Li­lo mit dem an­ste­cken­den La­chen

Trotz ei­ni­ger Schick­sals­schlä­ge bleibt Li­se­lot­te Pul­ver ei­ne Op­ti­mis­tin. Jetzt wird die Schau­spie­le­rin 90.

Haller Tagblatt - - FEUILLETON - Bet­ti­na Thi­en­haus

Frank­furt/Main. Sie re­de im­mer so, als ob sie gleich los­la­chen könn­te, sag­te Li­se­lot­te Pul­ver ein­mal. Das ver­gnüg­te La­chen, das man aus ih­ren Fil­men kennt, ob „Das Wirts­haus im Spes­sart“oder „Die Zürcher Ver­lo­bung“, ist Pul­vers Mar­ken­zei­chen. „Li­lo“, wie ih­re Fans sie nen­nen, war ei­ne der be­lieb­tes­ten Darstel­le­rin­nen im deut­schen Ki­no der 50er und 60er Jah­re. Am 11. Ok­to­ber wird sie 90 Jah­re alt.

Sie wird in der Schweiz ge­bo­ren, 1929 in Bern. Nach der Schu­le be­schließt sie, Schau­spie­le­rin zu wer­den, nimmt Un­ter­richt. Sie spielt Thea­ter und steht bald vor der Ka­me­ra, so in Rolf Han­sens Berg­dra­ma „Föhn“(1950) mit Hans Al­bers und Adri­an Ho­ven.

Pul­ver hat ein ge­wis­ses Et­was – frech, ein Hauch ver­füh­re­risch, ge­paart mit Neu­gier und En­ga­ge­ment. Ein si­che­res Ge­spür für Pul­vers Ta­lent zur Ko­mik be­weist der Re­gis­seur Kurt Ho¤mann, der sie in „Ich den­ke oft an Pi­rosch­ka“(1955) ein­setzt, ei­ner in Un­garn an­ge­sie­del­ten Lie­bes­ko­mö­die. Pul­ver ist ein deutsch ra­de­bre­chen­des Pro­vinz­mäd­chen, in das sich der Schrift­stel­ler Andre­as (Gun­nar Möl­ler) ver­liebt. Die Rol­le bringt Li­lo Pul­ver den Durch­bruch. Zehn Fil­me dre­hen Ho¤mann und Pul­ver mit­ein­an­der, al­le­samt Ko­mö­di­en.

1960 dreht Bil­ly Wil­der die Kal­ter-Krieg-Sa­ti­re „Eins, zwei, drei“. Weil vor dem Ki­no­start die Ber­li­ner Mau­er ge­baut wur­de, flopp­te das Werk zu­nächst. Heu­te ist er ein Kult­film. „Bis heu­te ei­ner mei­ner bes­ten Fil­me. Ob­wohl ich nur ei­ne Ne­ben­rol­le ge­spielt ha­be“, sag­te Pul­ver ein­mal.

Bei den Dreh­ar­bei­ten zu „Gus­tav Adolfs Pa­ge“be­geg­net Pul­ver 1960 die gro­ße Lie­be: Hel­mut Schmid, Schau­spie­ler­kol­le­ge und Thea­ter­re­gis­seur. Sie hei­ra­ten, be­kom­men zwei Kin­der, Marc­Tell und Mé­li­san­de. Doch 1989 stürzt sich Pul­vers dro­gen­ab­hän­gi­ge Toch­ter vom Ber­ner Müns­ter in den Tod. Drei Jah­re spä­ter stirbt ihr Mann. Pul­ver schreibt die Au­to­bio­gra­fie „…wenn man trotz­dem lacht. Ta­ge­buch mei­nes Le­bens“(1993). Heu­te lebt sie in Bern in ei­ner Se­nio­ren­re­si­denz. Zum 90. Ge­burts­tag ist ein neu­es Buch mit Le­ben­s­er­in­ne­run­gen er­schie­nen: „Was ver­geht, ist nicht ver­lo­ren“.

Fo­to: Jens Ka­lae­ne/dpa

2018: Li­lo Pul­ver freut sich über den „Bam­bi“für ihr Le­bens­werk.

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