Far­be und Freu­de für den Mo­der­mo­nat

Haller Tagblatt - - FAMILIE KINDER - Von Bir­git Trink­le

In der dunk­len Jah­res­zeit, wenn die Na­tur schläft, gibt es un­ter­schied­li­che An­sät­ze, me­lan­cho­ni­schen Mo­men­ten zu be­geg­nen. Vie­le Wohl­füh­re­zep­te ha­ben mit Ker­zen und Ka­lo­ri­en zu tun.

Net­te Leu­te ein­la­den, mit­ein­an­der re­den, Tee trinken, Ge­schich­ten er­zäh­len.

Gu­drun Wei­ber­le Gärt­ne­rin

Ich weiß, wie wich­tig gu­tes Es­sen fürs Wohl­be­fin­den sein kann.

Irmgard Bren­ner Land­frau

Al­les mie­fig, al­les mod­rig, al­les dun­kel, al­les nix: Der No­vem­ber ist mit gu­tem Grund der Un­ge­lieb­te un­ter den Mo­na­ten. Nur die letz­ten wel­ken Ro­sen er­in­nern an an­de­re Ta­ge, an­sons­ten gibt’s we­nig Far­be in die­ser trü­ben Tris­tesse: hier ein Zweig­lein mit Ha­ge­but­ten, dort neon­grü­ne Mar­kie­run­gen am kä­ferz­er­fres­se­nen

Baum, der drin­gend aus dem Wald ge­scha–t wer­den müss­te. Geht’s noch de­pri­mie­ren­der? Der Krä­hen­ruf wird ein­sams­tes Ge­räusch der Welt.

Stra­te­gi­en ge­gen den No­vem­ber gibt’s so vie­le, wie Men­schen, die an ihm lei­den oder ihn zu­min­dest so rich­tig satt­ha­ben. Be­we­gung wird im­mer wie­der ge­nannt, so ziem­lich al­les vom Spa­zier­gang bis hin zum Trai­ning des Leis­tungs­sport­lers: „Da­nach geht’s mir rich­tig gut“, zieht sich wie ein ro­ter Fa­den durch die Er­zäh­lun­gen un­ter­schied­lichs­ter Le­se­rin­nen und Le­ser.

Men­schen im Grü­nen

Gu­drun Wei­ber­le, die mit dem grü­nen Dau­men, schwört selbst­re­dend auf Pflan­zen. „Das tut Au­ge und See­le gut.“Im Üb­ri­gen fin­det sie den No­vem­ber über­haupt nicht furcht­bar. Der Win­ter ver­schiebt sich, sagt die Blau­fel­de­ne­rin. Im­mer öf­ter ge­be es auch im No­vem­ber viel Son­ne. Sie sieht das feh­len­de Licht eher im März als Pro­blem. Gu­drun Wei­ber­le hat die Lie­be zu den Pflan­zen zum Be­ruf ge­macht. Ein Le­ben oh­ne Pflan­zen ist schlicht nicht vor­stell­bar. Na­tür­lich emp­fiehlt sie da hell­grü­ne Far­ne und Phi­lo­den­dron ge­gen Schwer­mut und schlech­te Raum­luft glei­cher­ma­ßen. Dar­über hin­aus spricht sie – ob­wohl sie neu­deut­sche Wort­schöp­fun­gen gar nicht mag – vom Co­coo­n­ing, was am bes­ten mit „sich ein­spin­nen“über­setzt wird und den Trend be­schreibt, die ei­ge­ne Woh­nung zum Wohl­fühl­raum zu ma­chen. „Kein Wun­der, dass sich vie­le

wohl­fühn- Men­schen da­heim nicht

len“, sagt sie, wenn es nur noch dar­um geht, die ei­ge­nen vier Wän­de pfle­ge­leicht zu ge­stal­ten statt mög­lichst ge­müt­lich. „Sich net­te Leu­te ein­la­den, wie­der mehr mit­ein­an­der re­den, Tee trinken, Ge­schich­ten er­zäh­len“, ist eben­falls ei­nes ih­rer Glücks­re­zep­te. In Smart­pho­ne und Ta­blet zu gu­cken, kön­ne nie­mals ein Er­satz sein für die Be­geg­nung mit rea­len Men­schen. Mit Freun­den.

