Der Spaß auf dem Wa­sen hat sei­nen Preis

Wurf­bu­den, Ka­rus­sells, Ex­tra-Me­nüs: Für Kin­der gibt es auf dem Wa­sen vie­le An­ge­bo­te. Der Fa­mi­li­en­aus­flug geht kräf­tig ins Geld.

Haller Tagblatt - - STUTTGART UND UMGEBUNG - Von Nad­ja Ot­ter­bach

100 Eu­ro kom­men an ei­nem Tag auf dem Wa­sen schnell zu­sam­men. Ju­lia Wey­ers­häu­ser Wa­sen­be­su­che­rin aus Stutt­gart

Ju­lia Wey­ers­häu­ser ist ein Wa­sen­fan. Die zwei­fa­che Mut­ter aus Stutt­gart-Zu†en­hau­sen mag es, wenn es an je­der Ecke blinkt und Sounds sie auf Schritt und Tritt be­glei­ten. „Wir sind min­des­tens zwei­mal im Jahr hier.“Ih­re vier­jäh­ri­ge Toch­ter trägt ein Krön­chen auf dem Kopf und möch­te ein bun­tes Plüsch­tier ha­ben, die – ge­fühlt – von je­der zwei­ten Bu­de ent­ge­gen­la­chen.

Hö­he­punkt ist für die Fa­mi­lie die Fahrt mit dem Rie­sen­rad. Je sie­ben Eu­ro be­zah­len die El­tern für den Blick aus der blau­en Gon­del, für die Toch­ter sind vier Eu­ro fäl­lig. Ju­lia Wey­ers­häu­ser schätzt: „100 Eu­ro kom­men an ei­nem Wa­sen-Tag schnell zu­sam­men.“Die Prei­se sei­en hoch, fin­det sie. „Aber man kann ja auch am Fa­mi­li­en­tag kom­men, wenn al­les güns­ti­ger ist.“Weil es da im­mer voll sei, gibt die Stutt­gar­te­rin lie­ber et­was mehr aus.

Es ist Di­ens­tag­mit­tag. Der Him­mel vol­ler Wol­ken, kein Re­gen. Es ist noch nicht viel los. Ide­al, um mit der ei­ge­nen Fa­mi­lie zu er­kun­den, was das Spek­ta­kel bie­tet und was der Spaß kos­tet.

Der sechs­jäh­ri­ge Sohn ist nach der ers­ten Spiel­bu­de an­ge­fixt. Beim En­ten­an­geln (5 Eu­ro) hat er Pfei­le und Bo­gen ge­won­nen. Er ist im Ge­winn­er­mo­dus. Auch beim Do­sen- und Darts­wer­fen sahnt er ab: Ein Schwert und ein Fin­ger­spin­ner. Da­für ha­ben wir ins­ge­samt elf Eu­ro hin­ge­blät­tert. Ein Leb­ku­chen­herz mit der Auf­schrift „Champ“wä­re jetzt pas­send. Der Bub strahlt selbst­be­wusst, ob­wohl er weiß, dass sein um­welt­be­wuss­ter Va­ter an­ge­sichts der Bil­lig­plas­tik-Spiel­sa­chen um Fas­sung rin­gen wird.

Nun ist auch der Ehr­geiz der Schwes­ter ge­weckt. Der Mann in der Bu­de schenkt ihr beim En­ten­an­geln ein paar Punk­te, die gift­grü­ne

Meer­jung­frau­en­pup­pe ist ih­re, der Geld­beu­tel um wei­te­re fünf Eu­ro leich­ter.

Die Kin­der sind jetzt so be­geis­tert, dass sie glatt ver­ges­sen, über den wei­ten Weg zu jam­mern, den sie zu­rück­le­gen. Fünf Ki­lo­me­ter sind das lo­cker. Wer lan­ge auf den Bei­nen ist, braucht Ener­gie. Und die gibt es beim Volks­fest zu­hauf. Es lo­cken sie­ben Bier­zel­te, ein Wein- und Ev­ent­zelt, ei­ne Alm­hüt­te und je­de Men­ge Bier­gär­ten zum Auf­tan­ken. Nicht zu ver­ges­sen die rund 60 Im­biss- und Nasch­stän­de.

Wo soll man da an­fan­gen? Die Her­ren vom „Wurst Koch“se­hen ent­spannt aus. Pom­mes gibt’s für 3,50 Eu­ro auf die Hand. Ei­ne Ro­te im Bröt­chen für vier Eu­ro. Im fast lee­ren Bier­gar­ten las­sen sich Be­su­cher Schupf­nu­deln und XXL-Brat­würs­te schme­cken.

Dass es auf dem Wa­sen nicht im­mer die Fast­food-Klas­si­ker sein müs­sen, zei­gen die gro­ßen Fest­hüt­ten, die mit Mit­tags­me­nüs lo­cken (ab 9,90 Eu­ro). Statt Schweins­hax‘n gibt es auch Wald­pilz­ra­gout mit Bre­zel­knö­deln und Saft­schor­le (12,90 Eu­ro). Für Kin­der ha­ben man­che Zel­te Kin­der­schnit­zel mit Pom­mes für 6,90 Eu­ro oder Spätz­le mit So­ße für drei Eu­ro.

Die Kin­der sind satt und ge­nie­ßen es, sich um­zu­schau­en. Die Zau­ber­trep­pe im Lach­haus fin­det der Sohn in­ter­es­sant (18 Eu­ro für al­le), noch span­nen­der aber fin­det er Leu­te in Tracht. „Ma­ma, wie­so hat der Mann Fe­dern am Hut?“Die spek­ta­ku­lä­ren Fahr­ge­schäf­te ma­chen Ein­druck. Die­se in den Him­mel ra­gen­den Rie­sen. Die Ket­ten­flie­ger, XXL-Schau­keln und Ach­ter­bah­nen. Schön: Gu­cken kos­tet nichts.

Ums Po­ny­rei­ten macht ei­nen gro­ßen Bo­gen, wer lie­ber glück­li­che Tie­re se­hen will. Statt­des­sen darf es ei­nes der fast 20 Kin­der­ka­rus­sells sein. Das his­to­ri­sche mit den Pfer­den ist be­son­ders schön (2,50 Eu­ro). Sohn und Toch­ter sind im­mer noch im Ge­win­ner-Mo­dus. Die Geis­ter­bah­nen (16 Eu­ro zu viert) las­sen sie links lie­gen. Zum Ab­schluss möch­ten sie Lo­se zie­hen am „Spiel-Ca­si­no“(sechs Eu­ro).

Nach zwei­ein­halb St­un­den wird’s den Kin­dern zu bunt. Die Klei­ne schläft fast ein. Der Gro­ße hält sich die Oh­ren zu. Fa­zit: Es macht Spaß, die bun­te Wa­sen-Welt zu er­kun­den und sich durch die Bu­den zu schlem­men. Da­für muss man be­reit sein, viel Geld für nicht im­mer gu­te Qua­li­tät hin­zu­blät­tern. Oder wie ein Paar aus Bie­tig­heim-Bis­sin­gen es aus­drückt: „So isch‘s halt.“

Fo­to: Fer­di­nan­do Ian­no­ne

Zur Er­in­ne­rung an den Be­such des Volks­fes­tes er­hal­ten die Kin­der noch mit He­li­um ge­füll­te Lubal­lons. Für den klei­nen Bal­lon sind fünf, für den gro­ßen neun Eu­ro fäl­lig.

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