Spiel und Spaß mit Lern­ef­fekt

In der El­tern-Kind-Grup­pe „Piep­matz“un­ter­stüt­zen Müt­ter die Ent­wick­lung ih­rer Töch­ter und Söh­ne. Au­ßer­dem tau­schen sie bei den Tref­fen Er­fah­run­gen aus.

Haller Tagblatt - - FAMILIE KINDER - Von­nNda­ta­lie Jost

Die Kin­der gu­cken sich viel von­ein­an­der ab, ler­nen schnel­ler und ein­fa­cher. Kat­rin Fruh Mut­ter

Be­we­gung und Spra­che hän­gen eng mit­ein­an­der zu­sam­men. Mar­git Haaf-Mar­quardt Er­zie­he­rin

Pup­pen, Spiel­zeug­bag­ger und -Lkw lie­gen auf dem Bo­den im Mat­thä­us­ge­mein­de­haus in In­gers­heim ver­teilt. Je­den Mitt­woch triŒt sich hier die El­tern-Kind-Grup­pe „Piep­matz“der evan­ge­li­schen Fa­mi­li­en-Bil­dungs­stät­te Crails­heim. Elf Müt­ter ha­ben sich mit ih­ren 12 bis 19 Mo­na­te al­ten Kin­dern für das zehn­wö­chi­ge An­ge­bot an­ge­mel­det.

Auf dem Pro­gramm steht zu­erst freie Spiel­zeit. Mit Le­go-Du­plo-St­ei­nen wer­den die Klei­nen zu gro­ßen Ar­chi­tek­ten und in der Mi­ni-Kü­che las­sen die Ster­ne­kö­che von mor­gen aus Luft, Lie­be und Plas­tik­ge­mü­se le­cke­re Ge­rich­te ent­ste­hen. „Mein ers­tes gro­ßes Fühl­buch“und „Das klei­ne ro­te Au­to sucht ein Zu­hau­se“wer­den zwar nicht ge­le­sen, da­für aber um­so in­ter­es­sier­ter be­gut­ach­tet. Die be­lieb­tes­te At­trak­ti­on ist ein mu­schel­för­mi­ges Bäl­le­bad, das auch die Auf­merk­sam­keit der klei­nen Fran­zis­ka auf sich ge­zo­gen hat.

Ih­re Mut­ter Eva Ei­sen fin­det es wich­tig, dass die Ein­jäh­ri­ge in der Grup­pe ers­te Er­fah­run­gen mit Gleich­alt­ri­gen sam­meln kann. Aus die­sem Grund hat sich auch Kat­rin Fruh mit ih­rem Sohn an­ge­mel­det. „Die Kin­der ler­nen, ge­mein­sam zu spie­len“, sagt die 30-Jäh­ri­ge. Das sei vor al­lem sinn­voll, da­mit ihr Klei­ner „nicht im­mer bei der Ma­ma auf dem Schoß sitzt“.

Nach dem Spie­len ist es an der Zeit für ei­nen ge­mein­sa­men Zwi­schens­nack. „Kin­der, jetzt ist es so­weit, macht euch für das Ve­spern be­reit“, singt die Grup­pen­lei­te­rin und ge­lern­te Er­zie­he­rin Mar­git Haaf-Mar­quardt. An die re­gel­mä­ßi­gen Ab­läu­fe wür­den sich die Kin­der laut ih­ren Ma­mas recht schnell ge­wöh­nen und sich die­se auch ein­prä­gen.

Nach­dem sich die Klei­nen – nicht oh­ne Pro­test – von ih­ren Spiel­zeu­gen ge­trennt ha­ben, ver­sam­meln sie sich mit ih­ren Müt­tern um den Tisch. Jetzt steigt der Lärm­pe­gel im Raum, denn die Klei­nen fan­gen an, be­geis­tert mit ih­ren Hand­flä­chen und Fäus­ten auf den Tisch zu schla­gen. „Der Tisch ist heu­te mei­ne Trom­mel“, sin­gen Haaf-Mar­quardt und die Müt­ter, „Bim-bam-bom­mel, wie auf ei­ner Trom­mel.“

Wenn die Klei­nen ih­ren Mund voll ha­ben, bie­tet sich den Müt­tern die Ge­le­gen­heit zu mehr oder we­ni­ger un­ge­stör­ten Ge­sprä­chen. Die The­men dre­hen sich rund ums Kind: Von All­tags­pro­ble­men bis hin zu grund­le­gen­den Er­zie­hungs­fra­gen. Die Mög­lich­keit zum Er­fah­rungs­aus­tausch mit an­de­ren El­tern ist ein wich­ti­ger Be­stand­teil der El­tern-Kind-Grup­pen, denn nicht nur die Klei­nen sol­len die Mög­lich­keit ha­ben, so­zia­le Kon­tak­te zu knüp­fen. Die ähn­li­chen Le­bens­si­tua­tio­nen

der Frau­en sei­en die bes­te Grund­la­ge für ein ge­gen­sei­ti­ges Ver­ständ­nis. „Oft ent­ste­hen in den Kur­sen le­bens­lan­ge Freund­schaf­ten“, er­zählt Ger­lin­de Mack, Lei­te­rin der Fa­mi­li­en-Bil­dungs­stät­te.

