Wenn die Kli­nik-IT streikt

Haller Tagblatt - - SÜDWESTUMS­CHAU - Von Al­f­red Wie­de­mann

Spie­len di­gi­ta­le Sys­te­me plötz­lich nicht mehr mit, kann es mas­si­ve Pro­ble­me ge­ben. So wie die­se Wo­che in Ra­vens­burg. d Die Pa­ti­en­ten wa­ren zu kei­ner Zeit in Ge­fahr. Win­fried Leiprecht Ober­schwa­ben­kli­nik Ra­vens­burg

Der Schreck war groß am Di­ens­tag­abend am Ra­vens­bur­ger Eli­sa­be­thenKran­ken­haus: Das ITSys­tem spiel­te ver­rückt, die Te­le­fon­lei­tun­gen wa­ren fast fünf St­un­den tot, der di­gi­ta­le Da­ten­aus­tausch lahm­ge­legt. Über die Po­li­zei und die Lo­kal­zei­tung gab das 500-Bet­ten-Kran­ken­haus, die Zen­tral­ein­rich­tung der Ober­schwa­ben­kli­ni­ken gGm­bH (OSK), die Stö­rung be­kannt. Die Not­auf­nah­me wur­de bei der Leit­stel­le ab­ge­mel­det, Ret­tungs­wa­gen muss­ten an­de­re Kli­ni­ken an­fah­ren. Die Stö­run­gen tra­fen auch die an­de­ren Kran­ken­häu­sern des Kli­nik­ver­bunds in Wan­gen im All­gäu und in Bad Wald­see, aber die nur kurz.

Noch in der Nacht zum Mitt­woch wa­ren die IT-Stö­run­gen be­ho­ben. „Es war kein Ha­cker­an­gri , son­dern ein De­fekt in der Netz­werk­tech­nik“, sagt OSK-Pres­se­spre­cher Win­fried Leiprecht, das sei schnell klar ge­we­sen. Ei­nes von Dut­zen­den Netz­werk­ge­rä­ten ha­be sich selbst­stän­dig ge­macht. Der de­fek­te Switch stör­te, das leg­te IT und Te­le­fo­ne lahm. Das Seg­ment wur­de aus­ge­tauscht. Am Mitt­woch prüf­ten die Fach­leu­te, wie sie in Zu­kunft ver­hin­dern, dass ein sol­cher Lei­tungs­feh­ler nicht mehr das gan­ze IT-Sys­tem lahm­legt.

„Pa­ti­en­ten wa­ren zu kei­ner Zeit in Ge­fahr“, ver­si­chert Leiprecht. Es gab kei­nen Strom­aus­fall, die me­di­zi­ni­schen Ge­rä­te funk­tio­nier­ten. Nur der Da­tenn- aus­tausch klapp­te nicht: „Rönt­gen­bil­der konn­ten zum Bei­spiel ge­macht wer­den, aber nicht wie ge­wohnt elek­tro­nisch wei­ter ge­nutzt wer­den“, er­klärt Leiprecht.

In die Not­auf­nah­me sei­en wäh­rend der IT-Stö­rung ei­ni­ge Pa­ti­en­ten sel­ber ge­kom­men, nicht mit Ret­tungs­wa­gen. De­ren Da­ten muss­ten dann eben von Hand auf­ge­nom­men wer­den, nicht wie sonst am Com­pu­ter.

Gut aus­ge­gan­gen al­so, wie im Som­mer am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Hei­del­berg. EDV-Stö­run­gen hat­ten am 30. Au­gust zu Ver­schie­bun­gen von Un­ter­su­chun­gen und ge­plan­ten Ope­ra­tio­nen ge­führt. Aku­te Not­fäl­le konn­ten aber ver­sorgt und Not-Ope­ra­tio­nen durch­ge­führt wer­den, wie die Uni­k­li­nik da­mals mit­teil­te. „Die Pa­ti­en­ten­si­cher­heit war zu je­dem Zeit­punkt ge­währ­leis­tet.“

Ur­sa­che der IT-Stö­run­gen war ein Pro­blem bei War­tungs­ar­bei­ten der zen­tra­len Spei­cher­sys­te­me. Soft- und Hard­ware wa­ren nicht kom­pa­ti­bel, was we­der Be­trei­ber noch Her­stel­ler be­kannt ge­we­sen sei. Am fol­gen­den Mit­tag lie­fen die Sys­te­me wie­der.

Nicht in­ter­ne Pro­ble­me, son­dern Kri­mi­nel­le ha­ben Kli­ni­ken schon vor mas­si­ve­re Pro­ble­me ge­stellt: In Fürs­ten­feld­bruck leg­te im No­vem­ber 2018 ein Cy­ber­an­gri hun­der­te Com­pu­ter lahm. Ur­sa­che war ein Tro­ja­ner in ei­ner E-Mail. Die Te­le­fo­ne gin­gen zwar noch, von der Ret­tungs­leit­stel­le muss­te sich das Kran­ken­haus aber mehr als ei­ne Wo­che ab­mel­den.

Trotz um­fang­rei­cher Er­mitt­lun­gen blie­ben die An­grei­fer im Dun­keln: Das Ver­fah­ren ge­gen Un­be­kannt sei ein­ge­stellt wor­den, sag­te ein Spre­cher der baye­ri­schen Zen­tral­stel­le Cy­ber­cri­me bei der Bam­ber­ger Ge­ne­ral­staats­an­walt­schaft.

Im Som­mer 2019 traf es elf Kran­ken­häu­ser in Rhein­lan­dP­falz und im Saar­land. Schad­soft­ware ver­schlüs­sel­te Ser­ver und Da­ten­ban­ken des DRK-Kli­nik­ver­bunds Süd-West. Die Ver­sor­gung der Pa­ti­en­ten lief wei­ter.

In Ba­den-Würt­tem­berg wur­den zwei Cy­ber­an­gri e auf Kran­ken­häu­ser an­ge­zeigt: im No­vem­ber 2015 und im Mai 2019. Bei­de sei­en glimpf­lich aus­ge­gan­gen, die Or­te nann­te das Lan­des­kri­mi­nal­amt in Stutt­gart nicht.

Aber De­tails: Es wa­ren eben­falls Ran­som­ware-An­gri e, Teil ei­ner groß­an­ge­leg­ten Kam­pa­gne, nicht ge­zielt ge­gen Kli­ni­ken ge­rich­tet. Die Ma­sche be­droht im­mer wie­der auch Fir­men­netz­wer­ke: Mail­emp­fän­ger wer­den durch „täu­schend echt wir­ken­de und teil­wei­se in ein­wand­frei­em Deutsch ver­fass­te Tex­te und un­ter Aus­nut­zung schein­bar be­kann­ter Kon­takt­be­zie­hun­gen“da­zu be­wegt, ein als An­la­ge bei­ge­füg­tes O¨ce-Do­ku­ment zu ö nen und den Be­ar­bei­tungs­mo­dus zu ak­ti­vie­ren So kann Schad­soft­ware ge­la­den wer­den.

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