Streit um Fahr­prei­se geht wei­ter

Haller Tagblatt - - STUTTGART UND UMGEBUNG - Von Jür­gen Schmidt und Melissa Seitz

Die Re­gio­nal­po­li­ti­ker im Ver­kehrs­aus­schuss bli­cken mit ge­misch­ten Ge­füh­len auf die Ta­rif­re­form. Über den wei­te­ren Aus­bau des ÖPNV-An­ge­bots be­steht hin­ge­gen Ei­nig­keit.

Blei­ben nach der Ta­rif­re­form und der Null­run­de 2019 auch 2020 die Fahr­prei­se im Ver­kehrs­ver­bund Stutt­gart (VVS) sta­bil? So recht kann das der­zeit nie­mand sa­gen, im Ver­kehrs­aus­schuss der Stutt­gar­ter Re­gio­nal­ver­samm­lung war das The­ma höchst um­strit­ten. Die Re­gio­nal­rä­te sind in die­ser Fra­ge nicht ent­schei­dend, weil die Kreis­ta­ge in Bö­blin­gen, Ess­lin­gen, Lud­wigs­burg und Wai­b­lin­gen und der Stutt­gar­ter Ge­mein­de­rat ent­schei­den müs­sen, ob sie ih­ren Zu­schuss an den VVS er­hö­hen. Die Dis­kus­si­on im Aus­schuss lie­fer­te aber ei­nen Vor­ge­schmack auf mög­li­che De­bat­ten in den kom­mu­na­len Gre­mi­en.

Rai­ner Gans­ke (CDU) sieht ei­ne Null­run­de eher skep­tisch. Er be­fürch­tet, dass sie zu Las­ten kom­mu­na­ler In­ves­ti­tio­nen in den Aus­bau des ÖPNV und die Ver­bes­se­rung sei­ner Qua­li­tät ge­hen kön­nen. „Man kann je­den Eu­ro nur ein­mal aus­ge­ben“, mahn­te er und be­kam Un­ter­stüt­zung von Frei­en Wäh­lern und der FDP.

Das rich­ti­ge Si­gnal sen­den

Ei­ne Null­run­de zu Las­ten der In­ves­ti­tio­nen wol­len auch de­ren Be­für­wor­ter nicht, be­ton­te Stutt­garts OB Fritz Kuhn. Der Grü­nen-Po­li­ti­ker hält den Ver­zicht auf ei­ne Fahr­preis­er­hö­hung für das rich­ti­ge Si­gnal „um die Bot­schaft der Re­form“der Ta­ri­fe zu ver­stär­ken. Doch das Geld zum Aus­gleich der aus­ge­setz­ten Preis­er­hö­hung müs­se zu­sätz­lich ein­ge­setzt wer­den, for­der­te Kuhn. Stutt­gart müss­te rund 2,8 Mil­lio­nen Eu­ro zu­sätz­lich an den VVS über­wei­sen, die vier Land­krei­se zu­sam­men 3,5 Mil­lio­nen Eu­ro.

Ab 2021 wür­de sich die Mehr­be­las­tung auf fünf Land­krei­se ver­tei­len, wenn Göp­pin­gen Voll­mit­glied im VVS wird. Der Ver­kehrs­aus­schuss be­schloss ei­ne ent­spre­chen­de Sat­zungs­än­de­rung zur In­te­gra­ti­on des Land­krei­ses, die im De­zem­ber noch von der Re­gio­nal­ver­samm­lung ge­bil­ligt wer­den muss, um den Weg auch for­mal frei zu ma­chen.

