Per­len der Lied­kunst auf dem Lan­de

Te­nor Til­man Lich­di und Gi­tar­rist Klaus Jäck­le las­sen die Hö­rer über ihr Pro­gramm mit­ent­schei­den.

Haller Tagblatt - - KULTUR - Mo­ni­ka Ever­ling

Vell­berg. Ein in­ter­na­tio­nal ge­frag­ter Sän­ger und sein eben­falls sehr er­folg­rei­cher Be­glei­ter an der klas­si­schen Gi­tar­re tre­ten vor nur et­wa 25 Zu­hö­rern in ei­nem ho­hen­lo­hi­schen Dorf auf. So ge­sche­hen am Sams­tag in Vell­berg-Groß­alt­dorf. Doch die bei­den nen­nen die­sen Abend nicht „Kon­zert“, son­dern „ö—ent­li­che Ge­ne­ral­pro­be“. Sie stu­die­ren in Groß­alt­dorf ihr neu­es Lied­pro­gramm ein und pro­bie­ren es gleich mal vor Pu­bli­kum aus. Und sie las­sen die­ses mit­ent­schei­den: „Passt die­ses Gi­tar­ren­stück ins Pro­gramm?“Ja, ist die ein­hel­li­ge Mei­nung. „War das ins­ge­samt jetzt zu kurz, zu lang oder ge­ra­de rich­tig?“Zu kurz, fin­den man­che, und sie hö­ren noch drei Zu­ga­ben.

Auch ei­ne An­re­gung kommt aus dem Pu­bli­kum: Die bei­den Mu­si­ker er­zäh­len zwi­schen den Stü­cken dies und das. Nur zum In­halt der auf Latein ge­sun­ge­nen Aus­zü­ge aus Mon­te­ver­dis „Ma­ri­en­ves­per“ver­ra­ten sie nichts. Das sol­len sie än­dern, meint ein Zu­hö­rer, und Til­man Lich­di greift das dank­bar auf.

Wan­del­ba­re Stim­me

Dass die Stü­cke noch nicht zu En­de ge­probt sind, merkt man vor al­lem der Gi­tar­ren­stim­me an. Im­mer wie­der kommt Klaus Jäck­le kurz ins Stol­pern. Trotz­dem gibt es kei­nen Zwei­fel an sei­ner In­stru­men­ten­be­herr­schung – Jäck­le muss die­ses Pro­gramm halt noch ver­in­ner­li­chen. Bei Til­man Lich­di gibt es kaum sol­che Aus­set­zer. Nur bei der drit­ten Zu­ga­be, der wun­der­schö­nen „Mond­nacht“von Schu­mann, ver­has­pelt er sich ein­mal im Text. An­sons­ten be­kom­men die Be­su­cher qua­si in Wohn­zim­mer­at­mo­sphä­re ei­nen Lie­der­abend zum The­ma Freu­de ge­bo­ten, der dem­nächst in deut­lich grö­ße­ren Räu­men – zu­nächst in Kir­chen in Heil­bronn, Schwai­gern und Würz­burg – er­klin­gen wird.

Lich­di kann sei­ne Stim­me zu­pa­ckend er­schal­len las­sen, so­dass sie für den Groß­alt­dor­fer evan­ge­li­schen Ge­mein­de­saal fast zu laut ist, aber er kann sie auch ganz zart füh­ren. Er ju­bi­liert in atem­be­rau­bend vir­tuo­sen Ko­lo­ra­tu­ren und hat den rich­ti­gen Schmelz für Kan­ti­le­nen. Er be­herrscht die schwie­ri­gen Ver­zie­rungs­tech­ni­ken der Al­ten Mu­sik in Voll­en­dung – kurz: die Groß­alt­dor­fer Test­hö­rer be­kom­men Be­son­de­res ge­bo­ten. Sie dan­ken mit sehr kräf­ti­gem Bei­fall.

Til­man Lich­di (links) und Klaus Jäck­le mu­si­zie­ren in Groß­alt­dorf.

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