Ge­blie­ben ist ei­ne Geis­ter­bank

Haller Tagblatt - - WIRTSCHAFT - Cars­ten Hoefer

Vor zehn Jah­ren wur­de die Im­mo­bi­li­en­bank HRE ver­staat­licht. Der Scha­den geht in die Mil­li­ar­den.

Mün­chen. Zehn Jah­re nach der Zwangs­ver­staat­li­chung der Skan­dal­bank Hy­po Re­al Esta­te ist kein En­de der fi­nan­zi­el­len und ju­ris­ti­schen Au­f­ar­bei­tung in Sicht. Einst ein in­ter­na­tio­nal agie­ren­der Dax-Kon­zern, führt die HRE mitt­ler­wei­le ein Schat­ten­da­sein als staat­li­che Gm­bH, die in ers­ter Li­nie mit dem Füh­ren von Ge­richts­pro­zes­sen be­schäf­tigt ist: als Klä­ge­rin und Be­klag­te gleich­zei­tig.

Denn we­der die Kla­gen der HRE ge­gen frü­he­re Vor­stän­de, noch die Kla­gen ehe­ma­li­ger Ak­tio­nä­re ge­gen die Bank sind ent­schie­den. „Vom Ab­schluss die­ser Kla­ge­ver­fah­ren hängt ab, wann die HRE als Ge­sell­schaft auf­ge­löst wer­den kann“, er­klärt das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um auf An­fra­ge. „Der Ge­schäfts­zweck der HRE ist ihr ei­ge­ner Rück­bau.“

Vor zehn Jah­ren war die HRE na­he­zu täg­lich in den Schlag­zei­len. Der Bund hat­te sich zur Ver­staat­li­chung ent­schlos­sen, um die an­sons­ten si­che­re Plei­te zu ver­hin­dern. 2009 wur­den die letz­ten Ak­tio­nä­re mit ei­ner Zwangs­ab­fin­dung her­aus­ge­drängt. Die über­schlä­gi­ge Kos­ten­schät­zung zehn Jah­re spä­ter: an die 15 Mrd. € aus mil­li­ar­den­schwe­ren Staats­hil­fen und den Ver­lus­ten der 2010 aus­ge­glie­der­ten Bad Bank.

Auf der Ha­ben-Sei­te zahl­ten HRE und die Bad Bank FMS Wert­ma­nage­ment 800 Mio. € Ga­ran­tie­ge­büh­ren für Bürg­schaf­ten an den Staat zu­rück. Die Schluss­bi­lanz der Staats­hil­fen steht aus und hängt vom Aus­gang ver­schie­de­ner Kla­gen ab. Die Bad Bank hat in Sum­me bis­lang eben­falls viel Geld ver­lo­ren. 2010 glie­der­te die Bun­des­re­gie­rung HRE-Alt­las­ten mit ei­nem no­mi­na­len Wert von 175 Mrd. € in die Ab­wick­lungs­an­stalt aus. Tat­säch­lich ver­lo­ren gin­gen da­von et­wa 10 Mrd. €, ein Groß­teil zu­rück­zu­füh­ren auf den Schul­den­schnitt für Grie­chen­land 2011.

Seit­dem er­wirt­schaf­tet die FMS Wert­ma­nage­ment gar Ge­win­ne mit al­ten HRE-Pa­pie­ren, aber zu we­nig, um die Ver­lus­te mit den grie­chi­schen Staats­an­lei­hen aus­zu­glei­chen. Von 2012 bis 2018 wa­ren es 1,3 Mrd. € Ge­winn. Neu­ge­schäft darf die Bad Bank nicht ma­chen. Ihr Zweck be­steht aus­schließ­lich dar­in, HRE-Alt­las­ten zu ver­wer­ten. Auf Dau­er sind ro­te Zah­len in Aus­sicht.

Bei der Bad Bank könn­te die Ab­schluss­rech­nung erst in Jahr­zehn­ten vor­lie­gen. Der frü­he­re HRE-Vor­stands­chef Ge­org Fun­ke starb be­reits im ver­gan­ge­nen Jahr. En­de 2018 hat­te die Ab­wick­lungs­bank noch gut 69 Mrd. € HRE-Pa­pie­re in den Bü­chern. Die lang­le­bigs­ten da­von lau­fen bis zum Jahr 2078. Der frü­he­re Chef Ste­phan Win­kel­mei­er schätzt, dass die FMS Wert­ma­nage­ment spä­tes­tens Mit­te des nächs­ten Jahr­zehnts ro­te Zah­len schrei­ben wer­de: „Wir ha­ben vor, nicht hier zu sit­zen, bis wir al­le Ver­we­sungs­ge­ruch ha­ben“, sag­te Win­kel­mei­er da­mals.

Ar­chiv­fo­to von 2008: Der da­ma­li­ge HRE-Chef Ge­org Fun­ke. Er ver­starb im vo­ri­gen Jahr.

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