Frisch­milch ver­un­rei­nigt

Meh­re­re gro­ße Ein­zel­han­dels­ket­ten von Rück­ruf be­trof­fen. Es dro­hen Durch­fall­er­kran­kun­gen. Ur­sa­che ist ei­ne de­fek­te Dich­tung.

Haller Tagblatt - - BLICK IN DIE WELT - Von Micha­el Ga­bel

Zu­erst der Skan­dal beim Wurst­her­stel­ler Wil­ke, jetzt die Milch-Rück­ruf­ak­ti­on – er­neut sind ge­sund­heits­ge­fähr­den­de Le­bens­mit­tel in den Han­del ge­langt. Bei „ein­zel­nen Ar­ti­keln“sei ei­ne Be­las­tung mit ge­fähr­li­chen Bak­te­ri­en fest­ge­stellt wor­den, teil­ten die bei­den Her­stel­ler­fir­men Deut­sches Milch­kon­tor (DMK) und Fu­de+Ser­rahn mit. Der Ver­brau­cher­ver­band Food­watch be­schei­nigt den Un­ter­neh­men, zü­gig ge­han­delt zu ha­ben. „Im Ge­gen­satz zum Fall Wil­ke scheint dies­mal, zu­min­dest was das Kri­sen­ma­nage­ment der Un­ter­neh­men be­tri£t, al­les kor­rekt ge­lau­fen zu sein“, sagt Food­watch-Ex­per­te Da­rio Sar­ma­di.

Was ist pas­siert? Laut Un­ter­neh­men hat ei­ne de­fek­te Dich­tung da­zu ge­führt, dass im DMK-Werk Ever­s­win­kel (Nord­rhein-West­fa­len) grö­ße­re Men­gen Milch mit Bak­te­ri­en ver­un­rei­nigt wur­den. In­zwi­schen sei das Pro­blem be­ho­ben. Die Dich­tung sei aus­ge­tauscht und die Ma­schi­ne ge­rei­nigt wor­den, ver­si­cher­te ein Un­ter­neh­mens­spre­cher. Wie viel Milch be­tro£en war, sei nicht zu

Grounp klä­ren, sag­te er. Die DMK Fall ge­sche­hen. Kri­tisch ge­hört zu den größ­ten Lie­fe­ran­ten sieht der Ex­per­te das Ver­hal­ten des deut­schen Ein­zel­han­dels meh­re­rer Han­dels­ket­ten. Vie­le mit 20 Stand­or­ten in Deutsch­land von ih­nen hät­ten nur ver­steckt und den Nie­der­lan­den. über das In­ter­net oder gar nicht über den Rück­ruf in­for­miert. Man­cher hat jetzt vi­el­leicht in­fi­zier­te Milch­kar­tons im Kühl­schrank, oh­ne es zu wis­sen. Wel­che Han­dels­ket­ten und Pro­duk­te sind be­trof­fen? Fast al­le gro­ßen: un­ter an­de­rem Al­di Nord und Süd, Lidl, Ede­ka, Rewe, Me­tro und Kauf­land. Die frag­li­chen Mar­ken tra­gen das Kenn­zei­chen „DE NW 508“und be­stimm­te Min­dest­halt­bar­keits­da­ten zwi­schen dem 10. und 20. Ok­to­ber. Kon­kret geht es um den Ar­ti­kel „Fri­sche fett­ar­me Milch 1,5 Pro­zent Fett“im Ein-Li­ter-Pack. Ver­kauft wird er un­ter den Mar­ken­na­men Aro-Milch von Me­tro, Mil­sa­ni von Al­di Nord, Mil­fi­na von Al­di Süd, K-Clas­sic von Kauf­land, Mil­bo­na von Lidl, Tip und Hof­gut von Bar­tels-Lang­ness, Gut und Güns­tig von Ede­ka, Gu­tes Land von Net­to, Ja von Rewe und Tip von Re­al.

Ha­ben die Milch­pro­du­zen­ten rich­tig re­agiert? Pro­du­zen­ten müss­ten bei Pro­ble­men so früh wie mög­lich ei­ne Rück­ruf­ak­ti­on star­ten, um die Ver­brau­cher zu war­nen und zu schüt­zen, sagt Sar­ma­di von Food­watch. Das sei im aktu­del­len

Gab es wei­te­re Ver­säum­nis­se? Die zu­stän­di­ge Be­hör­de hat ih­re War­nung am Frei­tag erst spät auf die Web­site www.le­bens­mit­tel­über­wa­chung.de ge­stellt. „Das hät­te frü­her ge­sche­hen müs­sen, zu­mal die Un­ter­neh­men schon am Vor­abend die Pro­ble­me ge­mel­det hat­ten“, kri­ti­siert Sar­ma­di. Wie ge­fähr­lich ist der Er­re­ger? Das in der Milch ge­fun­de­ne Bak­te­ri­um Ae­ro­mo­nas hy­dro­phi­la kann zu Durch­fall, Fie­ber und Er­bre­chen füh­ren. Kommt es mit o£enen Wun­den in Be­rüh­rung, ist so­gar ei­ne Blut­ver­gif­tung mög­lich. Be­han­delt wird ei­ne In­fek­ti­on mit An­ti­bio­ti­ka.

Be­kom­men Kun­den ihr Geld zu­rück? Ja – auch wenn dies bei ei­nem Preis von rund ei­nem Eu­ro pro Li­ter nicht das drän­gends­te Pro­blem sein dürf­te. Kun­den kön­nen be­denk­li­che Wa­re ein­fach in den Su­per­markt zu­rück­brin­gen und er­hal­ten dort – auch oh­ne Vor­la­ge des Bons – den Kauf­preis er­stat­tet.

Hat der Fall Ähn­lich­kei­ten mit dem Skan­dal um den Wurst­her­stel­ler Wil­ke? Nein. Zur Er­in­ne­rung: An den Lis­te­ri­en-Kei­men in den Wurst­wa­ren des hes­si­schen Be­trie­bes star­ben min­des­tens drei Men­schen. Zu­dem ge­riet die hes­si­sche Um­welt­mi­nis­te­rin Pris­ka Hinz (Grü­ne) in die Kri­tik, weil sie In­for­ma­tio­nen über den Fall viel zu spät an den zu­stän­di­gen Land­kreis wei­ter­ge­ge­ben ha­ben soll.

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