„Ich füh­le mich ver­arscht“

Haller Tagblatt - - LANDKREIS HALL - Von Eli­sa­beth Schwei­kert

De­le­gier­te des Bau­ern­ver­bands Schwä­bisch Hall-Ho­hen­lo­he-Rems dis­ku­tie­ren in Wol­perts­hau­sen über den po­li­ti­schen Kurs.

u vor­ge­rück­ter St­un­de, ge­gen 23.15 Uhr, bricht sich der Un­mut kurz Bahn. Der Gast­red­ner Rai­mund Ha­ser, Um­welt­spre­cher der CDU-Land­tags­frak­ti­on, hat­te ver­ges­sen, auf die Fra­ge von Mar­tin Wun­der­lich, Land­wirt aus Dörz­bach, zu ant­wor­ten. Die­ser hat­te fest­ge­stellt: „Wir ha­ben die höchs­ten Auf­la­gen in der Welt. Jetzt wer­den 700 000 Ton­nen Rind­fleisch von Mer­co­sur-Staa­ten im­por­tiert. Die ha­ben kei­ne Stan­dards, die mit un­se­ren ver­gleich­bar sind. Ich füh­le mich ver­arscht. Da kom­men mir fast die Trä­nen.“Ha­ser hat­te auf al­le State­ments ge­ant­wor­tet, doch nicht auf die­ses. Als er die Ge­sprächs­run­de be­en­den woll­te, gab es zor­ni­ge, lau­te Zwi­schen­ru­fe. „Ich ha­be die­se Sor­ge auch“, sag­te Ha­ser dar­auf­hin. Er mein­te aber auch, dass das Ab­kom­men nicht nur als Zu­ge­ständ­nis an die Au­to­mo­bil­lob­by zu ver­ste­hen sei

ZK­ri­tik an der Stra­te­gie

Rund 140 der 280 De­le­gier­ten des Bau­ern­ver­bands Schwä­bisch Hall-Ho­hen­lo­he-Rems sind am Mitt­woch zur Ver­samm­lung nach Wol­perts­hau­sen ge­kom­men. Sach­lich und in Ge­schlos­sen­heit wer­den die Re­gu­la­ri­en ab­ge­wi­ckelt. Ru­hig ver­lau­fen die Dis­kus­sio­nen – auch zum The­ma Volks­be­geh­ren. Wich­tigs­tes The­ma aber, das klang bei fast al­len Punk­ten durch, ist die Stra­te­gie des Ver­bands, po­li­tisch Ein­fluss zu neh­men. Die Bau­ern wol­len mehr Er­fol­ge se­hen.

An­stoß für die Dis­kus­si­on ist die De­mons­tra­ti­on des Ver­bunds „Land scha‘t Ver­bin­dung“, die am 22. Ok­to­ber für Auf­se­hen ge­sorgt hat. Un­ter dem Mot­to „Wir ru­fen zu Tisch“ha­ben Land­wir­te aus der gan­zen Re­pu­blik, die sich in­ner­halb we­ni­ger Wo­chen über Whats­app-Grup­pen zu­sam­men­ge­schlos­sen ha­ben, die De­mons­tra­tio­nen or­ga­ni­siert. „War­um hat sich der Bau­ern­ver­band an der De­mo nicht be­tei­ligt“, wird gleich zu Be­ginn ge­fragt. „Wir wa­ren von der ers­ten Mi­nu­te an da­bei“, ant­wor­tet Hel­mut Ble­her, Ge­schäfts­füh­rer des Bau­ern­ver­bands, „wir ha­ben den Kon­takt mit den De­mons­tran­ten ge­pflegt.“Jür­gen Mau­rer, Vor­sit­zen­der des

Hel­mut Ble­her

Bau­ern­ver­bands, er­klärt: „Das Haupt­pro­blem war, dass aus den Grup­pen die Bot­schaft kam: Wir wol­len den Bau­ern­ver­band nicht da­bei ha­ben.“

Auf die Nach­fra­ge: „War­um seid ihr aus­ge­schlos­sen wor­den?“, mel­det sich ein Land­wirt zu Wort, der bei der De­mo da­bei war. Der De­le­gier­te, der sei­nen Na­men nicht in der Zei­tung le­sen möch­te, er­klärt: „Wir hät­ten den Er­folg gar nicht ge­habt“, wenn die Ver­bän­de

da­zu auf­ge­ru­fen hät­ten. „Wenn die Ba­sis un­ab­hän­gig vom Ver­band los­mar­schiert, kommt das bes­ser an, als wenn Ver­tre­ter des Bau­ern­ver­bands da­zu auf­ru­fen“, meint auch Ble­her. „Wir ha­ben das An­ge­bot ge­macht, ei­nen Bus fah­ren zu las­sen“, sagt Mau­rer, „das wur­de aber nicht an­ge­nom­men.“

Ger­hard Lay, Milch­bau­er aus Schroz­berg, Mit­glied so­wohl beim Bau­ern­ver­band als auch beim Bund Deut­scher Milch­vieh­hal­ter (BDM), ist be­kannt da­für, dass er Kon­flik­te an­spricht. „Ich den­ke, dass die ho­he Be­tei­li­gung auch dar­an liegt, dass vie­le nicht zu­frie­den sind mit dem Bau­ern­ver­band. Da könn­tet ihr nach­den­ken: Ist da was dran?“Die Haupt­ur­sa­che für den Un­mut der Bau­ern sei: „Das schlech­te Ein­kom­men. Und dann noch die Auf­la­gen ...“Spä­ter, auf Nach­fra­ge, sagt Lay: „Mir ging es dar­um, dass sie

sich Ge­dan­ken ma­chen. Wis­sen die noch, wo den Bau­ern der Schuh drückt?“Sei­ner An­sicht nach muss „das Dog­ma des Bau­ern­ver­bands“, dass „der Markt von Gott ge­ge­ben ist“, ge­kippt wer­den. Es brau­che Prei­se, die die Kos­ten de­cken.

