App auf Re­zept ab 2020

Ge­sund­heits­pro­gram­me via Smart­pho­ne sol­len Kas­sen­leis­tung wer­den. Noch fehlt die Zu­las­sung der Soft­ware.

Haller Tagblatt - - THEMEN DES TAGES / POLITIK - Ha­jo Zen­ker

Ber­lin. Vom kom­men­den Jahr an ver­schreibt der Arzt sei­nem Pa­ti­en­ten nicht nur Me­di­zin, son­dern gleich auch noch ei­ne Ge­sund­heits-App für das Smart­pho­ne – das ver­heißt das Di­gi­ta­le-Ver­sor­gung-Ge­setz, das am Don­ners­tag den Bun­des­tag pas­sier­te. Als Bei­spie­le für sol­che Apps nennt Ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) di­gi­ta­le Ta­ge­bü­cher für Dia­be­ti­ker oder Blut­hoch­druck­pa­ti­en­ten oder auch Pro­gram­me, die Pa­ti­en­ten da­bei un­ter­stüt­zen, ih­re Arz­nei­mit­tel re­gel­mä­ßig ein­zu­neh­men. Das dürf­te vie­le ge­setz­lich Ver­si­cher­te freu­en, schließ­lich nut­zen ei­ner Um­fra­ge des Di­gi­tal­ver­bands Bit­kom zu­fol­ge be­reits zwei von drei Men­schen, die ein Smart­pho­ne ha­ben, ei­ne oder meh­re­re Ge­sund­heits-Apps.

Wer al­ler­dings glaubt, er kön­ne gleich im Ja­nu­ar bei sei­nem Haus­arzt ein Re­zept für solch ei­ne nütz­li­che Soft­ware für Mo­bil­ge­rä­te be­kom­men, täuscht sich ge­wal­tig. Zwar soll die App-Zu­las­sung viel schnel­ler ge­hen als bei Be­hand­lungs­me­tho­den oder Arz­nei­mit­tel üb­lich, Zeit braucht das aber trotz­dem. Zu­stän­dig ist das Bun­des­in­sti­tut für Arz­nei­mit­tel und Me­di­zin­pro­duk­te (BfArM) in Bonn. Da­mit die Apps be­zahlt wer­den kön­nen, müs­sen sie beim BfArM ge­lis­tet sein.

Die Her­stel­ler kön­nen ab dem 1. Ja­nu­ar 2020 erst­mals die Auf­nah­me in die­se Lis­te beim Bun­des­in­sti­tut be­an­tra­gen. Die­ses hat dann drei Mo­na­te Zeit, um zu ent­schei­den, ob die kon­kre­te App in das Ver­zeich­nis auf­ge­nom­men wird. Nur das Pro­gramm, das dort ge­lis­tet ist, muss von den Kas­sen be­zahlt wer­den. Die Zu­las­sung gilt für ein Jahr.

Frü­hes­tens im zwei­ten Quar­tal

Be­vor es mit der Lis­tung los­ge­hen kann, muss das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um noch ei­ne Rechts­ver­ord­nung er­las­sen, in der die De­tails des Ver­fah­rens vor­ge­ge­ben wer­den. Die soll es im ers­ten Quar­tal 2020 ge­ben. „Wel­che An­bie­ter wann An­trä­ge auf Be­wer­tung stel­len und mit wel­chem Er­geb­nis das BfArM die Prü­fung ab­schließt, kön­nen wir schwer ab­schät­zen“, sagt Michae­la Gottfried, Spre­che­rin des Ver­ban­des der Er­satz­kas­sen. „Den­noch ist da­von aus­zu­ge­hen, dass in 2020 ers­te di­gi­ta­le An­wen­dun­gen ver­ord­net wer­den kön­nen.“

Läuft al­les gut, könn­te es ab April 2020 et­was mit der Ver­schrei­bung wer­den. So rech­net auch AOK-Spre­che­rin Chris­ti­ne Göp­ner-Reine­cke mit dem zwei­ten Quar­tal. Al­ler­dings gilt das nur, wenn die Ärz­te da­bei mit­ma­chen. Und da­nach sieht es der­zeit nicht aus. Laut der am Don­ners­tag vor­ge­stell­ten re­prä­sen­ta­ti­ven Stu­die „Pra­xis-Ba­ro­me­ter Di­gi­ta­li­sie­rung“, die im Auf­trag der Kas­sen­ärzt­li­chen Bun­des­ver­ei­ni­gung er­stellt wur­de, wol­len ge­ra­de ein­mal elf Pro­zent al­ler deut­schen Arzt­pra­xen di­gi­ta­le me­di­zi­ni­sche An­wen­dun­gen als The­ra­pie­be­stand­teil emp­feh­len oder ver­ord­nen. Ei­ne App auf Re­zept dürf­te da­mit auf ab­seh­ba­re Zeit ei­ne Sel­ten­heit blei­ben.

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