Un­eins sind sich die die Re­gio­nal­po­li­ti­ker nicht nur in der Fahr­preis­fra­ge, son­dern auch, ob die Ta­rif­re­form als Er­folg oder als

Flop zu wer­ten sei. Wäh­rend VVS-Ge­schäfts­füh­rer Horst Stamm­ler den Fahr­gast­zu­wachs von 3,6 Pro­zent zwi­schen April und Au­gust als po­si­tiv be­wer­te­te und von den Grü­nen Un­ter­stüt­zung er­hielt, hät­te sich Gans­ke mehr er­ho˜t. Auch Bernhard Mai­er (Freie Wäh­ler) mo­nier­te, dass Auf­wand und Er­trag der Ta­rif­re­form in kei­nem zu­frie­den­stel­len­den Ver­hält­nis stün­den.

Zu den In­ves­ti­tio­nen in den hei­mi­schen Nah­ver­kehr zäh­len aus Sicht der Grü­nen nicht nur die rol­len­de Hard­ware auf Stra­ßen und Schie­nen, son­dern auch die Soft­ware in Form ei­ner leis­tungs­fä­hi­gen App für den Nah­ver­kehr. Denn die Po­ly­go-Card des VVS hält der Frak­ti­ons-Vi­ze Phil­ipp Buch­holz für nicht mehr zeit­ge­mäß und zu we­nig funk­tio­nal, ob­gleich in­zwi­schen rund ei­ne hal­be Mil­li­on Kar­ten im Um­lauf sind. Die Kar­te müs­se in ei­ne Smart­pho­ne-App über­führt wer­den, die das Su­chen, Bu­chen und Zah­len der Mo­bi­li­täts­an­ge­bo­te in der Re­gi­on er­mög­li­che.

Ein Stück rea­le Zu­kunft prä­sen­tier­te ges­tern das Bahn­pro­jekt Stutt­gart-Ulm. „Es gibt 80 S-Bahn-Sta­tio­nen in der Re­gi­on“, sagt Re­gio­nal­di­rek­to­rin Ni­co­la Schelling bei ei­ner Bau­stel­len­füh­rung im Stutt­gar­ter Nor­den. Dort ent­steht ei­ne neue Hal­te­stel­le na­mens Mitt­nacht­stra­ße. Nach der Fer­tig­stel­lung von S21 wer­den dort die aus dem Nor­den und Os­ten kom­men­den S-Bahn-Li­ni­en zu­sam­men­ge­führt. Wer um­stei­gen will, kann dies künf­tig an der Sta­ti­on Mitt­nacht­stra­ße ma­chen: „Das ent­spannt die Si­tua­ti­on am Haupt­bahn­hof“, sagt Schelling.

Die Hal­te­stel­le ist 260 Me­ter lang, der Bahn­steig 10 Me­ter breit. Sie liegt in ei­nem acht Me­ter tie­fen Trog­bau­werk zwi­schen Ro­sen­stein­stra­ße und Zug­schie­nen. Pend­ler, die mit der S-Bahn in Rich­tung Stutt­gart fah­ren, er­hal­ten schon mal ei­nen ers­ten Ein­druck von der neu­en Sta­ti­on. Ein rie­si­ges Pla­kat, das di­rekt über der Bau­stel­le hängt, zeigt, wie die Hal­te­stel­le aus­se­hen soll. Dar­auf zu se­hen ist auch, dass der Erd­hü­gel auf der ei­nen Sei­te noch ab­ge­tra­gen wird. Auf die­ser Flä­che ent­steht dann das neue Ro­sen­stein­quar­tier. „Die Sta­ti­on ist ei­ne Be­rei­che­rung für das neue Wohn­vier­tel“, sagt Bernhard Bau­er, Vor­sit­zen­der des Ver­eins Bahn­pro­jekt Stutt­gart-Ulm. 7000 Wohn­ein­hei­ten soll es in dem neu­en Quar­tier ge­ben. „Die Be­woh­ner ha­ben dann kur­ze We­ge zum ÖPNV“, so Bau­er wei­ter.

Fo­to: Fer­di­nan­do Ian­no­ne

Durch den Bau der neu­en S-Bahn-Sta­ti­on Mitt­nacht­stra­ße im Stutt­gar­ter Nor­den wird das Bahn­netz er­wei­tert.

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