Jetzt ist wie­der al­les ge­rich­tet

Im Brauns­ba­cher Teil­ort sind die Tief­bau­ar­bei­ten fast ab­ge­schlos­sen. Neue Ka­nä­le und Lei­tun­gen funk­tio­nie­ren rei­bungs­los. Vom Rei­chen­bach geht we­ni­ger Ge­fahr aus.

Haller Tagblatt - - VORDERSEIT­E - Von Nor­bert Acker

Brauns­bach. In St­ein­kir­chen sind die Tief­bau­ar­bei­ten nach der Sturz­flut vom 29. Mai 2016 fast ab­ge­schlos­sen. Ka­nä­le und Lei­tun­gen sind in Be­trieb. Der Rei­chen­bach ist jetzt si­che­rer.

Die Jungs ha­ben sich im Tief­bau vor­ge­ar­bei­tet, der Pflas­ter­bau folg­te auf dem Fuß. Frank Kolb Pro­jekt­lei­ter Awus Bau

Am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag steht ge­gen 10 Uhr ei­ne Grup­pe Her­ren, ei­ni­ge in Ar­beits­ja­cken, am Rei­chen­bach in St­ein­kir­chen. In­ge­nieur Klaus Geh­ring fal­tet ei­nen gro­ßen Plan aus­ein­an­der und Brauns­bachs Bür­ger­meis­ter Frank Harsch wirft ei­nen Blick hin­ein. „Wir soll­ten hier an­fan­gen und uns dann lang­sam hoch­ar­bei­ten“, sagt er. Geh­ring nickt und die Grup­pe macht sich auf zum An­fang der Jung­holz­häu­ser Stra­ße. Dort wal­tet Mar­kus Ko­bald, Was­ser­meis­ter der Ge­mein­de Brauns­bach, sei­nes Am­tes und ö—net den ers­ten Ka­nal­de­ckel. Die Bli­cke der Män­ner rich­ten sich nach un­ten, ein ers­ter un­ter­ir­di­scher Ka­nal wird be­gut­ach­tet.

Zwei Ta­ge, zwei Ab­nah­men

Ver­tre­ter der be­tei­lig­ten Bau­fir­men, der Ge­mein­de Brauns­bach und Hel­mut Schnei­der vom Bau­und Um­welt­amt des Land­krei­ses ha­ben sich an die­sem Tag zu ei­nem Ab­nah­me­ter­min ver­sam­melt. Tags zu­vor ist ein ähn­li­ches Pro­ze­de­re im Rei­chen­bach voll­zo­gen wor­den. Dort ging es um die Hoch­was­ser­schutz­maß­nah­men, jetzt ist die Ka­na­li­sa­ti­on an der Rei­he. „Ab heu­te gilt die Ge­währ­leis­tungs­frist für vier Jah­re“, sagt Bür­ger­meis­ter Harsch, wäh­rend sich die Ex­per­ten ei­nen wei­te­ren Ka­nal­schacht ge­nau­er an­schau­en. „Et­wa ein hal­bes Jahr vor Ablauf der Frist wer­den wir uns das al­les noch ein­mal ge­nau an­schau­en.“

Die Grup­pe zieht wei­ter. Es gibt noch ei­ni­ges mehr zu be­gut­ach­ten. „Am An­fang ha­ben wir nicht ab­se­hen kön­nen, was hier al­les auf uns zu kommt“, er­in­nert sich Frank Kolb, Pro­jekt­lei­ter des Aa­le­ner Bau­un­ter­neh­mens Awus. Die Fir­ma hat den Groß­teil der Bau­maß­nah­men in St­ein­kir­chen ge­stemmt. Ne­ben ei­ni­gen Su­b­un­ter­neh­men, zum Bei­spiel für die Pflas­ter- und Be­pflan­zungs­ar­bei­ten, war auch die Fir­ma St­ein­bren­ner aus Blau­fel­den be­tei­ligt, die die Was­ser­lei­tun­gen ver­legt hat. „Ins­ge­samt hat es aber gut hin­ge­hau­en“, so Kolb. „Wir sind zu­frie­den.“