Dass der No­vem­ber auch To­ten­mo­nat ge­nannt wird, Zeit der

an all die­je­ni­gen, die nicht mehr sind, ist für Gu­drun Wei­ber­le nichts Ne­ga­ti­ves: Das Be­mü­hen, den Tod aus dem Le­ben zu ver­drän­gen, lässt auch den gu­ten Ge­schich­ten über die Ver­stor­be­nen kei­nen Raum: Die Men­schen ver­ler­nen, das Le­ben der Ver­stor­be­nen zu fei­ern, mit ei­nem La­chen und vol­ler Dank­bar­keit, sie ge­kannt zu ha­ben.

Früh­ling spie­len im Win­ter

Wer den­noch mit den im­mer noch kür­zer wer­den­den Ta­gen ha­dert, kann Blu­men­zwie­beln an­trei­ben, sprich Hya­zin­then oder Ama­ryl­lis aufs Glas set­zen und zu­schau­en, wie sich das Le­ben Raum scha–t, oder Obst­bau­mund Zier­strauch­zwei­ge ins Haus ho­len, die drei Wo­chen spä­ter blü­hen: Früh­ling spie­len mit­ten im Win­ter ver­treibt die War­te­zeit auf Win­ter­lin­ge und Schnee­glöck­chen. Was eben­falls gut­tun kann: im ei­ge­nen Gärt­le, gern aber auch auf ir­gend­ei­ner un­ge­nutz­ten Flä­che ei­nen gan­zen Sack Zwie­beln und Wur­zeln fürs Früh­jahr ein­zu­gra­ben – Vor­freu­de ist manch­mal tat­säch­lich die schöns­te Freu­de.

Gu­te Bü­cher nicht ver­ges­sen

Irmgard Bren­ner, die der­sel­ben Ge­ne­ra­ti­on an­ge­hört, hat ei­nen ganz ähn­li­chen An­satz wie Gu­drun Wei­ber­le: „Nicht är­gern, dass die Ta­ge kür­zer und käl­ter wer­den, es sich zu Hau­se ein­fach ge­müt­lich ma­chen, Ka­chel­ofen an­feu­ern, Ker­zen an­zün­den, Tee und Punsch trinken, aus ei­nem Quark-Öl-Teig Mar­tins­bröt­chen ma­chen. Nüs­se kna­cken.“Als die Kin­der noch klein wa­ren, ging’s ans Kas­ta­ni­en­sam­meln; die letz­ten bun­ten Blät­ter wur­den auf­ge­le­sen

und in Ba­s­tel­bil­dern und Herbst­de­ko­ra­tio­nen ver­ar­bei­tet. Das Pud­ding­ko­chen ge­hör­te un­be­dingt da­zu, dar­an hat die gan­ze Fa­mi­lie Bren­ner gu­te Er­in­ne­run­gen.

Die en­ga­gier­te Land­frau weiß na­tür­lich, „wie wich­tig gu­tes Es­sen fürs Wohl­be­fin­den ist“: In ih­rer Fa­mi­lie gibt’s im Spät­herbst ger­ne Rou­la­den mit Sem­mel­knö­deln, Kar­to–el­pü­ree und Blau­kraut. Das lässt kaum Raum für düs­te­re Ge­dan­ken. Aber auch die an­de­ren Sin­ne wer­den nicht ver­nach­läs­sigt. Im No­vem­ber be­ginnt für Irmgard Bren­ner die Zeit der Duft­ker­zen, der mit Nel­ken ge­spick­ten Oran­gen auf dem Ka­chel­ofen. Und was gibt’s Schö­ne­res, als es sich mit ei­nem gu­ten Buch ge­müt­lich zu ma­chen. Die Wall­häu­se­rin mag es, wenn Eli­sa­beth Ka­ba­teks „Schätz­le-Se­rie“sie laut auf­la­chen lässt – da geht’s auch dar­um, dass sich mit Hu­mor auch die un­an­ge­nehms­ten St­un­den über­ste­hen las­sen.

Fo­to: Bir­git Trink­le

Gu­drun Wei­ber­le aus Blau­fel­den hat Tipps für dunk­le St­un­den.

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