Fi­ma sieht Licht am En­de des Tun­nels

Kri­sen­be­wäl­ti­gung In­sol­venz­ver­wal­ter Stef­fen Rau­schen­busch si­chert dem Ober­fi­scha­cher Un­ter­neh­men ei­nen Mil­lio­nen­auf­trag aus Ni­ge­ria. Par­al­lel da­zu ver­han­delt er über den Ver­kauf des Un­ter­neh­mens.

Haller Tagblatt - - WIRTSCHAFT REGIONAL / BÖRSE - Von Jür­gen Steg­mai­er

Die Ret­tung kommt aus Afri­ka. Ein Kon­zern aus Ni­ge­ria be­stellt bei der Fi­ma sechs Ver­dich­ter für ei­ne Ra ne­rie. Das Auf­trags­vo­lu­men be­läuft sich auf 6 Mil­lio­nen Eu­ro. Das si­chert dem Un­ter­neh­men aus dem Ober­sont­hei­mer Teil­ort Ober­fi­schach und sei­nen ver­blie­be­nen 70 Mit­ar­bei­tern zu­nächst ein­mal das wirt­schaft­li­che Über­le­ben. Zu­min­dest bis Mit­te des nächs­tens Jah­res wird bei der Fi­ma Ma­schi­nen­bau Gm­bH ge­plant, ent­wi­ckelt und ge­fer­tigt. Das sei mehr als ein Sil­ber­streif, der sich am Fi­ma-Ho­ri­zont ab­zeich­net, sagt SteŽen Rau­schen­busch. Bei dem Ju­ris­ten, Ma­na­ger und In­sol­venz­ver­wal­ter aus Mann­heim lau­fen der­zeit die Fä­den zu­sam­men.

Ers­ter Ver­such schei­tert

Vor elf Wo­chen droh­ten in dem In­dus­trie­kom­plex im Fi­schach­tal die Lich­ter aus­zu­ge­hen. Ret­tung soll­te zu­nächst ei­ne In­sol­venz in Ei­gen­ver­wal­tung, ein so­ge­nann­tes Ret­tungs­schirm­ver­fah­ren, brin­gen. Die­ses wur­de am 2. Mai be­an­tragt. Doch am 25. Ju­li ka­pi­tu­lier­ten die Ver­ant­wort­li­chen um Ge­schäfts­füh­rer und Ei­g­ner Alex­an­der SchaeŽ. Die an­ge­streb­te Sa­nie­rung sei aus­sichts­los.

SteŽen Rau­schen­busch ist als In­sol­venz­ver­wal­ter dar­auf spe­zia­li­siert, zah­lungs­un­fä­hi­ge Un­ter­neh­men zu ret­ten. Im vor­an­ge­gan­ge­nen Schutz­schirm­ver­fah­ren war er Sach­wal­ter und da­mit eher in ei­ner pas­si­ven Funk­ti­on. Als In­sol­venz­ver­wal­ter aber ma­na­gen er und sein acht­köp­fi­ges Team die Ge­schi­cke ak­tiv.

Zu­nächst sei es dar­um ge­gan­gen, ei­nen Li­qui­di­täts­plan auf­zu­stel­len. Doch an­statt der er­war­te­ten 1 Mil­li­on Eu­ro hat­te die Fi­ma le­dig­lich 200 000 Eu­ro ver­füg­ba­re Mit­tel. „Zum Zeit­punkt die­ser Er­kennt­nis gab es ei­gent­lich kei­nen Aus­weg mehr“, sagt Rau­schen­busch. Doch durch den Ver­kauf von For­de­run­gen wur­de es mög­lich, die Li­qui­di­tät zu ver­bes­sern und den Be­trieb mit re­du­zier­ter Mit­ar­bei­ter­zahl zu­nächst auf­recht­zu­er­hal­ten. An­fang Au­gust wur­den 72 Frau­en und Män­ner frei­ge­stellt. Nicht, weil das Un­ter­neh­men sie nicht mehr hät­te brau­chen kön­nen. Die Fi­ma hat­te kein Geld mehr, um sie zu be­zah­len.

Bis der Auf­trag un­ter Dach und Fach war, muss­te hart ver­han­delt wer­den, oft tags und nachts. Die Kon­stel­la­ti­on ist kom­plex: Ein ita­lie­ni­scher Ge­schäfts­füh­rer ma­nagt das Un­ter­neh­men des afri­ka­ni­schen Auf­trag­ge­bers. Über des­sen Na­men ist Still­schwei­gen ver­ein­bart. In die Ver­trags­ge­stal­tung wa­ren auch Kanz­lei­en in Lon­don ein­ge­bun­den.

Weil Ban­ken die Si­cher­hei­ten, so­ge­nann­te Aval­kre­di­te, ge­kün­digt hat­ten, schien der Groß­auf­trag im Som­mer ge­schei­tert. Der In­sol­venz­ver­wal­ter hat Ver­ständ­nis für die Ent­schei­dung der Ban­ken. Die Geld­häu­ser dürf­ten durch Ge­schäf­te mit ei­nem in­sol­ven­ten Un­ter­neh­men kei­ne neu­en Ri­si­ken ein­ge­hen. Der Un­ter­neh­mer Alex­an­der SchaeŽ hat­te den Rück­zug der Ban­ken als Haupt­grund für die Zah­lungs­un­fä­hig­keit an­ge­ge­ben.

Res­t­ri­si­ko bleibt

Die Si­cher­heit für Kun­den, dass das Un­ter­neh­men die Auf­trä­ge tat­säch­lich be­ar­bei­tet und aus­lie­fert, wur­de er­reicht, in­dem Vor­ab­zah­lun­gen auf ein Treu­hand­kon­to über­wie­sen wer­den. Die­ses Mit­tel ist nicht so stark wie ei­ne Bürg­schaft. So­mit bleibt für die Auf­trag­ge­ber ein Res­t­ri­si­ko, räumt Rau­schen­busch ein. Doch er ist sich si­cher, dass das Un­ter­neh­men lie­fern wird.

„SchaŽen wir das? Zie­hen Sie mit?“, woll­te SteŽen Rau­schen­busch am Mitt­woch von den Mit­ar­bei­tern wis­sen. „Wir hau­en die Ha­cken zu­sam­men und zie­hen die Auf­trä­ge durch“, so be­schreibt der In­sol­venz­ver­wal­ter die Stim­mung in der Fi­ma-Be­leg­schaft bei die­sem TreŽen.

Die Ret­tung der Fi­ma ist das ei­ne. Der Ver­kauf des Un­ter­neh­mens das an­de­re. Auch in die­ser Hin­sicht ist SteŽen Rau­schen­busch ein Stück weit vor­an­ge­kom­men. Die ak­tu­el­le Auf­trags­la­ge könn­te die Fi­ma für In­ves­to­ren zu ei­ner at­trak­ti­ven Er­wer­bung ma­chen. Es ge­be be­reits In­ter­es­sen­ten, ei­ner soll schon in Ober­fi­schach ge­we­sen sein. Der In­sol­venz­ver­wal­ter geht da­von aus, dass im Herbst wei­te­re Ge­sprä­che statt­fin­den wer­den.

Wir hau­en die Ha­cken zu­sam­men und zie­hen die Auf­trä­ge durch. Stef­fen Rau­schen­busch In­sol­venz­ver­wal­ter

Fo­to: just

Ste en Rau­schen­busch in der Fi­ma-Pro­duk­ti­ons­hal­le. Der In­sol­venz­ver­wal­ter aus Mann­heim ist gu­ter Din­ge, dass das Un­ter­neh­men wie­der die Ba­lan­ce ndet.

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