„Wenn der Bau­ern­ver­band zu De­mons­tra­tio­nen auf­ge­ru­fen hat­te, wa­ren wir froh, wenn ein paar Rent­ner ka­men“, er­in­nert Ble­her die Zu­hö­rer. „Das jetzt ist ei­ne Be­we­gung von jun­gen Leu­ten.“Die Kri­tik an den Auf­la­gen, die schlech­ten Er­lö­se – „das sind al­les The­men, die der Bau­ern­ver­band schon for­mu­liert hat“, so

Ble­her. „Mit der Brech­stan­ge kann man in den we­nigs­ten Fäl­len et­was be­we­gen“, wirbt er da­für, den ein­ge­schla­ge­nen Weg der Ver­hand­lun­gen wei­ter zu ver­fol­gen. „Die Bau­ern­krie­ge ha­ben al­le da­mit ge­en­det, dass die Bau­ern ge­köpft und ge­vier­teilt wur­den. Das Pro­blem ist nicht ge­löst, wenn al­le sa­gen: Wir tre­ten aus dem Bau­ern­ver­band aus.“

Nicht al­lei­ni­ger Ver­tre­ter

Ger­hard Lay spricht dar­auf­hin Jür­gen Mau­rer an, er­in­nert ihn an ein In­ter­view, das er dem SWR ge­ge­ben hat­te. „Das, was du da er­klärt hast, das hängt den Leu­ten zum Hals raus.“In die­sem Ge­spräch hat­te Mau­rer be­tont, dass es nö­tig sei, die Pro­ble­me mit den an­de­ren ge­sell­schaft­li­chen Grup­pen am Tisch zu ver­han­deln, Kom­pro­mis­se zu fin­den. „Die jun­gen Leu­te sol­len sich in die Gre­mi­en wäh­len las­sen“, for­dert Mau­rer und be­kommt viel Bei­fall. Er wer­de per­sön­lich da­für wer­ben, dass wei­te­re Land­wir­te in den Ver­band ein­tre­ten.

Lay da­ge­gen meint, dass der Al­lein­ver­tre­tungs­an­spruch des Bau­ern­ver­bands an­ge­zählt sei. An­de­re Grup­pen wie der BDM, das Bünd­nis „Land scha‘t Ver­bin­dung“, der Ver­band der Ne­ben­er­werbs­land­wir­te, die Ar­beits­ge­mein­schaft bäu­er­li­cher Land­wir­te oder die Bäu­er­li­che Er­zeu­ger­ge­mein­schaft misch­ten eben­falls mit. Den Ein­spruch da­ge­gen for­mu­liert Wil­helm Wack­ler: „Der Po­li­tik kann nichts Bes­se­res pas­sie­ren, als wenn wir uns tei­len.“Stich­wort

Auf wel­che Kern­the­men soll­te sich die Uni­on im Wahl­kreis Hall im Land­tags­wahl­kampf kon­zen­trie­ren?

Ich möch­te kei­ne Rat­schlä­ge er­tei­len. In ers­ter Li­nie geht es aber um die The­men des länd­li­chen Raums. Die Kon­zep­te, mit de­nen man im ur­ba­nen Raum ope­rie­ren kann, tau­gen für das Land nicht im­mer. Im Grun­de geht es um Fra­gen der In­fra­struk­tur: Stra­ßen, Wohn­raum, In­ter­net, Schu­len, Nah­ver­kehr, ärzt­li­che Ver­sor­gung – das sind die zen­tra­len Punk­te. Hier möch­ten die Men­schen sicht­ba­re Ver­bes­se­run­gen. Auch wenn es hier nicht im­mer so schnell vor­an­geht, wie wir uns das al­le wün­schen, ist und bleibt die CDU doch die Par­tei für den länd­li­chen Raum.

Sie ver­tre­ten den Wahl­kreis Hall seit 2016 mit. Funk­tio­niert das gut? Ge­mein­sam mit mei­nen Kol­le­gen Mack und Klenk be­mü­he ich mich, die mir zu­ge­teil­ten Kom­mu­nen best­mög­lich zu be­treu­en. Die Zu­sam­men­ar­beit mit die­sen neun Be­treu­ungs­ge­mein­den funk­tio­niert aus mei­ner Sicht sehr gut. Aber der Wahl­kreis 22 ist viel zu be­deu­tend, um le­dig­lich von „be­nach­bar­ten“Kol­le­gen be­treut zu wer­den.

Das Pro­blem ist nicht ge­löst, wenn al­le sa­gen: Wir tre­ten aus dem Bau­ern­ver­band aus.

Wer­den Sie selbst noch ein­mal im Wahl­kreis Ho­hen­lo­he kan­di­die­ren? Amts­mü­de bin ich nicht, bit­te aber um Nach­sicht da­für, dass ich mei­ne Ent­schei­dung den Ge­pflo­gen­hei­ten ent­spre­chend zu­nächst den Par­tei­gre­mi­en und erst dann der Pres­se mit­tei­len wer­de.

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