Der Mau­er­fall aus Sicht ei­nes Ost­deut­schen

Haller Tagblatt - - VORDERSEIT­E - Von To­bi­as Würth

Schwä­bisch Hall. Andreas Grund schau­te bis tief in die Nacht West­fern­se­hen. Der Bür­ger­meis­ter der Hal­ler Part­ner­stadt Neu­stre­litz er­in­nert sich gut an die Zeit vor 30 Jah­ren.

Andreas Grund, Bür­ger­meis­ter der Hal­ler Part­ner­stadt, er­in­nert sich an den Um­bruch vor 30 Jah­ren. Neu­stre­litz kennt heu­te ähn­li­che Pro­ble­me wie Hall: Fach­kräf­te feh­len.

der Wirt­schafts-, Wäh­rungs­und der So­zi­al­uni­on zum 1. Ju­li 1990 wohl kaum mög­lich.

Kon­kret ha­be ich mich be­reits seit dem Jahr 1988 mit dem Ge­dan­ken be­fasst, kom­mu­nal­po­li­tisch in mei­ner Hei­mat­stadt Neu­stre­litz ak­tiv zu wer­den. Aus­lö­ser war ein Werk von Mich­ail Gor­bat­schow „Glas­nost und Pe­re­s­troi­ka“und ich ha­be mir ge­dacht, dass man auch selbst et­was tun müs­se, wenn man durch­grei­fen­de Ve­rän­de­run­gen will. So­mit ha­be ich da­mals den Ent­schluss ge­fasst, be­reits 1989 für die Kom­mu­nal­wahl im Mai zu kan­di­die­ren und zwar über das Man­dat des Frei­en Deut­schen Ge­werk­schafts­bun­des, des­sen Mit­glied ich war. Das war auch ei­ne der Mög­lich­kei­ten, die die sich ver­än­dern­de DDR bot, nicht über ei­ne Par­tei, son­dern über ei­ne Or­ga­ni­sa­ti­on, wie die Ge­werk­schaft, ein Man­dat für die Stadt­ver­tre­tung zu be­kom­men. Im Herbst 1989 bin ich dann als

Wir ha­ben Schu­len und Ki­tas sa­niert, Sport­an­la­gen aus­ge­baut, je­de Men­ge In­fra­struk­tur ge­schaf­fen, ein gro­ßes Sa­nie­rungs­ge­biet im Stadt­kern von Neu­stre­litz vor­an­ge­bracht, vie­le pri­va­te Bau­her­ren un­ter­stützt, ein neu­es Kran­ken­haus ge­baut, das Thea­ter und die Tanz­kom­pa­nie er­hal­ten, Un­ter­neh­men wur­den an­ge­sie­delt oder ha­ben sich ent­wi­ckelt, aber es hat auch Ver­lus­te ge­ge­ben.

Ei­ne gro­ße Auf­ga­be war An­fang der 90er Jah­re der Ab­zug der so­wje­ti­schen Trup­pen, die seit dem Welt­kriegs­en­de um­fang­rei­che Flä­chen in un­se­rer Stadt be­legt hat­ten. Das heißt, die Ent­wick­lung der Stadt be­gann bei uns um ei­ni­ge Jah­re ver­zö­gert oder zu­min­dest ge­bremst. Den­noch sind die Ar­beits­lo­sen­zah­len seit Mit­te der 90er von cir­ca 25 auf heu­te 7,5 Pro­zent zu­rück­ge­gan­gen. Heu­te su­chen Fir­men Fach­kräf­te.

Zu­nächst glau­be ich, dass die­ser Ost-West-Be­zug mehr und mehr in den Hin­ter­grund tre­ten wird und dass ei­ne Ver­bin­dung zwi­schen den Städ­ten viel stär­ker die Le­bens­mög­lich­keit der Bür­ger in den Blick neh­men wird. Ein frucht­ba­rer Aus­tausch wird ei­nen ent­schei­den­den Bei­trag da­zu leis­ten kön­nen, dass Un­ter­schie­de ver­schwin­den, so­fern sie nicht so­gar ge­wünscht sind, und dass Ge­mein­sam­kei­ten ge­stärkt wer­den, wenn sie als po­si­tiv für die Ent­wick­lung emp­fun­den wer­den.

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