Ein­fa­che Ar­bei­ten, aber wich­tig

Bei der Ro­sen­gar­te­ner Fir­ma Alu­ca ar­bei­ten zehn Men­schen mit Be­hin­de­rung mit. Den Ein­satz macht die Or­ga­ni­sa­ti­on Le­bens-Werk mög­lich. Un­ter­neh­men und Mit­ar­bei­ter spre­chen von „Mehr­wert für al­le“.

Haller Tagblatt - - WIRTSCHAFT REGIONAL -

Hei­di Bra­den be­freit mit En­gels­ge­duld Tei­le des Fo­li­en­schut­zes von Trag­rah­men. El­ke Hau­ser packt klei­ne Tü­ten mit Mon­ta­ge­sät­zen ab. Dank der Scha­blo­ne vor ihr ver­gisst sie auch kein Teil. „Das sind ein­fa­che Ar­bei­ten, aber sehr wich­tig, weil es die Pro­duk­ti­on to­tal auf­hal­ten wür­de, wenn die Mit­ar­bei­ter das selbst ma­chen müss­ten“, er­klärt Rai­ner Möss­ner. Er ist Lei­ter der Au­ßen­ar­beits­grup­pe der Le­bens-Werk­statt (LW) von Schwä­bisch Hall bei der Fir­ma Alu­ca.

„Kei­ne Chan­ce“

Grund­sätz­lich ist es das obers­te Ziel ei­ner je­den Werk­statt für Men­schen mit Be­hin­de­rung, die­se so fit zu ma­chen, dass sie auf dem ers­ten Ar­beits­markt be­ste­hen kön­nen. Doch Möss­ner ist auch rea­lis­tisch: „Der größ­te Teil hat kei­ne Chan­ce auf ein so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ges Ar­beits­ver­hält­nis, aber das hier ist trotz­dem ei­ne Mög­lich­keit zur Teil­ha­be.“

Die Fir­ma Alu­ca baut Fahr­zeug­ein­rich­tun­gen aus Alu­mi­ni­um, zum Bei­spiel für Hand­wer­ker. Bis 2018 war die LW Zu­lie­fe­rer von Alu­ca. „Ir­gend­wann ha­ben wir dann ge­dacht, wir könn­ten uns die Leu­te doch auch ins Haus ho­len an­statt das Ma­te­ri­al im­mer hin und her zu fah­ren“, wird Jo­han­nes

Bi­scho¥, bei Alu­ca Lei­ter der Pro­duk­ti­on, in ei­ner Pres­se­er­klä­rung des Un­ter­neh­mens zi­tiert. Auch der so­zia­le Aspekt ha­be ei­ne Rol­le ge­spielt. „Wir hät­ten ja auch drei Mit­ar­bei­ter für die­se Jobs ein­stel­len kön­nen, aber so passt es bes­ser zu un­se­rer Vor­stel­lung so­zia­ler Ver­ant­wor­tung“, er­gänzt Olaf Ra­gu­se, Lei­ter Pro­duk­ti­on und Ma­te­ri­al­wirt­schaft. Auch Bi­scho¥ be­tont: „Die ma­chen hier kei­nen Kruscht, son­dern tra­gen zur Wer­tig­keit un­se­rer Pro­duk­te bei, in­dem sie be­nö­tig­te Vor­ar­bei­ten er­le­di­gen.“

Stück­zah­len er­höht

Die Lis­te der Tä­tig­kei­ten hat sich seit den An­fän­gen von fünf auf zehn ver­dop­pelt. Seit die Au­ßen­ar­beits­grup­pe im Ein­satz ist, konn­ten die Stück­zah­len in den an­de­ren Ab­tei­lun­gen merk­lich er­höht wer­den. „Das ist ein Mehr­wert für al­le.“

An­ge­fan­gen hat die Grup­pe mit zwei Ta­gen pro Wo­che. Seit ei­nem Jahr et­wa ist sie täg­lich mit fünf Per­so­nen im Un­ter­neh­men im Ro­sen­gar­te­ner Teil­ort Ut­ten­ho­fen.

Ruck­zuck im Ge­spräch

Ins­ge­samt zehn Mit­ar­bei­ter wech­seln sich ab. Rund drei Mo­na­te ha­be es ge­dau­ert, bis die Be­rüh­rungs­ängs­te be­gan­nen, sich ab­zu­bau­en, er­in­nert sich Möss­ner.

„In­zwi­schen ist es so, wenn die Kol­le­gen Ma­te­ri­al ho­len, dann blei­ben sie auch mal fünf Mi­nu­ten für ein Schwätz­chen ste­hen und wenn un­se­re Kli­en­ten durch den Be­trieb lau­fen, wer­den sie ruck­zuck in ein Ge­spräch ver­wi­ckelt.“

Für die Kol­le­gen der LW wur­de ein Ar­beits­platz ge­scha¥en, der zwar durch Me­tall­re­ga­le zum Schutz vor dem Stap­ler­ver­kehr ab­ge­trennt wur­de, sich aber trotz­dem in­mit­ten des Pro­duk­ti­ons­ge­sche­hens und des Alu­ca-All­tags be­fin­det.

Ein­la­dung zum Mit­tag­es­sen

„Wir le­gen sehr viel Wert auf Si­cher­heit und das Wohl­er­ge­hen un­se­rer Be­schäf­tig­ten“, be­tont Ra­gu­se. Ne­ben der Au­ßen­ar­beits­grup­pe gibt es auch Ein­zel­ar­beits­plät­ze bei Alu­ca, die von den Job­coa­ches der LW be­glei­tet wer­den. So ha­ben noch mehr Men­schen die Mög­lich­keit, im Rah­men ih­rer Mög­lich­kei­ten ein Teil des ers­ten Ar­beits­mark­tes zu sein. Und weil Ar­beit hung­rig macht, lädt Alu­ca ih­re LW-Grup­pe täg­lich zum Mit­tag­es­sen ein.

Jo­han­nes Bi­scho , Lei­ter Pro­duk­ti­on, und Olaf Ra­gu­se , Lei­ter Pro­duk­ti­on und Ma­te­ri­al­wirt­scha (Zwei­ter und Drit­ter von links), bei ei­nem Tre en mit der Au­ßen­ar­beits­grup­pe.

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