Nach dem Ve­spern ha­ben die Klei­nen noch­mal ein we­nig Zeit, um zu spie­len. Am we­nigs­ten los ist in der Male­cke, denn hier ist Ge­duld ge­fragt. Den Blät­tern und Bunt­stif­ten schenkt die klei­ne Fran­zis­ka kei­ne Be­ach­tung. Noch be­vor ih­re Mut­ter sie auf­hal­ten kann, klet­tert sie statt­des­sen auf die Tisch­plat­te.

Das Kom­man­do von Grup­pen­lei­te­rin Haaf-Mar­quardt un­ter­bricht das bun­te Trei­ben: „Auf­räu­men, auf­räu­men ist jetzt dran, ein je­der hilft so viel er kann.“Ge­mein­sam be­sei­ti­gen die Müt­ter die Un­ord­nung im Raum. Auch die Klei­nen pa­cken flei­ßig mit an.

Dann ist es an der Zeit für den letz­ten Pro­gramm­punkt. Die Ma­mas kom­men mit ih­ren Kin­dern in ei­nem Sitz­kreis zu­sam­men. Es wird ge­tanzt, klei­ne Grup­pen­spie­le wer­den ge­spielt und ei­ne Ted­dy-Hand­pup­pe sorgt für gro­ßes Stau­nen. Die Kin­der ver­sam­meln sich um das Plüsch­tier, um­ar­men es und über­sä­en es mit Küs­sen. Heu­te hat Haaf-Mar­quardt au­ßer­dem Kas­ta­ni­en mit­ge­bracht, die die Klei­nen be­geis­tert über den Bo­den kul­lern las­sen.

Kin­der­lie­der dür­fen nicht feh­len

Der Schwer­punkt liegt auf dem ge­mein­sa­men Sin­gen, denn das „leis­tet ei­nen Bei­trag zur Sprach­ent­wick­lung“, er­klärt Haaf-Mar­quardt. Auch die pas­sen­den Tän­ze zu den Kin­der­lie­dern dür­fen nicht feh­len, denn „Be­we­gung und Spra­che hän­gen eng mit­ein­an­der zu­sam­men“.

Durch den Kurs­be­such ha­ben die Müt­ter die Mög­lich­keit, den Lern­fort­schritt ih­rer Kin­der be­wusst wahr­zu­neh­men und bes­ser zu ver­ste­hen. Mack be­tont, dass es nicht um ei­nen grund­sätz­li­chen Ver­gleich ge­he, es aber manch­mal sinn­voll sei, die Ent­wick­lung des ei­ge­nen Kin­des ne­ben der von an­de­ren Gleich­alt­ri­gen zu be­trach­ten.

Da­mit hat sich auch Fruh schon aus­ein­an­der­ge­setzt: „Die Kin­der gu­cken sich viel von­ein­an­der ab, ler­nen schnel­ler und ein­fa­cher“,

stellt sie fest. Ihr Sohn ha­be sich bei­spiels­wei­se vor­her nicht von al­lei­ne auf die Bei­ne ge­stell­tmitt­ler­wei­le tappst er so­gar schon ei­ni­ge wack­li­ge Schrit­te durch den Raum. „Sie er­hal­ten Vor­bil­der zur Ori­en­tie­rung“, er­klärt Grup­pen­lei­te­rin Mar­git Haaf-Mar­quardt.

Um sei­nen Nach­wuchs op­ti­mal in sei­ner Ent­wick­lung zu un­ter­stüt­zen, sei es das Wich­tigs­te, „sich ein­fach mit dem Kind zu be­schäf­ti­gen“. Vor die­sem Hin­ter­grund legt Haaf-Mar­quardt al­len El­tern den Be­such ei­ner be­lie­bi­gen Kin­der­grup­pe ans Herz. Ei­ne Kurs­teil­nah­me be­deu­te an ers­ter Stel­le ei­ne „ganz in­ten­si­ve Zeit für Ma­ma und Kind.“

Fo­to: Na­ta­lie Jost

Grup­pen­lei­te­rin Mar­git Haaf-Mar­quardt hat für die Klei­nen ei­ne Ted­dy-Hand­pup­pe mit­ge­bracht. Die Be­geis­te­rung ist groß.

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