En mi­nia­tu­re – im­mer­hin

Haller Tagblatt - - WIRTSCHAFT -

Die gro­ße Idee von ei­ner Eu­ro­päi­schen Uni­on, die sich als li­be­ra­les Ge­gen­ge­wicht zu dem au­to­kra­ti­schen Chi­na und den do­mi­nan­ten USA ver­steht, hat im ver­gan­ge­nen Jahr­zehnt nach Fi­nanz- und Flücht­lin­ge­kri­sen an Strahl­kraft ver­lo­ren. Erst der fran­zö­si­sche Prä­si­dent Em­ma­nu­el Ma­cron hat vor zwei Jah­ren ei­ne Vi­si­on ent­wor­fen, die dar­auf hin­aus­läuft, dass die EU sich sel­ber mehr Hand­lungs­macht ver­schat: fi­nan­zi­ell, au­ßen­po­li­tisch, mi­li­tä­risch.

Das so­ge­nann­te Eu­ro­zo­nen-Bud­get ist ein Mo­sa­ik die­ser Vi­si­on. Der eu­ro­päi­sche Geld­topf soll­te nach Ma­crons Vor­stel­lung im Lau­fe der Jah­re mit mehr als hun­dert Mil­li­ar­den Eu­ro auf­ge­füllt wer­den. Dar­aus sind jetzt 17 Mil­li­ar­den ge­wor­den. Das zeigt, dass Ma­crons Vi­si­on in ei­ner Uni­on von 19 Län­dern nur en mi­nia­tu­re, al­so im Klein­for­mat, zu ha­ben ist.

Ganz ver­kehrt sind die Vor­be­hal­te ge­gen den gro­ßen Geld­topf nicht. Die Grie­chen­land­kri­se hat ge­zeigt, dass es nicht al­le Staa­ten mit der Haus­halts­dis­zi­plin so ge­nau neh­men. Oh­ne die Be­reit­schaft da­zu und zu struk­tu­rel­len Re­for­men wä­re das gro­ße Bud­get aber ein Um­ver­tei­lungs­topf zu­las­ten de­rer, die so­li­de wirt­schaf­ten.

Dass das Eu­ro­zo­nen-Bud­get klein star­tet, ist gleich­wohl be­grü­ßens­wert. Auf dem har­ten Bo­den der eu­ro­päi­schen Ei­ni­gung ist je­de Vi­si­on, die we­nigs­tens en mi­nia­tu­re um­ge­setzt wird, schon ein Fort­schritt.

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