Neu­er Glanz für al­tes Buch

Die Schroz­ber­ger Ge­mein­de hat ei­ne be­tag­te Bi­bel ge­schenkt be­kom­men und re­stau­rie­ren las­sen. Jetzt wird das Ex­em­plar vor­ge­stellt. Auch ein aus­ge­wie­se­ner Bi­bel­fach­mann kommt.

Haller Tagblatt - - KULTUR - Von Se­bas­ti­an Un­be­hau­en

Et­was mehr als ein Jahr ist es her, dass es an der Tür des Schroz­ber­ger Pfarr­hau­ses klin­gel­te. Pfar­rer Ge­org Lei­be­rich öne­te, drau­ßen stand der frü­he­re Be­zirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter Rolf Oet­tin­ger aus Ger­abronn, un­term Arm trug er ein un­schein­ba­res Päck­chen. So be­gann die Vor­ge­schich­te zu zwei Vor­trags­aben­den, die nächs­te und über­nächs­te Wo­che in Schroz­berg auf dem Pro­gramm ste­hen (sie­he In­fo). Denn: Oet­tin­ger war nicht et­wa zum Schlot­fe­gen ge­kom­men, son­dern in be­sag­tem Päck­chen ver­barg sich ei­ne Bi­bel aus dem Jahr 1725, de­ren frü­he­re Be­sit­zer in Zell leb­ten.

Schon bes­se­re Ta­ge ge­se­hen

Der Ger­abron­ner war durch ei­nen Zu­fall in Gam­mes­feld an das Buch ge­kom­men, jetzt sag­te er zu Lei­be­rich: „Die Bi­bel ge­hört zu euch, die will nach Zell.“Er schenk­te sie der Kir­chen­ge­mein­de, der Pfar­rer freu­te sich – auch wenn das Ex­em­plar schon bes­se­re Ta­ge ge­se­hen hat­te: zer­ris­se­ner Le­der­ein­band, Holz­wurm im De­ckel, feh­len­de Schlie­ßen. Lei­be­rich for­mu­liert es so: „Die Bi­bel hat­te man nicht mehr so arg lieb in den letz­ten zig Jah­ren.“Er selbst ver­lieb­te sich schnell und der Kir­chen­ge­mein­de­rat be­schloss, 1500 Eu­ro in die Re­stau­rie­rung zu ste­cken. Es han­delt sich um ei­ne End­ter Bi­bel. Sie stammt aus der Nürn­ber­ger Dru­cke­rei

der Fa­mi­lie End­ter, die vom Be­ginn des 17. bis zum En­de des 18. Jahr­hun­derts Lu­thers Über­set­zung der hei­li­gen Schrift zu Pa­pier brach­te. Lei­be­rich nennt das Druck­haus ein „Groß­un­ter­neh­men der da­ma­li­gen Zeit“. Ent­spre­chend häu­fig gibt es die im­po­san­ten Fa­mi­li­en­bi­beln.

Be­son­ders ma­chen die „Zel­ler Bi­bel“ih­re hand­schrift­li­chen Ein­tra­gun­gen samt Ver­zie­run­gen auf den Sei­ten gleich hin­ter dem Buch­de­ckel. Da er­fährt man, dass ein ge­wis­ser Hanns Ge­org Schmidt, We­ber zu Heim­berg, die Bi­bel sei­ner Toch­ter Apo­lo­nia zur Hoch­zeit in Adolz­hau­sen schenk­te. Jah­re spä­ter kam das Buch nach Zell: „Die­se Ed­le Kost­ba­re Bie­bel kaute Ge­org Mar­tin Hahn, Bau­er zu Zell, Im Jahr Chris­ti An­no 1786“, ist zu le­sen. Lan­ge blieb die Bi­bel in dem Wei­ler, dann führ­te sie ihr Weg nach Groß­bä­ren­wei­ler, ir­gend­wann fiel sie Oet­tin­ger in Gam­mes­feld in die Hän­de. Und bei Lei­be­rich hat sie kri­mi­na­lis­ti­schen Spür­sinn ge­weckt: Viel Zeit hat er da­mit ver­bracht, mehr über ih­re Be­sit­zer her­aus­zu­fin­den.

Re­stau­riert wur­de die be­tag­te Schrift in Rö­mer­stein bei Bad Urach in der Werk­statt von Mat­thi­as Raum. Die Kir­chen­ge­mein­de­rä­te

über­zeug­ten sich bei ei­nem Be­such dort selbst von der Kunst­fer­tig­keit der Hand­wer­ker – und wa­ren be­geis­tert. Zer­stör­tes Pa­pier wur­de in ei­nem Nass­ver­fah­ren mit flüs­si­gem Pa­pier­brei an­ge­fa­sert. Ehe­mals zer­fled­der­te Sei­ten sind wie­der ganz, die Spu­ren der Jah­re sieht man den­noch. Ein Vier­tel­jahr war die Bi­bel auf „Kur“, seit En­de Ju­li ist sie zu­rück in Schroz­berg, jetzt wird sie vor­ge­stellt – be­vor sie ei­nen Eh­ren­platz im Ar­chiv be­kommt.

Dr. Christian Herr­mann von der Würt­tem­ber­gi­schen Lan­des­bi­blio­thek in Stutt­gart kommt dann am Di­ens­tag, 19. No­vem­ber, ins Ge­mein­de­haus. Er hält ei­nen Vor­trag über das Druck- und Ver­lags­haus End­ter in Nürn­berg. Und er bie­tet zu­vor ei­nen be­son­de­ren Ser­vice an: Von 19 bis 20 Uhr kön­nen Be­su­cher Herr­mann al­te Bi­beln (bis 1800) vor­le­gen. Der Fach­mann gibt ei­ne wis­sen­schaft­li­che Ein­schät­zung da­zu – zum Bei­spiel in Be­zug auf die Fra­gen, wie häu­fig das Ex­em­plar ist und ob sich ei­ne Re­stau­rie­rung lohnt.

Fo­to: Se­bas­ti­an Un­be­hau­en

Pfar­rer Ge­org Lei­be­rich mit der re­stau­rier­ten Zel­ler Bi­bel, die er am kom­men­den Di­ens­tag prä­sen­tiert.

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