Auf dem Weg zum Welt-Geld

Mit Li­bra will Face­book die Fi­nanz­welt er­obern. Schnell, in­ter­na­tio­nal und vor al­lem fast kos­ten­los sind dann Trans­ak­tio­nen mög­lich. Po­li­tik, Ban­ken und Zen­tral­ban­ken sind alar­miert.

Haller Tagblatt - - WIRTSCHAFT - Von Hel­mut Schnei­der

Face­book will das Gan­ze als Luft­bal­lon auf­stei­gen las­sen und se­hen, ob es funk­tio­niert. Hans-Pe­ter Burg­hof Pro­fes­sor für Bank­wirt­schaft

Nach der an­fäng­li­chen welt­wei­ten Er­re­gung war es zwi­schen­zeit­lich wie­der et­was stil­ler ge­wor­den um ein Pro­jekt, das die Ban­ken- und No­ten­ban­ken­welt ver­än­dern könn­te.

Mit „Li­bra“will der US-In­ter­net­gi­gant Face­book ei­ne di­gi­ta­le Wäh­rung in­stal­lie­ren. Da­mit könn­te

Geld mit dem Han­dy oh­ne den Zwi­schen­schritt über ei­ne Bank und über al­le Län­der­gren­zen hin­weg über­wie­sen wer­den – ein Welt-Geld, ein­fach wie ei­ne SMS.

Die Vor­tei­le für den Ver­brau­cher sind o™en­sicht­lich: Geld­trans­ak­tio­nen ganz prak­tisch, ganz auf die Schnel­le und fast kos­ten­los. Die Nach­tei­le für die Ban­ken sind eben­so o™en­sicht­lich: Sie wür­den Ein­nah­men ver­lie­ren – vie­le, ja un­ge­heu­er vie­le so­gar. Denn Face­book hat welt­weit 1,9 Mrd. ak­ti­ve Nut­zer. 1900 Mio. Nut­zer – die schie­re Mas­se macht al­les, was Face­book macht, zum welt­wei­ten Po­li­ti­kum.

Kaum ver­wun­der­lich, dass die Fi­nanz­mi­nis­ter der füh­ren­den sie­ben In­dus­trie­län­der (G7) „schwe­re Be­den­ken“ge­gen die Face­book-Plä­ne zu Pro­to­koll ga­ben. Mark Zu­cker­bergs Kon­zern hält aber dar­an fest und ver­such­te un­längst, den zwei­ten grund­sätz­li­chen Vor­be­halt ge­gen Li­bra zu ent­kräf­ten: Ein­fluss auf die Geld­po­li­tik der No­ten­ban­ken.

Die Zen­tral- oder No­ten­ban­ken sind es bis­lang, die in ih­rem Wäh­rungs­raum ein Mo­no­pol be­sit­zen. Sie sind die Hü­ter und Schöp­fer des Gel­des, die mit ih­ren Zins­fest­set­zun­gen und An­lei­he­käu­fen ei­nen größt­mög­li­chen Ein­fluss auf Wirt­schaft und Ge­sell­schaft ha­ben. Wenn aber ein Groß­teil der Bür­ger nicht mit Eu­ro, Yen oder Dol­lar be­zah­len, son­dern mit Li­bra, läuft die Geld­po­li­tik der Zen­tral­ban­ken und ih­re Steue­rungs­wir­kung auf die Sta­bi­li­tät von Wäh­run­gen und Wirt­schaft ein gu­tes Stück ins Lee­re.

