Po­li­zei: Das wer­den wir auf­klä­ren kön­nen

Ei­nem jun­gen Kip­pa-Trä­ger wird die Kopf­be­de­ckung ab­ge­nom­men. Der ver­mut­lich an­ti­se­mi­ti­sche Vor­fall be­schert Frei­burg Schlag­zei­len. Der Staats­schutz ist ein­ge­schal­tet.

Haller Tagblatt - - SÜDWESTUMS­CHAU -

Die Po­li­zei ist op­ti­mis­tisch, dass sie den Hin­ter­grund für ei­nen mut­maß­lich an­ti­se­mi­ti­schen Vor­fall in ei­nem Frei­bur­ger Fit­ness­stu­dio auf­klä­ren kann. Sie ge­he da­von aus, ei­nen Tat­ver­däch­ti­gen zu er­mit­teln, sag­te ein Po­li­zei­spre­cher.

Ein 19 Jah­re al­ter Mann hat­te am Di­ens­tag­abend die Po­li­zei ge­ru­fen, weil er von ei­nem an­de­ren Mann an­ge­gan­gen und be­lei­digt wor­den sei. Der An­grei­fer ha­be ihm die Kip­pa vom Kopf ge­nom­men. Das ist die tra­di­tio­nel­le jü­di­sche Kopf­be­de­ckung. Die Po­li­zei er­mit­telt we­gen Ver­dachts der Be­lei­di­gung. Der Staats­schutz sei ein­ge­schal­tet.

Der So­zi­al­bür­ger­meis­ter von Frei­burg, Ul­rich von Kirch­bach (SPD), ver­ur­teil­te die Tat. Jü­di­sches Le­ben sei Teil der Iden­ti­tät der Stadt, und es sei Auf­ga­be von al­len als Zi­vil­ge­sell­schaft, die­se Iden­ti­tät zu wah­ren. „Wir müs­sen uns da­ge­gen weh­ren, dass Jü­din­nen und Ju­den wie­der auf der Stra­ße an­ge­gan­gen wer­den oder, wie jetzt ge­sche­hen, ei­nem Bür­ger die Kip­pa vom Kopf ge­ris­sen wird.“Der ba­den-würt­tem­ber­gi­sche An­ti­se­mi­tis­mus­be­auf­trag­te Micha­el Blu­me sag­te: „In Frei­burg ist es zu ei­nem gra­vie­ren­den Mel­de­fall ge­kom­men, der nun mit Hoch­druck auch po­li­zei­lich auf­ge­klärt wird.“Ge­gen­über dem Be­tro–enen

und dem jü­di­schen Stu­di­en­werk Eles ha­be er ei­ne Ein­la­dung aus­ge­spro­chen. „Der An­ti­se­mi­tis­mus ist lei­der wie­der da. Aber dies­mal las­sen wir Jü­din­nen und Ju­den nicht al­lei­ne.“

Das mut­maß­li­che Op­fer ist Sti­pen­di­at des in Ber­lin an­säs­si­gen Ernst-Lud­wig-Ehr­lich-Stu­di­en­werks (Eles). Des­sen Ge­schäfts­füh­rer Jo Frank sag­te, es sei nicht ak­zep­ta­bel, dass in Deutsch­land Ju­den im­mer stär­ker Ziel an­ti­se­mi­ti­scher Über­gri–e wer­den. Dem Sti­pen­dia­ten, der die­sen An­gri– we­ni­ge Ta­ge vor dem Jah­res­tag der Reichs­po­grom­nacht er­le­ben muss­te, ge­be man volls­te Un­ter­stüt­zung.

Nach An­ga­ben des In­nen­mi­nis­te­ri­ums wur­den im lau­fen­den Jahr bis En­de Sep­tem­ber 89 an­ti­se­mi­ti­sche Straf­ta­ten re­gis­triert. Im Jahr 2018 wa­ren es ins­ge­samt 136 Straf­ta­ten. Aber nicht je­de an­ti­se­mi­ti­sche Hand­lung fällt un­ter ei­nen Straf­tat­be­stand und nicht al­le Ta­ten wer­den an­ge­zeigt, hieß es sei­tens des An­ti­se­mi­tis­mus­be­auf­trag­ten.

Fo­to: Axel Schmidt/afp

Ein Mann mit Kip­pa. Vie­le Ju­den ver­zich­ten in­zwi­schen aus Angst auf die Kopf­be­de­ckung.

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