei ge­he es we­ni­ger dar­um, dass die Ord­nungs­wid­rig­keit be­straft wer­de, son­dern mehr dar­um, ein Zei­chen zu set­zen.

Ver­kehrs­zei­chen könn­ten dort nicht an­ge­ord­net wer­den, auch kei­ne Hal­te­ver­bots­li­ni­en. Denn in der Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung steht schon ein­deu­tig, dass das Par­ken auf dem Geh­weg schlicht­weg ver­bo­ten ist. Die Straf­zet­tel fruch­ten eh eher we­nig.

„Das Pro­blem zieht sich die gan­ze Bun­des­stra­ße ent­lang“, be­rich­tet Masch­ke: egal ob vor dem Bä­cker, der Post oder der Piz­ze­ria, auch ge­gen­über der Metz­ge­rei aus Rich­tung Hall kom­mend auf dem rech­ten Geh­weg. „Das ging dort schon so weit, dass Leu­te nicht mehr aus ih­rem Haus ka­men, weil de­ren Ein­gangs­tür zu­ge­parkt war“, weiß er.

Dass es zu we­ni­ge Park­plät­ze ge­be, dar­an liegt es nicht. Die Fah­rer müss­ten even­tu­ell nur ein paar Me­ter wei­ter­ge­hen und mit ih­rem Wa­gen die Durch­gangs­stra­ße ver­las­sen, um Park­plät­ze – man­che so­gar im Ei­gen­tum der Ge­schäf­te – zu er­rei­chen. „Ego­is­mus und Faul­heit sie­gen da halt“, meint die Mut­ter. Sie fin­de es „ein­fach re­spekt­los“, dass ge­ra­de Schwä­che­re wie Geh­be­hin­der­te oder El­tern mit Kin­der­wa­gen dar­un­ter lei­den müss­ten.

Schnel­le Hil­fe lahm­ge­legt

Und viel­leicht schnell auch ein­mal Men­schen, die sich in Not be­fin­den und um­ge­hend Hil­fe brau­chen. Denn auch Zu­fahrts­we­ge für die Feu­er­wehr wer­den zu­ge­stellt. „Das be­ginnt schon di­rekt ne­ben dem Rat­haus auf dem Weg hin­ters Ge­bäu­de“, nennt Un­ter­münk­heims Feu­er­wehr­kom­man­dant Mar­tin Munz ein Bei­spiel. Ob­wohl es ein Schild gibt, das auf die Zu­fahrt zur Fahr­zeug­hal­le hin­weist, stell­ten Fah­rer ihr Au­to so ab, dass der not­wen­di­ge Be­geg­nungs­ver­kehr un­mög­lich wird. Alar­mier­te an­fah­ren­de Feu­er­wehr­leu­te und aus­rü­cken­de Lösch­fahr­zeu­ge kä­men dann nicht mehr an­ein­an­der vor­bei.

Beim Deut­schen Ro­ten Kreuz, das sei­nen Ret­tungs­wa­gen im St­ei­n­ach sta­tio­niert hat, kommt es ins­be­son­de­re bei Fuß­ball­spie­len und an­de­ren Ver­an­stal­tun­gen im­mer wie­der vor, dass das Ga­ra­gen­tor durch Falsch­par­ker blo­ckiert wer­de. „Die ste­hen dann so, dass wir nur ein klei­nes Stück aus der Ga­ra­ge, aber nicht mehr an ih­nen vor­bei­kom­men“, ver­deut­licht Be­reit­schafts­lei­ter Olaf Mutsch­ler. Kri­tik von Falsch­par­kern, man hät­te sie doch kurz aus­ru­fen kön­nen, lässt er nicht gel­ten. „Wenn wir los müs­sen, geht es manch­mal um Se­kun­den, wenn ein Herz still­steht“, gibt er zu be­den­ken.

Fo­to: pri­vat

Nur mit Mü­he und Not – und viel­leicht auch ein­mal gar nicht – kommt die Un­ter­münk­hei­mer Feu­er­wehr we­gen Falsch­par­kern durch man­che Stra­ßen – vor al­lem in en­gen Wohn­ge­bie­ten.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.