Die Grip­pe­impf­stof­fe sind da

Haller Tagblatt - - BLICK IN DIE WELT - Von Iris Hum­pen­öder

34 Pro­zent der An­spruchs­be­rech­tig­ten las­sen sich imp­fen – laut der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on soll­ten es 75 Pro­zent sein.

Gut­schei­ne für ei­ne Por­ti­on Pom­mes oder ein Früh­stück in der Ca­fe­te­ria – mit sol­chen „An­rei­zen“woll­te das St. Fran­zis­kus­Hos­pi­tal in Müns­ter 2018 sei­ne Impf­quo­te in Sa­chen Grip­pe­schutz auf­bes­sern. Und was soll man sa­gen: Es hat ge­klappt. Die Impf­quo­te ver­dop­pel­te sich. In der Ärz­te­schaft lag sie so­gar bei über 90 Pro­zent.

Die Me­di­zi­ner wird ver­mut­lich we­ni­ger die Aus­sicht auf Gra­tis­Pom­mes zur Grip­pe­schutz­imp­fung an­ge­sta­chelt ha­ben als die Ak­ti­on „auf­su­chen­des Imp­fen“in al­len Ar­beits­be­rei­chen des Ho­s­pi­tals. Auch die Er­in­ne­rung an den schwe­ren Ver­lauf der vor­an­ge­gan­ge­nen Grip­pe­sai­son 2017/18 mit 25 100 In­flu­en­za-To­ten und ei­nem ho­hen Kran­ken­stand un­ter den Mit­ar­bei­tern könn­te zur Impf-Mo­ti­va­ti­on bei­ge­tra­gen ha­ben. „Das ist die höchs­te Zahl an To­des­fäl­len in den ver­gan­ge­nen 30 Jah­ren“, sagt Prof. Lothar H. Wie­ler, der Prä­si­dent des Ro­bert-Koch-In­sti­tuts (RKI). So vie­le To­des­fäl­le sei­en eher sel­ten, es ge­be auch Sai­sons mit we­ni­gen hun­dert To­ten.

Ei­ne Grip­pe be­ginnt meist plötz­lich – mit Fie­ber, Mus­ke­lo­der Kopf­schmer­zen. Et­was spä­ter kommt häu­fig ein tro­cke­ner Reiz­hus­ten da­zu. Vor al­lem äl­te­re Er­krank­te müs­sen aber nicht un­be­dingt mit Fie­ber re­agie­ren. „Äl­te­re ver­fü­gen über ei­ne ver­rin­ger­te Im­mun­ab­wehr und le­ben viel­fach in Ge­mein­schaf­ten, in de­nen die An­ste­ckungs­ge­fahr hö­her liegt“, sagt Dr. An­ja Kwet­kat, die Di­rek­to­rin der Kli­nik für Ger­ia­trie am Uni­k­li­ni­kum Je­na.

Für al­le über 60 Jah­ren emp­fiehlt die Stän­di­ge Impf­kom­mis­si­on des­halb die ein­ma­li­ge Sprit­ze, eben­so für chro­nisch Kran­ke je­den Al­ters, für Schwan­ge­re und me­di­zi­ni­sches Per­so­nal. Ge­ra­de in die­sem Be­reich be­män­gelt das RKI ei­nen zu ge­rin­gen Imp­f­an­teil. Da­bei kön­ne die Imp­fung nicht nur den Ein­zel­nen schüt­zen, son­dern re­du­zie­re eben auch die Wei­ter­ver­brei­tung des In­flu­en­za­Vi­rus im Kran­ken­haus.

Wand­lungs­fä­hi­ge Vi­ren

Ins­ge­samt bleibt die Impf­quo­te mit et­wa 34 Pro­zent al­ler An­spruchs­be­rech­tig­ten ge­ring. Wo­bei sich laut der Tech­ni­ker Kran­ken­kas­se in Sach­sen-An­halt 27 Pro­zent und in Sach­sen 22 Pro­zent der TK-Ver­si­cher­ten ge­gen Grip­pe imp­fen lie­ßen, wäh­rend es in Ba­den-Würt­tem­berg und Bay­ern je nur sie­ben Pro­zent wa­ren. Die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on WHO frei­lich gibt die Ziel­mar­ke mit 75 Pro­zent vor.

Grip­pe­vi­ren kön­nen sich von Sai­son zu Sai­son ver­än­dern. Wes­halb der Impfs­to« jähr­lich an die vor­aus­sicht­lich zir­ku­lie­ren­den In­flu­en­za­vi­ren an­ge­passt wird. Das Paul-Ehr­lich-In­sti­tut (PEI), Bun­des­in­sti­tut für Impfs­to«e und bio­me­di­zi­ni­sche Arz­nei­mit­tel, hat An­fang des Mo­nats 17 Mil­lio­nen Do­sen Grip­pe­impfs­to« frei­ge­ge­ben. Sie ent­hal­ten Kom­po­nen­ten von vier Vi­russtäm­men.

In die­ser Sai­son steht auch ein Grip­pe­impfs­to« zur Ver­fü­gung, für den die Vi­russtäm­me in Zell­kul­tu­ren und nicht in Hüh­ne­r­ei­ern ver­mehrt wer­den. Er ist nach An­ga­ben des PEI ins­be­son­de­re für je­ne ge­eig­net, die ei­ne schwe­re Hüh­ne­r­ei­weiß­all­er­gie ha­ben.

Ob die im Früh­jahr von der WHO für die Nord­halb­ku­gel fest­ge­leg­te Zu­sam­men­set­zung des Grip­pe-Impfs­to«es zu den dann tat­säch­lich auf­tre­ten­den Vi­ren­stäm­men passt, ist mehr oder we­ni­ger Glücks­sa­che. Ei­ne Imp­fung loh­ne den­noch, be­tont das RKI und rech­net vor: „Wenn im Lau­fe ei­ner In­flu­en­z­a­sai­son von 100 un­ge­impf­ten äl­te­ren Er­wach­se­nen 10 an Grip­pe er­kran­ken, er­kran­ken von 100 ge­impf­ten äl­te­ren Er­wach­se­nen nur et­wa 4 bis 6 – und das bei ei­ner Wirk­sam­keit von 41 bis 63 Pro­zent.“Zu­dem wur­de laut RKI in zahl­rei­chen Stu­di­en ge­zeigt, dass ei­ne In­flu­en­za­er­kran­kung bei ge­impf­ten Per­so­nen mil­der, al­so mit we­ni­ger Kom­pli­ka­tio­nen ver­läuft als bei Un­ge­impf­ten. Spiel 77

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