Be­leb­tes Ge­wer­be­ge­biet statt In­dus­trie­bra­che

Haller Tagblatt - - ANZEIGEN - Von Adi­na Möl­ler

In dem Ge­län­de der al­ten Fass­fa­brik in Hes­sen­tal steckt noch gro­ßes Ent­wick­lungs­po­ten­zi­al. Ein Ho­tel und Bü­ros für krea­ti­ves Ar­bei­ten sind ge­wünscht. Der ur­sprüng­li­che In­dus­trie­charme soll aber auf je­den Fall er­hal­ten blei­ben.

Mit der Sa­nie­rung der al­ten Pro­duk­ti­ons­stät­te der Karl Kurz-Fass­fa­brik (Karl-Kurz-Stra­ße 44) und dem Ne­ben­ge­bäu­de (44/1) hat die GWG Grund­stücks- und Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft Schwä­bisch Hall nach ei­ge­nen An­ga­ben nur den ers­ten Schritt in Sa­chen Re­vi­ta­li­sie­rung des rie­si­gen Are­als ge­macht. In den nächs­ten Jah­ren soll das ge­sam­te Ge­län­de wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den mit dem Ziel, dass hier wie­der ein star­ker Ge­wer­be­stand­ort ent­steht.

Da­für hat der Im­mo­bi­li­en­ex­per­te das ge­sam­te Grund­stück von den Stadt­wer­ken ge­kauft. Das Are­al um­fasst ei­ne Flä­che von ins­ge­samt 63 000 Qua­drat­me­tern und be­hei­ma­tet meh­re­re bis­lang brach lie­gen­de In­dus­trie­bau­ten. Die­se Ge­bäu­de sol­len in Zu­kunft suk­zes­si­ve sa­niert und neu­en Be­stim­mun­gen zu­ge­führt wer­den. „Da­bei ist uns be­son­ders wich­tig, dass der klas­si­sche In­dus­trie­charme, der für das Are­al so cha­rak­te­ris­tisch ist, auf kei­nen Fall ver­lo­ren geht“, be­tont GWG-Ge­schäfts­füh­rer Wolf Gie­se­ke.

Das zeigt sich auch an den Plä­nen, die das Un­ter­neh­men mit dem Ge­bäu­de, das die Haus­num­mer 40 trägt, hat: Es be­steht aus ei­ner ver­wit­ter­ten, mit ro­ten Klin­ker­stei­nen er­rich­te­ten Fas­sa­de und dem weit­hin sicht­ba­ren Schorn­stein. Hier stand frü­her ein Hoch­druck­dampf­kes­sel, in dem die Holz­ab­fäl­le aus der Fass­pro­duk­ti­on ver­brannt wur­den. Nach der Um­stel­lung auf Kunst­sto™-Fäs­ser wur­de die An­la­ge still­ge­legt. Bis vor kur­zem be­trie­ben dann die Stadt­wer­ke Schwä­bisch Hall an die­sem Ort ihr Kraft­werk zur Wär­me­ver­sor­gung. Mitt­ler­wei­le steht der Bau leer.

Das soll so nicht blei­ben: „Es wä­re toll, wenn in un­mit­tel­ba­rer Nä­he zu un­se­rem neu­en Ver­an­stal­tungs­zen­trum hier ein Ho­tel ent­ste­hen wür­de. Der Be­darf an wei­te­ren Gäs­te­bet­ten in Schwä­bisch Hall ist auf je­den Fall ge­ge­ben“, er­klärt Gie­se­ke. Er macht auch deut­lich: Die cha­rak­te­ris­ti­sche Klink­er­fas­sa­de und der Schorn­stein sol­len als Er­in­ne­rung an den ehe­ma­li­gen In­dus­trie­be­trieb er­hal­ten wer­den.

