Oh­ne Pra­xis­be­such zum Me­di­ka­ment

Haller Tagblatt - - SÜDWESTUMS­CHAU -

Mit dem Pro­jekt „Ger­da“wird in zwei Mo­dell­re­gio­nen im Süd­wes­ten das elek­tro­ni­sche Re­zept ein­ge­führt. Es soll Vor­bild­cha­rak­ter für ganz Deutsch­land ha­ben.Von

ach Pio­nier­ar­beit beim Bild­schirm-Arzt geht Ba­den-Würt­tem­berg den nächs­ten Schritt: Seit die­sem Mo­nat kön­nen ge­setz­lich Ver­si­cher­te in Mo­dell­re­gio­nen ein elek­tro­ni­sches Re­zept emp­fan­gen und an ei­ne ört­li­che Apo­the­ke ih­rer Wahl wei­ter­lei­ten. 2020 soll das im gan­zen Land mög­lich wer­den. Mit der In­itia­ti­ve wol­len Kran­ken­kas­sen, Apo­the­ker und Po­li­tik bun­des­weit Stan­dards set­zen.

Das Pro­jekt heißt „Ger­da“(Ge­schüt­zer E-Re­zept-Di­enst der Apo­the­ken), und die Be­tei­lig­ten sind er­kenn­bar zu­frie­den: Von ei­ner „his­to­ri­schen St­un­de“sprach So­zi­al­mi­nis­ter Man­fred Lu­cha (Grü­ne) bei der Vor­stel­lung. „Wir schrei­ben heu­te Ge­schich­te“, pflich­te­te Jo­han­nes Fech­ner bei, der Vi­ze­vor­sit­zen­de der Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung Ba­denWürt­tem­berg: „Als ers­tes Bun­des­land in Deutsch­land kön­nen wir den ge­setz­lich Kran­ken­ver­si­cher­ten jetzt te­le­me­di­zi­ni­sche Be­ra­tung und bei Be­darf gleich­zei­tig auch ein ver­schrei­bungs­pflich­ti­ges Arz­nei­mit­tel zu­kom­men las­sen.“

Tat­ja­na Zam­bo, die Vi­ze­prä­si­den­tin des Lan­des­apo­the­ker­ver­ban­des, er­kann­te „ei­ne neue Ära in der Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung“. Der Prä­si­dent der Lan­des­apo­the­ker­kam­mer, Gün­ther Han­ke, be­ton­te: „Die Tech­no­lo­gie hat das Po­ten­zi­al, Vor­la­ge für ei­ne bun­des­ein­heit­li­che Lö­sung zu sein.“

NBis­her 40 Tele­me­di­zi­n­ärz­te

Das Ver­fah­ren ist zu­nächst an das Tele­me­di­zin­an­ge­bot „DocDi­rect“ge­kop­pelt, das 2018 be­gon­nen hat. Über ei­ne App auf dem Smart­pho­ne kön­nen ge­setz­lich Ver­si­cher­te Ärz­te per Vi­deo kon­sul­tie­ren. Für ein Re­zept muss­ten sie bis­lang aber wei­ter­hin ei­ne Pra­xis auf­su­chen. Mit der neu­en Technik kön­nen Ärz­te das Do­ku­ment auf ei­nen Ser­ver schi­cken.

Pa­ti­en­ten kön­nen es dort ein­se­hen und dann ei­ner teil­neh­men­den Apo­the­ke ih­rer Wahl zu­gäng­lich ma­chen. Über ei­ne Chat­funk­ti­on kön­nen sich Apo­the­ke und Kun­de auch ver­stän­di­gen, bei­spiels­wei­se zum Ab­hol­ter­min oder ei­nem Bo­ten­dienst.

Fech­ner zu­fol­ge gibt es bei „DocDi­rect“40 Tele­me­di­zi­n­ärz­te. Bei ei­nem Drit­tel der Ge­sprä­che hät­ten die Me­di­zi­ner bis­lang gern ein elek­tro­ni­sches Re­zept aus­ge­stellt, wenn das schon mög­lich ge­we­sen wä­re. „Ger­da“wird nun zu­nächst in den Land­krei­sen Stutt­gart und Tutt­lin­gen ge­tes­tet.

Die Be­tei­lig­ten be­ton­ten, sie woll­ten be­wusst ei­ne Vor­rei­ter­rol­le ein­neh­men. Das elek­tro­ni­sche Re­zept kom­me so oder so; es ge­be aber in­zwi­schen zahl­rei­che Vor­stö­ße mit Ei­gen­in­ter­es­sen auch ka­pi­tal­ge­steu­er­ter Fir­men.

„Ger­da“soll dem Bund ei­ne Vor­la­ge bie­ten und gleich­zei­tig Stan­dards set­zen: für ein ein­heit­li­ches Sys­tem mit neu­tra­len Ak­teu­ren und staat­li­cher Kon­trol­le;

Kon­sul­ta­ti­on on­li­ne: Arzt und Pa­ti­ent se­hen sich am Rech­ner – und dort wer­den auch Re­zep­te aus­ge­stellt.

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