Wil­der, schnel­ler und frei­er Die Würth Phil­har­mo­ni­ker er­freu­en das Pu­bli­kum mit Wer­ken von Carl Ma­ria von We­ber, Ge­or­ge Gershwin und Ro­bert Schu­mann. Von

Haller Tagblatt - - KULTUR -

Wie Treib­s­to für den Elan Vi­tal des 21. Jahr­hun­derts wir­ken die Kom­po­si­tio­nen, die sich die Würth Phil­har­mo­ni­ker zum Auf­takt der Spiel­zeit 2019/2020 im Car­men Würth Fo­rum mit Carl Ma­ria von We­ber (1786-1826), Ge­or­ge Gershwin (1898-1937) und Ro­bert Schu­mann (1810 -1856) vor­ge­nom­men ha­ben. Schu­mann sei 1850 für die Sin­fo­nie Nr. 3 in Es-Dur („Die Rhei­ni­sche“) vom An­blick des Köl­ner Do­mes in­spi­riert ge­we­sen. In Gershwins F-Dur Kla­vier­kon­zert (1925) pul­siert der Spi­rit New Yorks und in Carl Ma­ria von We­bers Oper „Eu­ryan­the“, an­ge­sie­delt im Rit­ter­mi­lieu des fran­zö­si­schen Mit­tel­al­ters, trotzt die Gra­fen­gat­tin bös­wil­li­gen Ver­leum­dun­gen.

Vor cir­ca 200 Jah­ren, 1823, hat von We­ber sei­ne „Eu­ryan­the“(op. 81), kom­po­niert. Ei­ne he­ro­isch-ro­man­ti­sche Oper, we­nig auf­ge­führt, aber bril­lant or­ches­triert. Der Kom­po­nist setzt schon in der Ou­ver­tü­re ganz neue Maß­stä­be: Was mit den ers­ten Ak­kor­den sehr ly­risch im We­ber-Frei­schütz-Stil be­ginnt, ent­wi­ckelt sich rasch zu ei­nem wild-dra­ma­ti­schen, fast wag­ner­schen Groß­pan­ora­ma. Mit Tem­pe­ra­ment und Wucht, ganz den Im­pul­sen des Takt­stocks von Leo­nard Slat­kin fol­gend, prä­sen­tie­ren die Würth Phil­har­mo­ni­ker die­sen kon­tras­tie­ren­den Klang­reich­tum.

Ein sch­lich­ter Na­me

Mit ei­nem Sprung von hun­dert Jah­ren lan­det das Pu­bli­kum bei Ge­or­ge Gershwin. Vom Er­folg sei­ner „Rh­ap­so­dy in Blue“be­flü­gelt wagt er 1925 ein bis da­hin un­be­kann­tes Ex­pe­ri­ment: Die Syn­the­se von Klassik und Jazz. Ur­sprüng­lich woll­te er das Stück „New York Con­cer­to“nen­nen, doch dann wur­de es schlicht Kla­vier­kon­zert in F-Dur be­ti­telt.

Gershwin, der bei der Urauf­füh­rung sei­nen ers­ten Auf­tritt in der New Yor­ker Car­ne­gie Hall ab­sol­vier­te, spiel­te den So­lo­part selbst. Im Hand­um­dre­hen ge­wann er die Her­zen der Zu­hö­rer, galt von da an als ei­ner der wich­tigs­ten ame­ri­ka­ni­schen Kom­po­nis­ten und wur­de nun auch in Eu­ro­pa im­mer stär­ker wahr­ge­nom­men.

Jäh ein­bre­chen­de Tem­po­ver­schär­fun­gen, Orches­ter­me­lo­di­en aus Jazz-Ele­men­ten, be­glei­tet von ge­schla­ge­nen Quin­ten auf dem Flü­gel – schon im ers­ten Satz ver­setzt Gershwin das Pu­bli­kum in Hoch­span­nung. Alar­mie­rend wie ein Kri­mi-Hör­spiel, ra­sant wie ei­ne Ver­fol­gungs­jagd, spürt man im druck­vol­len Di­ri­gat, dass der 75-jäh­ri­ge Slat­kin nicht nur na­he Hol­ly­wood (in Los An­ge­les) ge­bo­ren wur­de, son­dern mit al­len Was­sern ame­ri­ka­ni­scher Mu­sik ge­wa­schen, bei die­ser mu­si­ka­li­schen Par­force­tour auf­blüht.

Nicht min­der im­pul­siv, ra­sant und be­frei­end das männ­lich vir­tuo­se, kräf­ti­ge Tas­ten­spiel von Ki­rill Ger­stein. Im ers­ten Satz auf der Lau­er was das Orches­ter vor­legt, dann bis­sig zu­pa­ckend mu­tiert er im zwei­ten qua­si zu ei­nem Bar-Pia­nis­ten, der zu mit­ter­nächt­li­cher St­un­de Blues-Re­mi­nis­zen­zen flüs­tert.

Von lus­ti­gen Syn­ko­pen des Rag­time an­ge­feu­ert, sprü­hen im drit­ten Satz Fun­ken. Zi­ta­te der vor­an­ge­gan­ge­nen Sät­ze, samt ei­nem Gran­dio­so-Ein­schub, mi­schen das tur­bu­len­te Fi­na­le auf. Es mün­det mit ei­nem Sext­ak­kord in ju­beln­dem F-Dur, ge­folgt vom to­sen­den Ap­plaus ei­nes kom­plett be­geis­ter­ten Pu­bli­kums. Es ist voll­bracht. Le­bens­froh, ho - nungs­voll, ta­ten­durs­tig, vi­sio­när klingt der ful­mi­nan­te Sai­son-Auf­takt mit Ro­bert Schu­manns Sin­fo­nie Nr. 3 in Es-Dur aus.

In­fo Die Auf­füh­rung be­ginnt um 19.30 Uhr, Ein­lass 18.30 Uhr. Ti­ckets bei Ta­bak­wa­ren Brück­bau­er, 0 79 40 / 27 21 und der Stadt­ver­wal­tung,

0 79 40 / 12 91 21.

Fo­to: Ufuk Ars­lan

Die Würth Phil­har­mo­ni­ker wer­den beim um­ju­bel­ten Sai­son­au spielt Ki­rill Ger­stein. akt von Leo­nard Slat­kin di­ri­giert. Am Kla­vier

Fo­to: pri­vat

Auf der Büh­ne geht es bunt zu und hoch her.

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