Das Span­nungs­ver­hält­nis von Alt und Neu be­zie­hungs­wei­se die Neu­in­ter­pre­ta­ti­on von be­reits Da­ge­we­se­nem könn­te sich auch im In­ne­ren des Ho­tels fort­set­zen. So wä­re es zum Bei­spiel mög­lich, die ur­sprüng­li­che Sub­stanz wie die Kes­sel­lei­tun­gen in ei­nen be­son­ders aus­drucks­star­ken Loun­geo­der Lob­by­be­reich zu in­te­grie­ren. Dass das Zu­sam­men­spiel von al­ten In­dus­trie­be­stand­tei­len und mo­der­nen Ar­chi­tek­tur­ele­men­ten ge­lin­gen kann, hat die GWG mit ih­rem Ta­gungs­zen­trum ein­drucks­voll un­ter Be­weis ge­stellt. Jetzt muss eben ein pas­sen­der Ho­te­lier ge­fun­den wer­den. „Die Aus­schrei­bung läuft ak­tu­ell, In­ter­es­sen­ten sind da“, schaut der GWG-Ge­schäfts­füh­rer op­ti­mis­tisch in die Zu­kunft.

Doch der Klin­ker­bau ist nicht die ein­zi­ge Flä­che mit viel Po­ten­zi­al. Die Be­stands­ge­bäu­de mit den Haus­num­mern 46 und 48 könn­ten zeit­nah als Bü­ro­ge­bäu­de neu ge­nutzt wer­den. „Vor al­lem für letz­te­re bie­tet sich die klein­tei­li­ge Ver­mie­tung für Crea­ti­ve Labs oder Co-Wor­king an“, stellt Gie­se­ke die wei­te­ren Plä­ne vor.

Auch ne­ben dem bis­he­ri­gen Be­stand gibt es viel Ent­wick­lungs­po­ten­zi­al. So ste­hen auf dem Are­al wei­te­re Flä­chen für ge­werb­li­che Nut­zun­gen zur Ver­fü­gung. „Von Ver­wal­tungs­sit­zen über La­ger­hal­len bis zu pro­du­zie­ren­dem Ge­wer­be ist al­les mög­lich“, be­tont Gie­se­ke. Schließ­lich fin­den die Be­trie­be, die auf der Su­che nach ei­ner neu­en Hei­mat sind, vor Ort ei­ne gu­te In­fra­struk­tur vor. Dank des be­nach­bar­ten Bahn­hofs, der ei­ge­nen Bus­hal­te­stel­le und den groß­zü­gi­gen Park­flä­chen ist die gu­te Er­reich­bar­keit si­cher­ge­stellt. „Das Are­al bie­tet ein­fach viel Platz und vie­le ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten. Hier steckt ganz viel Po­ten­zi­al“, fasst der GWG-Ge­schäfts­füh­rer zu­sam­men, der mit der bis­he­ri­gen Ar­beit al­ler Pro­jekt­be­tei­lig­ten äu­ßerst zu­frie­den ist.

Das Po­ten­zi­al soll ge­nutzt wer­den: „Ak­tu­ell ar­bei­ten auf dem Are­al rund 650 Men­schen, die­se Zahl könn­te sich mit dem wei­te­ren Aus­bau ver­dop­peln. Auf dem Ge­län­de hat es lo­cker Raum für über 1200 Ar­beits­plät­ze. Da­mit wä­ren wir wie­der auf dem Ni­veau der al­ten Fass­fa­brik, die einst größ­ter Ar­beit­ge­ber der Stadt war“, wünscht sich Gie­se­ke.

Fo­tos: GWG

Der „Rough Style“ver­leiht mit der Kom­bi­na­ti­on von al­ten und neu­en Ele­men­ten Räu­men ei­ne be­son­de­re At­mo­sphä­re. Das Be­stands­ge­bäu­de bie­tet hier­für ei­ne gu­te Grund­la­ge.

Vom gro­ßen Ver­an­stal­tungs­saal hat man ei­nen frei­en Blick auf die Back­stein­fas­sa­de und den ho­hen Ka­min. Hier könn­te ein Ho­tel ent­ste­hen, das die al­te Sub­stanz in sein Er­schei­nungs­bild ein­fügt.

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