Bahn setzt mehr Zü­ge ein

Haller Tagblatt - - WIRTSCHAFT - Von Die­ter Kel­ler

Ver­kehr Der neue Fahr­plan ver­spricht vom 15. De­zem­ber an zu­sätz­li­che Fahr­ten und hö­he­ren Kom­fort. Of­fen ist, zu wel­chem Zeit­punkt die Prei­se im Fern­ver­kehr sin­ken. Mi­nis­ter Scheu­er will Mit­tel für den Schie­nen-ÖPNV

Nach­dem die Kin­der­krank­hei­ten am ICE4 aus­ge­merzt sind, lie­fert Sie­mens der Deut­schen Bahn der­zeit al­le drei Wo­chen ein neu­es Ex­em­plar des Su­per­zugs. Da­von pro­fi­tie­ren die Fahr­gäs­te im Fern­ver­kehr: Mit dem Fahr­plan­wech­sel am 15. De­zem­ber er­höht der Staats­kon­zern auf wich­ti­gen Stre­cken das Zug- und Platz­an­ge­bot, wie er ges­tern be­kannt­gab – und das zu kon­stan­ten Prei­sen: Im Ge­gen­satz zu frü­he­ren Jah­ren nutzt er den Wech­sel nicht für ei­ne Er­hö­hung. Plät­ze für den neu­en Fahr­plan kön­nen ab 15. Ok­to­ber ge­bucht wer­den.

Ob al­ler­dings die Prei­se für Fern­ti­ckets schon am 1. Ja­nu­ar 2020 um 10 Pro­zent sin­ken, ist of­fen: Erst muss der Bun­des­tag die Re­du­zie­rung der Mehr­wert­steu­er auf Fern­ti­ckets auf 7 Pro­zent be­schlie­ßen. Das Bun­des­ka­bi­nett will dies laut Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um „zeit­nah“an­sto­ßen.

Zu­sätz­li­che Fahr­ten ver­spricht die Bahn auf den ICE-Li­ni­en Ber­lin-Er­furt­Mün­chen und Ber­lin­Braun­schweig-Frank­furt/

Main. Hier gibt es künf­tig ei­nen lü­cken­lo­sen St­un­den­takt. Auf der Stre­cke von Ham­burg über Karls­ru­he in die Schweiz fährt ab Mit­te De­zem­ber weit­ge­hend der ICE4, der mehr Sit­ze und die Mög­lich­keit zur Fahr­rad­mit­nah­me bie­tet. Ab Ju­ni 2020 ist dies auch auf der Stre­cke Ber­lin­Frank­furt-Schweiz vor­ge­se­hen. Ins­ge­samt hat die Bahn 137 Ex­em­pla­re des ICE4 be­stellt; da­von wur­den bis­her 40 aus­ge­lie­fert.

In Ost­deutsch­land star­tet ei­ne ganz neue Fern­ver­kehrs­li­nie von Dres­den über Ber­lin nach Rostock, al­ler­dings mit IC. Zu­nächst fah­ren zehn­mal am Tag Dop­pel­stock­wa­gen, die un­ter an­de­rem in Els­ter­wer­da und Ora­ni­en­burg hal­ten. Ab 8. März 2020 ist ein Zwei-St­un­den-Takt mit 16 Fahr­ten täg­lich vor­ge­se­hen.

Neue Ver­bin­dun­gen gibt es auch ins Aus­land: Ab Mai star­tet der Rail­jet von Ber­lin über Dres­den und Prag. Ab Som­mer ver­kürzt sich die Rei­se­zeit der Eu­ro­ci­ty-Zü­ge von Ber­lin nach War­schau um 30 Mi­nu­ten. Um den öf­fent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr eben­falls at­trak­ti­ver zu ma­chen, will der Bund deut­lich mehr Geld für In­ves­ti­tio­nen in den Neu- und Aus­bau zur Ver­fü­gung stel­len. „Da­von pro­fi­tie­ren die Ver­kehrs­un­ter­neh­men, Städ­te und Kom­mu­nen“, ver­sprach Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Andre­as Scheu­er (CSU), der den Län­der­kol­le­gen sei­ne Plä­ne vor­stell­te. Sie müs­sen al­ler­dings erst noch vom Bun­des­ka­bi­nett und vom Bun­des­tag be­schlos­sen wer­den.

Scheu­er will die Mit­tel für den schie­nen­ge­bun­de­nen ÖPNV 2020 auf 665 Mio. € ver­dop­peln. Im Jahr dar­auf sind 1 Mrd. € vor­ge­se­hen, ab 2025 als Teil des Kli­ma­schutz­pa­kets dann 2 Mrd. €. Mit dem Geld kön­nen Ver­kehrs­un­ter­neh­men und Städ­te nicht nur neue Pro­jek­te an­ge­hen, son­dern auch sa­nie­ren, et­wa U-Bahn­hö­fe mo­der­ni­sie­ren, Trep­pen­auf­gän­ge re­no­vie­ren, trop­fen­de De­cken re­pa­rie­ren oder Tun­nel aus­bes­sern. Auch für Stra­ßen- und S-Bah­nen kann das Geld ver­wandt wer­den.

Der Bund er­höht sei­nen Zu­schuss von 60 auf 75 Pro­zent, wenn die Wirt­schaft­lich­keit nach­ge­wie­sen ist. Zu­dem för­dert er künf­tig schon Pro­jek­te, die ins­ge­samt 30 Mio. € kos­ten. Der­zeit liegt die Gren­ze bei 50 Mio. €. In Ein­zel­fäl­len wird so­gar ab 10 Mio. € ge­för­dert. Für Pla­nung und Or­ga­ni­sa­ti­on sind die Län­der oder Kom­mu­nen zu­stän­dig.

Kaum Chan­cen hat da­ge­gen ein Son­der­fonds zur Fi­nan­zie­rung der Schie­ne nach Schwei­zer Vor­bild, den un­ter an­de­rem die Vor­sit­zen­de der Ver­kehrs­mi­nis­ter­kon­fe­renz, die Saar­län­de­rin An­ke Rehlin­ger (SPD), ge­for­dert hat­te. Dies ha­be kei­ne Mehr­heit, sag­te der haus­halts­po­li­ti­sche Spre­cher der Uni­ons­frak­ti­on, Eck­hardt Reh­berg, dem „Han­dels­blatt“. Die jetzt ge­plan­ten Fi­nan­zie­rungs­pa­ke­te für den Bahn­ver­kehr sei­en „fle­xi­bel ge­nug“.

Die Ver­kehrs­mi­nis­ter der Län­der un­ter­stri­chen ih­re For­de­rung an den Bund, in den Nah- und Fern­ver­kehr müss­ten mit­tel­fris­tig jähr­lich 150 € pro Bür­ger in­ves­tiert wer­den, dop­pelt so viel wie bis­her. „Die Bahn ist ganz si­cher die Ge­win­ne­rin des Kli­ma­pa­kets der Bun­des­re­gie­rung“, be­ton­te Rehlin­ger.

Fo­to: Ma­ri­us Be­cker/dpa

Ver­spre­chen mehr Tem­po und Kom­fort: die neu­en ICE4.

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