„Ich bin rich­tig er­schro­cken, wie es da un­ten aus­sieht“

Bei Bau­ar­bei­ten im Hal­len­bad des Gaildor­fer Schul­zen­trums wer­den wei­te­re Schä­den ent­deckt. Der Mehr­auf­wand liegt bei 157 000 Eu­ro.

Haller Tagblatt - - LANDKREIS HALL - Von Klaus Micha­el Oß­wald

Mit der Sa­nie­rung des Lehr­schwimm­be­ckens im Gaildor­fer Schul­zen­trum sei man „kräf­tig vor­wärts ge­kom­men“, konn­te Di­plom­in­ge­nieur Jo­chen Rau­sen­ber­ger, ei­ner der bei­den Ge­schäfts­füh­rer von Rich­ter + Rau­sen­ber­ger Bä­der­bau in Ger­lin­gen, kürz­lich dem Ge­mein­de­rat be­rich­ten. Die­ser an sich gu­ten Nach­richt muss­te der Ex­per­te, der die städ­ti­schen Bä­der be­reits in- und aus­wen­dig kennt, ei­ne schlech­te Nach­richt hin­ter­her schie­ben: Es gibt wei­te­re Män­gel an der Bau­sub­stanz.

„Nur noch frag­men­tha “

Rich­tig „er­schro­cken, wie es da un­ten aus­sieht“, ist Gaildorfs Bür­ger­meis­ter Frank Zim­mer­mann. Mit „da un­ten“mein­te er die Ka­ta­kom­ben un­ter dem klei­nen Hal­len­bad. Wäh­rend der Ar­bei­ten wur­den zum Teil gra­vie­ren­de Schä­den ent­deckt. Die müs­sen nun drin­gend be­ho­ben wer­den, was das Pro­jekt ver­teu­ern wird.

Bei der De­mon­ta­ge der Lüf­tungs­an­la­ge und der Ba­de­was­ser­tech­nik En­de Ju­li gab es die ers­ten An­zei­chen da­für, wo­von sich die Stadt­rä­te des Tech­ni­schen Aus­schus­ses wäh­rend ei­nes Orts­ter­mins über­zeu­gen konn­ten. An den Be­ton­stüt­zen im Un­ter­ge­schoss wur­den Schä­den ent­deckt, eben­so an der De­cken­durch­füh­rung und an ver­schie­de­nen Dehn­fu­gen. Die Lüf­tungs­ka­nä­le an der west­li­chen Stirn­wand sind stark kor­ro­diert und, wie es in der Vor­la­ge zur jüngs­ten Rats­sit­zung heißt, „teil­wei­se nur noch frag­ment­haft vor­han­den“.

Um die Lüf­tungs­ka­nä­le zu er­neu­ern, muss­ten die Flie­sen ent­fernt wer­den. Die so­ge­nann­te ver­ti­ka­le Durch­strö­mung ist ein­ge­baut, die Be­ton­sa­nie­rung ab­ge­schlos­sen. Jetzt be­ginnt der Ein­bau der In­stal­la­ti­on und die Er­neue­rung der Lüf­tungs­ka­nä­le, wie Jo­chen Rau­sen­ber­ger be­rich­te­te. Auch die De­cke muss sa­niert wer­den. Der arg mit­ge­nom­me­nen, ab­ge­häng­ten Holz­kon­struk­ti­on wird kei­ne dau­er­haf­te Trag­fä­hig­keit mehr be­schei­nigt. Er­neu­ert wer­den muss den Un­ter­su­chun­gen zu­fol­ge auch die Be­leuch­tung. Die Kunst­sto•leuch­ten sind sprö­de, eben­so die strom­füh­ren­den Tei­le.

„Mo­der­nes Er­schei­nungs­bild“

Aus­führ­lich er­läu­ter­te Rau­sen­ber­ger die wei­te­ren Maß­nah­men. Zum Bei­spiel den Ein­bau ei­ner Schall­schutz­de­cke aus für Feucht­räu­me ge­eig­ne­ter Mi­ne­ral­wol­le und ei­ner für Schwimm­bä­der zu­ge­las­se­nen Un­ter­kon­struk­ti­on. Die De­cke wird weiß und da­mit hel­ler und freund­li­cher, die Wän­de neh­men die Far­ben der Schwimm­strei­fen im Be­cken auf. Zwei neue LED-Licht­bän­der sor­gen en­er­gie­spa­rend für die Be­leuch­tung. Ins­ge­samt kann sich auf die­se Wei­se ein „neu­es, mo­der­nes Er­schei­nungs­bild“er­ge­ben. Und, wie Rau­sen­ber­ger dem Ge­mein­de­rat ver­si­cher­te: „Sie sind für ge­rau­me Zeit auch fer­tig in die­sem Be­reich“.