In der ar­beits­in­ten­sivs­ten Zeit der Bau­ar­bei­ten – Kolb meint da­mit die Zeit von Som­mer 2017 bis En­de 2018 – ist sein Un­ter­neh­men wo­chen­tags mit zwei Ko­lon­nen im Ein­satz ge­we­sen. Al­so je­weils sechs bis acht Mit­ar­bei­ter. „Die Jungs ha­ben sich im Tief­bau vor­ge­ar­bei­tet, der Pflas­ter­bau folg­te auf dem Fuß“, er­zählt Kolb.

Die Bau­fir­men ha­ben gro­ßen Wert auf ei­nen gu­ten Kon­takt zu den An­woh­nern ge­legt. „Die ge­gen­sei­ti­ge Rück­sicht­nah­me war wirk­lich wich­tig in der hei­ßen Bau­pha­se“, sagt Kolb. Das hat wohl funk­tio­niert. „Es gibt Bau­stel­len, da be­kom­men wir nach zwei Wo­chen die ers­ten Be­schwer­den. Das war in St­ein­kir­chen über­haupt nicht so“, er­in­nert sich der Pro­jekt­lei­ter. „Es war schon schwie­rig in der gan­zen En­ge“, er­gänzt sein Kol­le­ge Mat­thi­as Proft. Er war als Bau­lei­ter von Awus im­mer haut­nah bei den Ar­bei­ten da­bei. „Wir ha­ben aber im­mer ge­schaut, dass es für die An­woh­ner mit der Zu­we­gung ge­klappt hat.“

Mitt­ler­wei­le ist die Grup­pe fast am En­de des Klin­gen­wegs an­ge­kom­men. Hier ist der letz­te Ka­nal ver­legt wor­den. Die Ex­per­ten schau­en in die Schäch­te und ma­chen sich No­ti­zen. Ein paar Klei­nig­kei­ten müs­sen noch nach­ge­ar­bei­tet wer­den, aber das scheint kein Pro­blem zu sein. Ein An­woh­ner parkt ge­ra­de sei­nen Wa­gen, sein Hund springt aus dem Au­to und rennt freu­dig mit dem Schwanz we­delnd zu der Grup­pe. „Ich glau­be, er wird euch ver­mis­sen“, sagt sein Herr­chen. Das freut die Ver­tre­ter der Bau­fir­men sicht­lich.

Der Auf­wand ist nö­tig

„Das ist In­fra­struk­tur im Un­ter­grund. So et­was sieht man ja so nicht o—en­sicht­lich“, sagt Bür­ger­meis­ter Harsch zwei Ka­nal­schäch­te wei­ter. „Aber es ist ei­ne auf­wän­di­ge Ge­schich­te, und es muss auch je­den Tag funk­tio­nie­ren.“Strom und Was­ser kä­men eben nicht ein­fach aus der Wand. Um die­se Ver­sor­gung zu ge­währ­leis­ten, sei lei­der ein ge­wis­ser Auf­wand von­nö­ten. „Ich freue mich, dass es hier in St­ein­kir­chen gut funk­tio­niert hat. Fi­nan­zi­ell und vom Zeit­rah­men her“, er­gänzt der Schul­tes. Dann zieht die Grup­pe wei­ter zum nächs­ten Ka­nal­schacht auf der Lis­te.

Fo­to: Ar­chiv/Thu­mi­lan Sel­va­ku­ma­ran

Das Ar­chiv­fo­to zeigt Auf­räum­ar­bei­ten in St­ein­kir­chen kurz nach der Flut­ka­ta­stro­phe. Seit Mai 2016 kam der Wie­der­auf­bau gut vor­an.

Fo­to: Nor­bert Acker

In­ge­nieur Klaus Geh­ring (vor­ne links) spricht mit Bür­ger­meis­ter Frank Harsch (vor­ne rechts) ab, in wel­cher Rei­hen­fol­ge die neu­en Ka­nal­schäch­te in St­ein­kir­chen be­gut­ach­tet wer­den.

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