Schnel­ler raus aus den Schul­den

Die Ver­fah­ren bei Pri­vat­in­sol­ven­zen sol­len von sechs auf drei Jah­re ver­kürzt wer­den. Da­ge­gen regt sich Kri­tik.

Haller Tagblatt - - WIRTSCHAFT -

Ber­lin. Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin Chris­ti­ne Lam­brecht (SPD) plant kür­ze­re Ver­fah­ren bei Pri­vat­in­sol­ven­zen. Die Zeit, in der Schuld­ner Geld an ih­re Gläu­bi­ger zu­rück­zah­len müs­sen, sol­le von der­zeit sechs auf drei Jah­re ver­kürzt wer­den, teil­te die Mi­nis­te­rin am Don­ners­tag mit.

Der Bun­des­ver­band Deut­scher In­kas­so-Un­ter­neh­men (BDIU) be­trach­tet die Plä­ne kri­tisch. „Es be­steht die Ge­fahr, dass Gläu­bi­ger noch we­ni­ger Geld zu­rück­be­kom­men, als das bis­her schon ge­schieht“, sag­te BDIU-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Kay Uwe Berg die­ser Zei­tung. Denn den größ­ten Teil der Be­trä­ge zahl­ten die Schuld­ner er­fah­rungs­ge­mäß in den Jah­ren vier bis sechs zu­rück, wenn sie im Le­ben wie­der mehr Fuß ge­fasst und viel­leicht ei­nen Job an­ge­nom­men ha­ben.

Au­ßer­dem sieht man beim Ver­band das Pro­blem, dass bei Ver­brau­chern, die sich beim Haus­hal­ten schwer­tun, ein Sorg­los-Ef­fekt ein­tritt. „Dann denkt sich man­cher, ei­ne Insolvenz ist gar nicht so schlimm. Nach drei Jah­ren ist die Pha­se ja schon wie­der vor­bei“, heißt es.

Un­be­dingt müs­se des­halb auch der Dreh­tür-E¨ekt er­schwert wer­den – „näm­lich dass Schuld­ner nach ab­ge­schlos­se­ner Pri­vat­in­sol­venz er­neut Schul­den an­häu­fen und dann gleich wie­der Pri­vat­in­sol­venz an­mel­den“. Zu­min­dest müs­se bei der Re­form aus­ge­schlos­sen wer­den, dass auch ei­ne sol­che zwei­te In­sol­venz­pha­se nur drei Jah­re daue­re. Vor­ge­se­hen ist das laut Lam­brecht aber nicht.

Die Mi­nis­te­rin ver­weist dar­auf, dass mit der Re­form des In­sol­venz­rechts ei­ne EU-Richt­li­nie vom Ju­ni die­ses Jah­res um­ge­setzt wer­de. Die Ver­kür­zung der Rück­zah­lungs­pha­se be­zie­he sich zwar laut der Richt­li­nie auf „un­ter­neh­me­risch tä­ti­ge Per­so­nen“. „Ich set­ze mich aber da­für ein, dass das Glei­che auch für Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher gilt“, be­ton­te Lam­brecht. Eu­ro­pa­recht­lich sei das mög­lich.

Ei­ne Pri­vat­in­sol­venz ist für die­je­ni­gen ei­ne Op­ti­on, bei de­nen der vom Ge­setz vor­ge­schrie­be­ne au­ßer­ge­richt­li­che Ei­ni­gungs­ver­such mit den Gläu­bi­gern zu kei­nem Er­geb­nis ge­führt hat. Im Rah­men der der­zeit gel­ten­den Sechs­jah­res­frist müs­sen Schuld­ner al­les, was sie ober­halb der Pfän­dungs­gren­ze ver­die­nen – bei Al­lein­ste­hen­den 1139,99 € – an die Gläu­bi­ger ge­ben. Falls noch Ver­mö­gen vor­han­den ist, geht es eben­falls an die Gläu­bi­ger.

Laut Sta­tis­ti­schem Bun­des­amt gab es 2018 ge­nau 67 597 Ver­brau­cher­insol­ven­zen. Ein Teil der Men­schen ge­rät durch ei­ge­nes Ver­schul­den in Not. In der Re­gel lan­den sie aber nach Schick­sals­schlä­gen in der Schul­den­fal­le – bei Ar­beits­lo­sig­keit oder schwe­rer Krank­heit.

Fo­to: M. Kap­peler/dpa

Jus­tiz­mi­nis­te­rin Chris­ti­ne Lam­brecht.

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