„Wir buh­len um die Zeit der Leu­te“

Die Buch­bran­che steht vor neu­en Auf­ga­ben. Wor­um es geht, er­läu­tert Bör­sen­ver­eins-Vor­ste­her Hein­rich Rieth­mül­ler.

Haller Tagblatt - - FEUILLETON -

Kurz vor der Frank­fur­ter Buch­mes­se sieht der schei­den­de Vor­ste­her des Bör­sen­ver­eins des Deut­schen Buch­han­dels, Hein­rich Rieth­mül­ler (63), für die Bran­che Licht am Ho­ri­zont. Er ist In­ha­ber der Osi­an­der­schen Buch­hand­lung in Tü­bin­gen. Mit wel­chen Ge­füh­len bli­cken Sie auf Ih­re Amts­zeit seit 2013 zu­rück? Hein­rich Rieth­mül­ler:

Mit ei­nem wei­nen­den und ei­nem la­chen­den Au­ge. Mit ei­nem wei­nen­den, weil ich ei­ne in­ter­es­san­te Tä­tig­keit aus­üben durf­te und vie­le in­ter­es­san­te Men­schen tre­en konn­te. Mit ei­nem la­chen­den, weil ich wie­der mehr Zeit für den ei­ge­nen Be­trieb ha­be und für an­de­re Din­ge, die zu kurz ge­kom­men sind, zum Bei­spiel Rei­sen. Was sind die größ­ten Her­aus­for­de­run­gen für die Buch­bran­che? Da ist zum ei­nen die Kon­zen­tra­ti­on, dass klei­ne­re Buch­hand­lun­gen und Ver­la­ge aus wirt­schaft­li­chen Grün­den von grö­ße­ren über­nom­men wer­den. Das an­de­re The­ma ist die Me­di­en­kon­kur­renz: Wir buh­len um die Zeit der Men­schen. Es gibt ja ne­ben dem Le­sen ver­stärkt di­gi­ta­le Al­ter­na­tiv­an­ge­bo­te, mit de­nen wir in Kon­kur­renz ste­hen. Sie sind Buch­händ­ler, wel­che Her­aus­for­de­run­gen se­hen Sie für die Buch­hand­lun­gen in Deutsch­land? Wir wer­den am größ­ten Wett­be­wer­ber ge­mes­sen, und das ist Ama­zon. Ama­zon macht als On­line-Händ­ler ei­nen ver­dammt gu­ten Job. Wir müs­sen schau­en, dass wir dar­auf gu­te Ant­wor­ten fin­den. Ge­lun­gen ist uns das zum Bei­spiel mit dem Re­a­der To­li­no, der un­ab­hän­gi­gen Al­ter­na­ti­ve zum Kind­le von Ama­zon. Es wird in Zu­kunft mehr sol­cher Ko­ope­ra­tio­nen ge­ben müs­sen. Wie stoppt man den Le­ser­schwund?

Im Jahr 2018 ist die Zahl der Buch­käu­fer wie­der um 300 000 ge­stie­gen. Ob das ei­ne Trend­wen­de ist, weiß ich nicht, aber es geht lang­sam wie­der auf­wärts. Wir ha­ben die Ab­wärts­spi­ra­le auf­hal­ten kön­nen, weil wir uns in­ten­siv Ge­dan­ken ge­macht ha­ben, wie wir Le­ser zu­rück­ge­win­nen kön­nen. Da pas­siert ei­ne gan­ze Men­ge. Ist ein ge­mein­sa­mer Dach­ver­band für Ver­la­ge, Buch­händ­ler und Zwi­schen­han­del die bes­te Lö­sung? Ja, un­be­dingt. Dass wir drei Spar­ten ver­ei­nen und mit ei­ner Stim­me spre­chen, ist ein Vor­teil. Da­mit wer­den wir in der Po­li­tik und in der Ö­ent­lich­keit bes­ser wahr­ge­nom­men.

Fo­to: Claus Set­zer/Bör­sen­ver­ein

Hein­rich Rieth­mül­ler ist selbst Buch­händ­ler.

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