Am En­de der Maß­nah­men, ist Bür­ger­meis­ter Zim­mer­mann über­zeugt, „ha­ben wir dann ein neu­wer­ti­ges Lehr­schwimm­be­cken“. Des­sen Ge­ne­ral­sa­nie­rung in der Sum­me mit fast 740 000 Eu­ro zu Bu­che schlägt. Die Mehr­kos­ten lie­gen bei knapp 160 000 Eu­ro. Ei­ne Fi­nan­zie­rung soll im Haus­halts­jahr 2020 er­fol­gen.

Vom Kon­zept über­zeugt

FWV-Frak­ti­ons­chef Hein­rich Reh lob­te den Pla­ner für des­sen Ar­beit und Gestal­tungs­vor­schlä­ge. Die Idee sei „pri­ma“. Das 1964 erö•ne­te und so­mit 55 Jah­re al­te Bad, er­in­ner­te Reh, sei auch das Grün­dungs­bad der hie­si­gen DLRG. Um die­ses zu er­hal­ten, müs­se man die Kos­ten hin­neh­men. Er kön­ne kei­ne Maß­nah­me er­ken­nen, „die man mit gu­tem Ge­wis­sen weg­las­sen könn­te“.

„Scho­ckiert we­gen der Kos­ten“äu­ßer­te sich SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Mar­ga­re­te John. Ih­re Fra­ge, ob die Kal­ku­la­ti­on re­ell sei, be­ant­wor­te­te Rau­sen­ber­ger mit dem Hin­weis, dass es sich um Er­fah­rungs­wer­te hand­le, um „An­sät­ze aus an­de­ren Bä­dern“. Bei den Flie­sen et­wa sei­en die Prei­se der­zeit hoch, und schließ­lich wol­le man bei der Pla­nung „mit rea­lis­ti­schen An­sät­zen ar­bei­ten“.

Dass die Be­leuch­tung er­neu­ert wer­den soll, er­ach­te­te CDU-Stadt­rat Bau­mann für rich­tig, auch und ge­ra­de mit Blick auf die Ein­spa­rung von CO2. Über­haupt riet er da­zu, bei Sa­nie­rungs­vor­ha­ben in ö•ent­li­chen Ein­rich­tun­gen zu schau­en, „ob nicht noch mehr mög­lich ist“. Da wä­ren zum Bei­spiel die Fens­ter, wie Ver­bands­bau­meis­ter Son­ner ein­warf. Doch die­se könn­ten im­mer noch er­neu­ert wer­den, auch nach der drin­gend not­wen­di­gen Sa­nie­rung.

Wei­te­re Un­ter­su­chung

Ob die Däm­mung nach oben reicht, ist ein Kri­te­ri­um, das Hein­rich Reh in­ter­es­siert. Wo­bei, wie In­ge­nieur Rau­sen­ber­ger be­ton­te, auf­stei­gen­de Wär­me des­halb kei­ne „Ver­lust­wär­me“sei, weil sie in den dar­über lie­gen­den Räu­men wie ei­ne Fuß­bo­den­hei­zung wir­ken kön­ne. Doch das müs­se noch ge­nau­er un­ter­sucht wer­den. Ob und wie ei­ne Däm­mung hier wir­ke, will Ver­bands­bau­meis­ter Son­ner dem Tech­ni­schen Aus­schuss be­rich­ten. Auf je­den Fall, so SPD-Rä­tin Mar­ga­re­te John, „soll­ten wir nichts un­be­rück­sich­tigt las­sen“. Ein „Ex­tra-Dan­ke­schön“for­mu­lier­te Stadt­rat Bern­hard Geiß­ler (O•ene Lis­te) an den Pla­ner für des­sen „bei­spiel­haf­ten Vor­trag“.

Fo­tos: Rich­ter & Rau­sen­ber­ger Bä­der­bau

Schä­den am Be­cken­um­gang des Hal­len­bads vor der drin­gend not­wen­dig ge­wor­de­nen Be­ton­sa­nie­rung.

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