Die Wel­t­eli­te zu Gast

Haller Tagblatt - - SPORT - Von Ute Gall­bron­ner

Das Welt­cup-Team der Män­ner trai­niert der­zeit im Schwarz­wald. Das ist auch Aus­druck für ei­ne sehr gu­te Nach­wuchs­ar­beit im Land.

s ist ei­ne Pre­mie­re: Das Welt­cup-Team der Bi­ath­le­ten holt sich den letz­ten Sch­li für den Win­ter im Schwarz­wald. Be­ne­dikt Doll zeigt den Kol­le­gen sein Re­vier am Not­schrei, west­lich vom Feld­berg. Nur das Wet­ter ist bescheiden, aber als Win­ter­sport­ler ist man ja Kum­mer ge­wohnt.

Doll ist sei­ne Hei­mat wich­tig. Des­halb sucht er die Ba­lan­ce zwi­schen Trai­ning an den gro­ßen Zen­tren, den Lehr­gän­gen mit dem DSV und der Zeit da­heim. Er stu­diert in Furt­wan­gen, sein Heim­trai­ner ist Ro­man Bött­cher, und jetzt sorgt der 29-Jäh­ri­ge mit da­für,

Ear­bei­ten. Er sucht den Kon­takt zur Ba­sis. Denn Bi­ath­lon-Ta­len­te kön­nen auch auf dem fla­chen Land rei­fen, wie am Stütz­punkt in Ulm, der ak­tu­ell sechs Ath­le­ten im Bun­des­ka­der hat. Doch wenn jun­ge Sport­ler das Ta­lent und den Wil­len ha­ben, in den Leis­tungs­sport ein­zu­stei­gen, müs­sen sie ir­gend­wann den nächs­ten Schritt wa­gen. Das Sys­tem im Land sieht nach der zehn­ten Klas­se den Wech­sel ans Sport­in­ter­nat Furt­wan­gen vor, das auch Be­ne­dikt Doll und Si­mon Sch­empp be­sucht ha­ben.

Dort trai­nie­ren die 16- bis 18-Jäh­ri­gen bei Haus­wald und Ina Metz­ner, kön­nen Schu­le und zeit­in­ten­si­ves Trai­ning un­ter ei­nen Hut brin­gen. „Im Ju­gend­be­reich sind wir ak­tu­ell gut auf­ge­stellt“, sagt Haus­wald, der von ei­ner „star­ken Grup­pe“spricht.

Nach dem Ab­schluss geht es zu den „Pro­fis“nach Frei­burg. Haupt­trai­nings­ort ist das Bun­des­leis­tungs­zen­trum Not­schrei. Die An­la­ge soll nun auf in­ter­na­tio­na­les Ni­veau ge­ho­ben wer­den. Das wird rund drei Mil­lio­nen Eu­ro kos­ten. „Die Pla­nun­gen sind ab­ge­schlos­sen. Wenn wir wei­ter im Kon­zert mit­spie­len wol­len, müs­sen wir das ma­chen“, sagt Bött­cher. Aus­bau auf 30 Schieß­stän­de, Sa­nie­rung und Ver­brei­te­rung der Stre­cken, Ver­bes­se­run­gen in Sa­chen Be­schnei­ung.

Wenn Ben­ni Doll im Schwarz­wald ist, trai­niert er teil­wei­se mit der Grup­pe. Meist wird zu­sam­men ge­schos­sen, sonst ist der 29-Jäh­ri­ge mit Ro­man Rees un­ter­wegs oder in­di­vi­du­ell. „Die Span­ne von den Schul­ab­gän­gern bis zu Ro­man oder vor al­lem Ben­ni ist na­tür­lich sehr groß“, sagt Bött­cher. Ein Spa­gat für den Trai­ner.

Den Sprung nach Furt­wan­gen scha en nicht vie­le, noch we­ni­ger den nach Frei­burg. An die­sen Schnitt­punk­ten der Kar­rie­re müs­sen Ent­schei­dun­gen ge­tro en wer­den. Reicht das Ta­lent, die Leis­tungs­be­reit­schaft? Spielt der Kör­per mit? „Da muss man ge­gen­über den Sport­lern ehr­lich sein. Das sind emo­tio­nal schwie­ri­ge Ge­sprä­che. Im ers­ten Mo­ment bist du der Bö­se, wenn du sagst, es geht nicht wei­ter“, sagt Bött­cher. Letzt­lich müs­se die Ent­schei­dung aber im Sport­ler rei­fen. Denn es sind enor­me In­ves­ti­tio­nen – fi­nan­zi­ell, kör­per­lich und emo­tio­nal. Oh­ne ei­nen Hauch von Ga­ran­tie, dass es klappt mit dem Durch­bruch.

Gu­te Trai­ner sind Man­gel­wa­re

Wer im Ju­nio­ren­be­reich nicht ganz oben da­bei sei, für den ma­che es kei­nen Sinn. „Man­che den­ken, ich ge­be ein Jahr Voll­gas und ho­le wie­der auf. Aber das funk­tio­niert nicht“, sagt Haus­wald. Und Bött­cher er­gänzt: „Hier geht es nicht dar­um, ei­ne net­te Zeit im Sport zu ver­brin­gen, son­dern Leu­te für die Welt­spit­ze zu pro­du­zie­ren.“Wer kei­nen der ra­ren Plät­ze bei ei­ner Be­hör­de be­kommt, tut sich schon mit der Fi­nan­zie­rung schwer.

Meist ist Bött­cher der ein­zi­ge Trai­ner für die acht bis zehn Sport­ler. Zwar gibt es noch ei­ne hal­be Stel­le, doch die ist nicht be­setzt. Es fehlt an qua­li­fi­zier­ten Kan­di­da­ten. Ein Pro­blem, das eh­ren­amt­li­che Kol­le­gen an den Stütz­punk­ten bes­tens ken­nen. Die Lö­sungs­an­sät­ze: Sport­ler nach dem Kar­rie­re­en­de im Sys­tem hal­ten und sich Hil­fe für be­stimm­te Be­rei­che su­chen.

Bis Mitt­woch ist das Welt­cup-Team im Schwarz­wald. „Für uns ist es wich­tig, dass die­ser Lehr­gang hier statt­fin­det“, sagt Bött­cher. So wie je­der Tag, an dem Ben­ni Doll hier ist, mit dem Nach­wuchs trai­niert oder bei der Sie­ger­eh­rung der Schü­ler Po­ka­le über­reicht. Ta­len­te gibt es we­nig – und sie brau­chen Vor­bil­der.

Fo­to: gal

Al­les im Blick: Steen Haus­wald im Schieß­stand.

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