„Es fehlt ein In­nen­stadt­kon­zept“

Haller Tagblatt - - LESERFORUM - Hans Graef Schwä­bisch Hall

Zum The­ma Kli­ma und Ver­kehr

Die heh­ren Zie­le der win­del­wei­chen Hal­ler Kli­ma­re­so­lu­ti­on sind un­kon­kret, christ-so­zi­al­de­mo­kra­tisch wie das Groko-Kli­ma­kon­zept. Die Äu­ße­run­gen der Rä­te im Hal­ler Tag­blatt vom 23. Ok­to­ber zu Jut­ta Nie­manns be­rech­tig­ten Kri­tik­punk­ten sind po­pu­lis­ti­sche Po­le­mik – ich will das gar nicht zi­tie­ren. Was dar­an ir­re­füh­rend sein soll, ist mir schlei­er­haft: Ih­re Hin­wei­se auf Fak­ten, Zah­len und Zu­kunfts­struk­tu­ren sind not­wen­dig.

Kein Mensch könn­te be­strei­ten, dass ein sol­cher Tun­nel, wie er in der al­ten Au­to­zeit vor Jahr­zehn­ten ge­plant wur­de, wün­schens­wert ist, um die­ses Na­del­öhr zu be­sei­ti­gen. Was aber, wenn es kaum oder nur schwer mach­bar ist – was man nicht wuss­te? Was, wenn es über 100 Mil­lio­nen Eu­ro kos­ten wür­de? Und was ist dort mit den Rad­fah­rern? Nie­manns spä­ter Vor­schlag könn­te zum sach­li­chen Nach­den­ken an­re­gen – denn es ist ei­gent­lich un­fass­bar, dass hier zig Mil­lio­nen aus­ge­ge­ben wer­den, wäh­rend man an den Bahn­hö­fen und beim ÖPNV spart be­zie­hungs­wei­se die Prei­se er­höht (Kreis­tag) und da­mit kon­tra­pro­duk­tiv ent­schied.

Für über­schau­ba­re Be­trä­ge lie­ße sich die An­bin­dung von Gleis 2 und 3 in Hes­sen­tal rea­li­sie­ren, dort wie im Hal­ler Bahn­hof ei­ne öŠent­li­che Toi­let­te für Bahn­rei­sen­de in­stal­lie­ren, in Hall ei­ne prak­ti­ka­ble Rad­gara­ge bau­en. Auch vor dem end­gül­ti­gen Kon­zept für den Hal­ler Bahn­hof könn­te für cir­ca 200 000 Eu­ro der Schal­ter­raum nutz­bar ge­macht wer­den (Toi­let­ten, Ki­osk) für Rei­sen­de und der Bahn­hof könn­te vom Schand­fleck zum Nutz­ge­bäu­de wer­den.

Der Gip­fel ist der Fahr­stuhl, der seit Lan­gem auf Sa­nie­rung war­tet und wö­chent­lich Hun­der­ten Müt­tern mit Kin­dern, al­ten Leu­ten oder Geh­be­hin­der­ten den Zu­gang von der Stadt er­schwert.

Und das ist mei­ne Kri­tik: Wenn kein ge­eig­ne­tes An­ge­bot er­folgt, muss man den Preis so er­hö­hen, dass sich ei­ne Fir­ma fin­det – wenn der po­li­ti­sche Wil­le da ist.

Und da bin ich bei der Schief­la­ge der Ver­kehrs­po­li­tik: Mil­lio­nen­be­trä­ge für die Stra­ße, für sinn­vol­le Park­häu­ser, aber Geld­man­gel bei Kos­ten, die den ÖPNV-Bahn­ver­kehr för­dern wür­den. Des­halb ge­hen die wohl­klin­gen­den Aus­sa­gen et­wa des Ober­bür­ger­meis­ters oder die For­mu­lie­run­gen des SPD-Frak­ti­ons­spre­chers am The­ma vor­bei: Der po­si­ti­ven Kli­ma­po­li­tik ste­hen kli­ma­po­li­ti­sche De­fi­zi­te bei un­ge­brems­ter Flä­chen­nut­zung, gren­zen­lo­ses Stadt­wachs­tum oder im Ver­kehr ge­gen­über. Für den (not­wen­di­gen) Au­to­ver­kehr in den Er­wei­te­rungs­flä­chen sind Mil­lio­nen ver­füg­bar! Es fehlt ein In­nen­stadt­kon­zept mit mi­ni­ma­len Haal­park­plät­zen, Sper­rung der Durch­fahrt Markt-Haal­stra­ße und Park­raum­be­wirt­schaf­tung.

Als In­nen­stadt­be­woh­ner se­he ich täg­lich Hun­der­te Pkw, dar­un­ter vie­le sprit­schlu­cken­de SUV, die ei­nen der 25 Park­plät­ze an der Spar­kas­se su­chen und dann durch die Fuß­gän­ger die en­ge Gas­se zum Haal­platz be­fah­ren – so­gar an men­schen­vol­len Fest­ta­gen. Die­se Park­plät­ze soll­ten den An­lie­gern, Geh­be­hin­der­ten oder Pa­ti­en­ten ge­hö­ren – wie es in vie­len an­de­ren Städ­ten der Fall ist, da­zu klei­ne E-Bus­se für die In­nen­stadt mit An­bin­dung an Park­häu­ser, ei­ne Fahr­rad­gara­ge und so wei­ter.

Ein hu­ma­nes Ge­samt­kon­zept in Rich­tung au­to­freie und -ar­me In­nen­stadt se­he ich noch nicht – die Haus­halts­be­ra­tun­gen bie­ten wie­der ei­ne neue Chan­ce zum Um­den­ken.

Wohl­klin­gen­de Aus­sa­gen des OB oder des SPD-Frak­ti­ons­spre­chers ge­hen am The­ma vor­bei.

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