Heu­te schon an mor­gen den­ken

Kin­der, Mi­ni­job, Pfle­ge: Wie wir­ken sich die­se Tä­tig­kei­ten auf die Ren­ten­hö­he von Frau­en aus? Die­se Fra­ge be­ant­wor­te­te Jo­han­na Göl­ler von der Ren­ten­ver­si­che­rung bei ei­nem Vor­trag in Crails­heim.

Haller Tagblatt - - WIRTSCHAFT REGIONAL / BÖRSE - Von Ei­leen Schei­ner

Frau­en in Deutsch­land be­kom­men rund ein Vier­tel we­ni­ger Ren­te als Män­ner. „Das hat ganz un­ter­schied­li­che Grün­de“, er­läu­tert Jo­han­na Göl­ler, Fir­men­be­ra­te­rin bei der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung (DRV). Mit ih­rem Vor­trag „Ren­te – ei­ne ty­pisch weib­li­che Pro­blem­zo­ne?“in der VHS Crails­heim, der zu­sam­men mit der Evan­ge­li­schen Bil­dungs­stät­te Crails­heim und der Kon­takt­stel­le Frau und Be­ruf Heil­bronn-Fran­ken ver­an­stal­tet wur­de, woll­te sie auch mit ei­ni­gen Vor­ur­tei­len auf­räu­men.

Er­zie­hungs­zeit wird an­ge­rech­net

Ei­nes die­ser Vor­ur­tei­le ist, dass die Er­zie­hungs­zei­ten spä­ter die Ren­te schmä­lern. „Das stimmt nicht“, sagt Göl­ler. „Ei­ne Frau, die drei Jah­re lang in El­tern­zeit ist, wird wäh­rend die­ses Zei­t­raums von der DRV als Voll­zeit­ar­beit­neh­me­rin ge­wer­tet“, er­klärt die Ex­per­tin. „Die ers­te Zeit der Kin­der­er­zie­hung wirkt sich des­halb sehr po­si­tiv auf das ei­ge­ne Ren­ten­kon­to aus, meint Göl­ler. Der Ver­lust ent­ste­he meist erst da­nach, weil vie­le Frau­en nur in Teil­zeit wie­der in den Be­ruf zu­rück­keh­ren. Das tri t auch auf den Land­kreis Schwä­bisch Hall zu. Im ver­gan­ge­nen Jahr ar­bei­te­ten rund 20 000 der 83 000 Be­schäf­tig­ten in Teil­zeit, da­von 85 Pro­zent Frau­en.

Grund­sätz­lich geht das deut­sche Ren­ten­sys­tem da­von aus, dass die Frau die Kin­der­er­zie­hungs­zei­ten in An­spruch nimmt. Ist dies nicht der Fall und der Mann bleibt zu Hau­se, muss ei­ne ge­mein­sa­me, über­ein­stim­men­de Er­klä­rung ab­ge­ge­ben wer­den.

Jo­han­na Göl­ler in­for­mier­te die Zu­hö­re­rin­nen auch dar­über, wie die Ren­te über­haupt be­rech­net wird. „Wir rech­nen in Ent­gelt­punk­ten. Die­se be­rech­nen sich aus dem Brut­to­ge­halt, das durch das Durch­schnitts­ge­halt al­ler Ver­si­cher­ten ge­teilt wird“, er­klärt die Ex­per­tin. Ent­spricht der ei­ge­ne Ver­dienst ex­akt dem Durch­schnitts­ver­dienst in die­sem Jahr, ist das ei­nen Ent­gelt­punkt wert. Die­se Ent­gelt­punk­te wer­den mit dem ak­tu­el­len Ren­ten­wert und dem Zu­gangs­fak­tor mul­ti­pli­ziert. „Der Zu­gangs­fak­tor be­trägt in der Re­gel eins, es sei denn, man geht frü­her mit Ab­schlä­gen oder spä­ter mit Zu­schlä­gen in Ren­te“, sagt die Fir­men­be­ra­te­rin. „Nicht zu ver­nach­läs­si­gen sind auch die Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung, die von der Ren­te noch ab­ge­zo­gen wer­den“, er­klärt Göl­ler und mahnt: „Der Groß­teil der Ren­te ist ei­ne steu­er­pflich­ti­ge Ein­nah­me – auch das darf nicht un­ter­schätzt wer­den.“

Ein wei­te­res The­ma, das vor al­lem Frau­en be­tri t, ist die Pfle­ge von An­ge­hö­ri­gen. Auch hier wer­den zum Teil Pflicht­bei­trä­ge für die Ren­te gut­ge­schrie­ben. „Da­zu müs­sen Sie ei­ne oder meh­re­re pfle­ge­be­dürf­ti­ge Per­so­nen mit Pfle­ge­grad zwei oder hö­her be­treu­en. Die Pfle­ge muss da­bei min­des­tens zehn St­un­den, ver­teilt auf we­nigs­tens zwei Ta­ge pro Wo­che, aus­ge­übt wer­den und darf 30 Ar­beits­stun­den nicht über­schrei­ten“, er­läu­tert Jo­han­na Göl­ler. Je hö­her der Pfle­ge­grad, des­to hö­her sind auch die gut­ge­schrie­be­nen Ren­ten­bei­trä­ge. „Die Lö­sung ist noch nicht per­fekt, aber ein An­fang“, sagt die Ex­per­tin aus Schwä­bisch Hall.

Pri­va­te Vor­sor­ge

An man­chen Ge­ge­ben­hei­ten, die die Ren­te ne­ga­tiv be­ein­flus­sen, las­se sich nun mal nichts än­dern, gibt Göl­ler zu. „Die Frau­en krie­gen die Kin­der und meis­tens pfle­gen sie auch die An­ge­hö­ri­gen – bei­des ehrt sie und ist ein Kraft­akt“, sagt die Re­fe­ren­tin. „We­der Sie noch ich kön­nen das Ren­ten­sys­tem än­dern. Es emp­fiehlt sich ein­fach, sich so früh wie mög­lich zu in­for­mie­ren und gleich­zei­tig auf meh­re­re Säu­len zu set­zen“, emp­fiehlt Göl­ler und er­gänzt: „Egal, ob mit Ein­mal­zah­lung aufs Ren­ten­kon­to, be­trieb­li­cher oder pri­va­ter Altersvors­orge – man soll­te nicht nur auf die ge­setz­li­che Ren­te ver­trau­en.“

In­fo Die Kon­takt­stel­le Frau und Be­ruf Heil­bronn-Fran­ken lädt zu­sam­men mit vie­len an­de­ren Or­ga­ni­sa­tio­nen zu ei­nem Vor­trag mit Buch­au­to­rin und Bri­git­te-Ko­lum­nis­tin Hel­ma Sick ein. Sie re­fe­riert am Frei­tag, 18. Ok­to­ber, ab 10 Uhr zum The­ma „Ein Mann ist kei­ne Altersvors­orge. War­um fi­nan­zi­el­le Un­ab­hän­gig­keit für Frau­en so wich­tig ist“. Der Vor­trag fin­det in der Spar­kas­se Ho­hen­lo­he­kreis in Kün­zel­sau im Rah­men der Frau­en­wirt­schafts­ta­ge statt.

Fo­to: stock­stu­dio/Shut­ter­stock.com

Ge­ra­de Frau­en pas­sen im­mer noch ih­re Ar­beits­zei­ten o den wech­seln­den Be­din­gun­gen ein­zel­ner Le­bens­pha­sen an, oh­ne sich der Aus­wir­kun­gen ih­rer Ent­schei­dun­gen auf ih­re spä­te­re Altersvors­orge be­wusst zu sein.

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