In ach­ter Ge­ne­ra­ti­on in der Ma­ne­ge

Fa­mi­lie Frank ist mit Hun­den, Kuh, Zie­gen, Ka­me­len, Zwerg­hüh­nern und Lauf­en­ten un­ter­wegs. Sie sind „Zir­kus Bra­vis­si­mo“und ma­chen Sta­ti­on in Main­hardt.

Haller Tagblatt - - GEMEINDEN - Von Son­ja Ale­xa Voll­mann

An die­sem Tag ist frei, zu­min­dest ist kei­ne Auf­füh­rung. Die Brü­der Gui­lia­no und Gio­van­ni Frank sind mit dem Rad­la­der be­schäf­tigt. Et­was ist ka­putt und sie ver­su­chen, es zu re­pa­rie­ren. In ein paar Ta­gen brau­chen sie ihn zum Ab­bau des großen Zel­tes. In dem größ­ten der Wohn­wa­gen sitzt Ma­lia Frank und büelt mit ih­rer Leh­re­rin Ma­the. Die Sie­ben­jäh­ri­ge geht zwar in die Schu­le, dort wo der Zir­kus Bra­vis­si­mo ge­ra­de Sta­ti­on macht, aber dar­über hin­aus be­kommt sie Un­ter­richt von ei­ner Leh­re­rin der „Schu­le be­ruf­lich Rei­sen­der“. Das ist Pa­pa Gi­u­lia­no wich­tig. Er selbst ha­be im­mer noch Schwie­rig­kei­ten mit Le­sen und Schrei­ben, weil durch die per­ma­nen­ten Schul­wech­sel kei­ne Kon­stanz in sein Ler­nen kam. „War die ei­ne Schu­le beim Al­pha­bet schon bei P, wa­ren die an­de­ren viel­leicht noch beim M.“

In den Clown ver­liebt

Gui­lia­no ist in die Zir­kus­welt hin­ein­ge­bo­ren. Ge­nau wie sei­ne El­tern, Groß­el­tern, Ur­groß­el­tern und so wei­ter. Zu­sam­men mit sei­nem Bru­der Gio­van­ni be­trei­ben sie in der ach­ten Ge­ne­ra­ti­on den „Bra­vis­si­mo“. Es sei ein frei­es Le­ben, man sei im­mer drau­ßen. Das gan­ze Zir­kus­da­sein ma­che als Kind sehr viel Spaß. „Schwie­ri­ger wird es, wenn man selbst Ver­ant­wor­tung über­neh­men muss.“

Der Vier­mann­be­trieb be­steht aus den zwei Brü­dern mit ih­ren Ehe­frau­en Jessica und Sa­b­ri­na. Jessica, die Akro­ba­tin, kommt selbst aus ei­ner Zir­kus­fa­mi­lie. Sa­b­ri­na hat sich in den jun­gen Clown Gui­lia­no ver­liebt, be­such­te ihn an sei­nen Auf­tritts­or­ten und hat schließ­lich in die Zir­kus­welt ein­ge­hei­ra­tet. Jetzt steht sie mit ei­ner Hu­la-Ho­op-Show in der Ma­ne­ge und macht die ֏ent­lich­keits­ar­beit.

„Reich sind wir nicht“, sagt Gui­lia­no auf die Fra­ge, wie es ih­nen geht. Aber sie be­kla­gen sich nicht. In Main­hardt wird ihr letz­ter Auf­tritt für die­se Sai­son sein, dann ge­hen sie in ih­re Win­ter­pau­se, un­ter­bro­chen von zwei Wo­chen bei ei­nem Win­ter­zir­kus. Die rest­li­che Zeit ste­hen die Wohn­wa­gen auf ei­ner Wie­se in der Nä­he von Bö­blin­gen. Ei­ne fes­te Hei­mat ha­ben die Franks nicht. Am ehes­ten Zu­hau­se fühlt sich Gui­lia­no Frank im Groß­raum Stutt­gart, da wo er ge­bo­ren wur­de. In ei­nem Kran­ken­haus des Or­tes, wo „Zir­kus Bra­vis­si­mo“ge­ra­de Sta­ti­on mach­te.

Wil­de Tie­re ge­hö­ren nicht zu die­sem klei­nen Fa­mi­li­en­be­trieb, den man fast ei­nen Haus­tier­zir­kus nen­nen könn­te. Die bei­den Brü­der ha­ben je­weils ei­ne Hun­de­num­mer mit ins­ge­samt knapp 20 Tie­ren. Gui­lia­no über­nimmt die Clown­num­mern, sein Bru­der Gio­van­ni (der ei­gent­lich Wal­ter heißt) ist Ar­tist und be­ein­druckt mit Hand­stand auf über­ein­an­der ge­sta­pel­ten Stüh­len. Tel­ler­krei­sen, Seil­tanz, ei­ne Il­lu­si­ons- und Zau­ber­show so­wie ei­ne Pi­ra­ten­und ei­ne Bau­ern­hof­show ge­hö­ren in ihr Re­per­toire. Wie die Bre­mer Stadt­mu­si­kan­ten ste­hen die Tie­re über­ein­an­der. „Das ist un­se­re

Spe­zia­li­tät“, er­zählt der 29-jäh­ri­ge Gi­u­lia­no Frank, „für die Bau­ern­hof­num­mer wer­den wir ger­ne ge­bucht“.

Ei­ne Ni­sche hat die Fa­mi­lie ge­fun­den, in­dem sie Be­su­che in Al­ten­hei­men ma­chen. Im Som­mer bau­en sie drau­ßen ei­nen Strei­chel­zoo auf, im Win­ter hän­gen sie ei­nen Zir­kus­vor­hang auf und un­ter­hal­ten die Se­nio­ren vor al­lem mit den Clown­num­mern. „Die al­ten Men­schen mö­gen ger­ne die Gags von frü­her. Ver­spre­cher zum Bei­spiel kom­men gut an.“

Auch die Kin­der der Franks ste­hen schon mit in der Ma­ne­ge. Sie ha­ben ih­re ei­ge­ne Clown­num­mer, die sich spe­zi­ell an Kin­der rich­tet. Die zwei­jäh­ri­ge Kia­na kann schon Hand­stand auf den Hän­den des Pa­pas ma­chen.

Fo­to: Son­ja Ale­xa Voll­mann

Ei­ne Zir­kus­fa­mi­lie: Kia­na, Lenn­ox, Ma­lia, Jessica, Sa­b­ri­na, Gui­lia­no und Gio­van­ni Frank auf der Wie­se in Main­hardt ne­ben dem Net­to, wo sie ih­re letz­te Sta­ti­on vor der Win­ter­pau­se auf­ge­baut ha­ben.

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