Das ist der Hin­ter­grund, war­um Li­bra bei Fi­nanz­mi­nis­tern und No­ten­bank­chefs als Be­dro­hung emp­fun­den wird. Frank­reichs Fi­nanz­mi­nis­ter Bru­no Le Mai­re und sein deut­scher Kol­le­ge Olaf Scholz ha­ben sich be­reits klar po­si­tio­niert: „Wir glau­ben, dass kein pri­va­tes Un­ter­neh­men Wäh­rungs­macht be­an­spru­chen kann, die der Sou­ve­rä­ni­tät der Na­tio­nen in­ne­wohnt.“

Denn dann könn­te ein von pri­va­ten Un­ter­neh­men ge­scha™enes Geld ge­wis­ser­ma­ßen zu ei­ner Leit­wäh­rung wer­den und Mark Zu­cker­berg so­zu­sa­gen in den Rang ei­nes Zen­tral­bank­prä­si­den­ten rü­cken. Das zeigt, wie fol­gen­reich und auch be­fremd­lich sich das Gan­ze ent­wi­ckeln könn­te.

Ei­ne brei­te Front der Ab­leh­nung hat sich denn auch schon for­miert. Frank­reich gab zu Pro­to­koll, man wer­de „die Ent­wick­lung von Li­bra auf eu­ro­päi­schem Bo­den nicht er­lau­ben“. Nur ei­nen Tag spä­ter sag­te der CDU-Ab­ge­ord­ne­te Tho­mas Heil­mann dem „Spie­gel“, in der gro­ßen Ko­ali­ti­on herr­sche Ei­nig­keit dar­über, „markt­re­le­van­te pri­va­te Sta­ble­co­ins“nicht zu­zu­las­sen.

Un­ter Sta­ble­co­ins ver­steht man so­ge­nann­te Kryp­towäh­run­gen – die be­rühm­tes­te ist Bit­co­in –, die vor In­fla­ti­on ge­schützt, al­so sta­bil (sta­ble) sind. Auch Pe­ter Bo­fin­ger, ehe­ma­li­ger Wirt­schafts­wei­se und Wirt­schafts­pro­fes­sor, ist sich mit sei­nem Kol­le­gen Pe­ter Burg­hof (sie­he In­fo­kas­ten) in punc­to Li­bra ei­nig: „Ich hal­te es für un­rea­lis­tisch, dass das von den Auf­sichts­be­hör­den ak­zep­tiert wird.“Die deut­sche Or­ga­ni­sa­ti­on Fi­nanz­wen­de for­dert den so­for­ti­gen Stopp der Face­book-Wäh­rung und ver­weist auf ei­nen wei­te­ren pro­ble­ma­ti­schen Aspekt: die Da­ten­ver­knüp­fung.

Die Face­book-Wäh­rung ist ein Zah­lungs­mit­tel wie Dol­lar und Eu­ro, nur eben di­gi­tal. Man be­kommt das di­gi­ta­le Geld durch Ein­zah­lung von her­kömm­li­chen Dol­lars oder Eu­ros. Die Li­bra-Or­ga­ni­sa­ti­on legt das Geld dann zum Bei­spiel in Wert­pa­pier­fonds an. Li­bra soll na­tür­lich auch wie­der in kon­ven­tio­nel­le Wäh­rung zu­rück­ge­tauscht wer­den kön­nen.

Li­bra ist auch nicht Zu­cker­bergs Schöp­fung al­lei­ne. An der Li­bra-As­so­cia­ti­on sind bis­lang rund zwei Dut­zend Un­ter­neh­men be­tei­ligt – von Zah­lungs­dienst­leis­tern über Tech-Kon­zer­ne wie Ebay, Uber oder Spo­ti­fy so­wie an­de­ren In­ves­to­ren.

Al­ler­dings muss das Gan­ze ei­nen ers­ten Rück­schlag ver­dau­en. Pay­pal, der welt­wei­te On­line-Be­zahl­dienst, steigt wie­der aus. Die Zu­kunft von Li­bra ist da­mit un­ge­wis­ser und un­kla­rer denn je.

Fo­to:Ra­fa­el Hen­ri­que/ imago-iages

So könn­te es ein­mal aus­se­hen: Das Li­bra-Lo­go auf dem Smart­pho­ne, mit dem Fi­nanz­trans­ak­tio­nen so ein­fach sind wie ei­ne SMS sen­den.

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