Frisch und fein gar­niert ser­viert

Haller Tagblatt - - FEUILLETON -

„Komm in mein Haus“sin­gen die Ber­li­ner See­ed und brei­ten auf

(War­ner) die Ar­me zu sat­tem Reg­gae aus. Will­kom­men im Pa­ra­dies, Schluss mit Glau­bens­kämp­fen, Lie­be und Of­fen­heit müs­sen her. „Der Kö­nig ist tot, lang le­be der Clown. Wir bau­en ei­nen Zaun.“See­ed wir­beln im Zeit­geist, un­term grau­en Him­mel wird ge­tanzt. Dies so­wie­so über das gan­ze Al­bum hin­weg bis zum voll­or­ches­trier­ten und ge­spens­tisch par­odis­ti­schen „What a Day“. Nach dem über­ra­schen­den Tod des Kol­le­gen Dem­ba Na­bé im Mai des ver­gan­ge­nen Jah­res stand für Pier­re Bai­gor­ry ali­as Pe­ter Fox und Frank Del­lé, die bei­den ver­blie­be­nen Front­män­ner der Ber­li­ner „Big Band“, nicht fest, ob es wei­ter­ge­hen wür­de. Wer nun Hüft­blo­cka­den und emo­tio­na­len Tief­gang er­war­tet, der wird von de­fi­ni­ti­ver Tanz­bar­keit über­rascht, denn See­ed le­gen kei­nen ge­dämpf­ten Auf­guss hin, son­dern star­ten zu­min­dest mu­si­ka­lisch mit be­währt kna­cki­gem Blä­ser­satz ein­fach voll durch. Text­lich ist das wie in „Sie is ge­la­den“mit Sän­ge­rin Nu­ra zwar bis­wei­len eher dürf­tig, und Rap­per Trett­mann reißt sich auch nicht ge­ra­de ein Wort­witz-Bein her­aus, in Sa­chen Sound-Fi­nes­se stel­len sich auf dem fünf­ten Al­bum aber kaum Fra­ge­zei­chen. Dub, Hi­p­Hop, Dan­ce­hall, Reg­gae oder Afro­Beats – nichts Neu­es, aber frisch und fein gar­niert ser­viert. Da­zu auch ein Über­ra­schungs­coup wie „Lass das Licht an“, bei dem die Herr­schaf­ten von Deich­kind den See­ed-Sound mit Elek­tro-Lust in gu­te Form brin­gen. Ein schö­nes Al­bum, das live si­cher­lich bes­tens funk­tio­nie­ren wird. Die Hal­len­kon­zer­te sind be­reits al­le aus­ver­kauft. Nächs­te Live-Chan­ce im Sü­den ist das South­si­de-Fes­ti­val 2020.

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