Künst­le­rin will „wach ma­chen“

Haller Tagblatt - - LANDKREIS HALL -

Auf gro­ßes In­ter­es­se stößt die Ver­nis­sa­ge von Pe­tra Dau­bek in der Pfarr­scheu­er Ils­hofen.

Ils­hofen. Der Ti­tel der Aus­stel­lung von Pe­tra Dau­bek, „Kein An­kom­men. Nir­gends“, kann auf fal­sche Fähr­ten lo­cken: Was wie ei­ne künst­le­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit Flücht­lings­be­we­gun­gen klingt, ent­puppt sich nur teil­wei­se als sol­che. Ge­nau ge­nom­men ist es nur ei­nes der 24 aus­ge­stell­ten Ex­po­na­te in der Pfarr­scheu­er: die 2017 ent­stan­de­ne Tex­til­col­la­ge „Oh­ne Kurs über Grund“.

Pe­tra Dau­bek no­tier­te da­zu im Pro­gramm­heft: „‚Oh­ne Kurs‘ be­deu­tet: Nicht im Bil­de zu sein dar­über, wo man steht und wo es hin­geht. Ver­gleich­bar ste­hen wir der­zeit mit der ‚Flücht­lings­kri­se‘ po­li­tisch und ge­sell­schaft­lich vor ei­nem Pro­blem, des­sen wei­te­re Ent­wick­lung wir nicht über­se­hen kön­nen. Die Ur­sa­chen sind nicht nur durch die po­li­ti­schen Ent­wick­lun­gen

in fer­nen Län­dern (Ver­fol­gung und Krieg), son­dern auch durch un­ser Wirt­schafts­sys­tem und un­ser Kon­sum­ver­hal­ten in den wohl­ha­ben­den Län­dern mit­be­dingt. (...) Men­schen, die um ihr Le­ben fürch­ten müs­sen oder ver­meint­lich nichts mehr in ih­rem Hei­mat­land zu er­war­ten ha­ben, ma­chen sich auf den Weg nach Eu­ro­pa, trotz der Ge­fah­ren und der Un­ge­wiss­heit, was sie hier er­war­tet.“

Die Kirch­ber­ger Künst­le­rin, die sich über Tex­ti­li­en aus­drückt, be­merk­te in ih­rer Ein­füh­rung in die Aus­stel­lung und zum Aus­stel­lungs­the­ma aber auch, dass es ihr auch um ein Le­bens­ge­fühl ge­he. Da ge­he es um den un­glaub­lich schnel­len Wan­del von The­men, die auf die Men­schen heu­te ein­ström­ten. „Rat­lo­sig­keit, Sinn­su­che und ein Ver­lo­ren­heits­ge­fühl“sei­en die Fol­ge. In der glo­ba­len Welt kön­ne man sich nicht mehr ab­schot­ten.

Pe­tra Dau­bek woll­te das The­ma aber auch po­si­tiv ge­wer­tet wis­sen. Sie wol­le „wach ma­chen für Din­ge, um die es geht“. Für sich selbst ver­zeich­ne­te die

Künst­le­rin das Pro­zess­haf­te ih­rer meist über ei­nen lan­gen Zei­t­raum ent­ste­hen­den Wer­ke als das Ent­schei­den­de und die Lö­sun­gen, die sich auf dem Weg er­ge­ben. Nicht das An­kom­men sei das Ent­schei­den­de.

In den ge­zeig­ten Wer­ken, die über­wie­gend zwi­schen 2011 und 2019 ent­stan­den sind, setzt sich Dau­bek auch mit dem Spott­preis für Milch aus­ein­an­der. Ge­nau­so geht es ihr um weib­li­che Sinn­lich­keit, Moral­vor­stel­lun­gen und die schlech­te Be­zah­lung von Frau­en, et­wa bei der Her­stel­lung von Tex­ti­li­en.

Eben­so the­ma­ti­siert sie Schwan­ger­schafts­ab­bruch und Em­bryo­nen­for­schung.

In­fo Die Aus­stel­lung in der Pfarr­scheu­er Ils­hofen ist sonn­tags von 14 bis 17 Uhr ge­öff­net, zu se­hen bis 24. No­vem­ber.

Fo­to: Ralf Snu­ra­wa

Pe­tra Dau­bek steht vor der im Jahr 2017 ent­stan­de­nen Tex­til­col­la­ge „Oh­ne Kurs über Grund“.

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