Trü­bes aus der Haup­stadt

Der neue Fall für das Ber­li­ner „Tat­ort“-Duo Ka­row und Ru­bin ist reich an The­men und ge­rät da­bei zu ei­nem un­über­sicht­li­chen Kud­del­mud­del.

Haller Tagblatt - - BLICK IN DIE WELT - Von Mar­tin We­ber

Der Tod kam für den De­lin­quen­ten über­ra­schend: Mit ei­nem „un­er­war­te­ten Nah­schuss“wur­den bis 1981 zum To­de ver­ur­teil­te Men­schen in der DDR hin­ge­rich­tet. Der ehe­ma­li­ge Rich­ter Gerd Böhn­ke (Ot­to Mel­lies), ei­ne fik­ti­ve Fi­gur, war ei­ner je­ner Ju­ris­ten, die da­mals To­des­ur­tei­le ver­häng­ten. Jetzt ist Böhn­ke alt, ein­sam und wird in die­sem „Tat­ort“selbst zum Op­fer von Ge­walt: Zwei Mäd­chen schla­gen ihn zu Be­ginn die­ses

Kri­mis in sei­ner Woh­nung bru­tal nie­der und rau­ben ihn aus.

Der­weil wird nicht weit ent­fernt die Lei­che ei­nes an­de­ren al­ten Man­nes ent­deckt, mit dem es Böhn­ke in sei­nem furcht­ba­ren Be­rufs­le­ben zu tun be­kom­men hat­te. Der Rent­ner hat wo­chen­lang tot in sei­ner Woh­nung ge­le­gen, bis der Ver­we­sungs­ge­ruch die Ver­mie­te­rin auf den Plan rief. Er war der Nach­bar von Kom­mis­sar Ro­bert Ka­row (Mark Wasch­ke), der mit Hil­fe sei­ner Kol­le­gin Ni­na Ru­bin (Me­ret Be­cker) her­aus­fin­det, dass hier ein Mord vor­liegt.

Lei­der kommt der Kri­mi „Tat­ort: Das Le­ben nach dem Tod“(10.11., ARD) über ein paar gu­te

An­sät­ze nicht hin­aus und ver­sumpft schon bald in Un­über­sicht­lich­keit und De­pres­si­on. Wer un­be­dingt schlech­te Lau­ne krie­gen will, wird mit die­ser trü­ben Tra­gö­die bes­tens be­dient.

Schlech­te Lau­ne hängt auch wie­der mal wie ei­ne dunk­le Wol­ke über dem ab­ge­brüh­ten Kri­mi­na­lis­ten Ka­row. Der hat mit sei­nem nun­mehr to­ten Nach­barn in dem et­was her­un­ter­ge­kom­me­nen Wohn­block, in dem er haust, nie ein Wort ge­wech­selt und reißt viel­leicht auch des­halb (schlech­tes Ge­wis­sen?) die Er­mitt­lun­gen spon­tan an sich.

Ge­mein­sam mit der ver­strub­belt-spon­ta­nen Ru­bin, die sich heim­lich nach ei­nem an­de­ren Job um­sieht, fühlt Ka­row kri­mi­nel­len Ber­li­ner Clans auf den Zahn, die Ju­gend­li­che zu Ein­brü­chen bei wehr­lo­sen al­ten Leu­ten schi­cken. Die Spur führt zum al­ten DDR-Rich­ter. Au­ßer­dem be­kom­men es die Er­mitt­ler mit Liz Holz­kamp (Brit­ta Ham­mel­stein) und ih­rem Mann Ha­jo (Christian Ku­chen­buch) zu tun – der Haus­meis­ter lei­det un­ter ei­nem Trau­ma, das mit ei­nem furcht­ba­ren Er­eig­nis in sei­ner Kind­heit zu­sam­men­hängt.

Die To­des­stra­fe in der DDR, ein lang zu­rück­lie­gen­der Mehr­fach­mord und sei­ne psy­chi­schen Fol­gen, Ju­gend­kri­mi­na­li­tät in der Groß­stadt so­wie die Ein­sam­keit al­lein­le­ben­der al­ter Men­schen: Der Re­gis­seur Flo­ri­an Bax­mey­er will in sei­nem „Tat­ort“aus der Haupt­stadt un­be­dingt al­les un­ter ei­nen Hut brin­gen. Da­bei ent­steht aber lei­der ein arg un­über­sicht­li­ches Kud­del­mud­del. Ein­zi­ger Plus­punkt: Der 88 Jah­re al­te Cha­rak­ter­dar­stel­ler Ot­to Mel­lies als furcht­ba­rer Ju­rist im Ru­he­stand.

In­fo „Tat­ort: Das Le­ben nach dem Tod“, 10. No­vem­ber, ARD, 20.15 Uhr

Lei­chen­schau: Kom­mis­sa­rin Ni­na Ru­bin (Me­ret Be­cker, links) und die Rechts­me­di­zi­ne­rin Ja­mi­la Mar­ques (Cyn­thia Mi­cas).

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