Die Viel­falt wird be­tont

Die evan­ge­li­sche Fach­schu­le für So­zi­al­päd­ago­gik in­for­miert bei gro­ßem An­drang am Tag der of­fe­nen Tür über die Mög­lich­kei­ten der Aus­bil­dung.

Haller Tagblatt - - Schwäbisch Hall - Von Ma­ya Peters

Im Foy­er ist an­fangs kein Durch­kom­men. Zum Tag der of­fe­nen Tür der evan­ge­li­schen Fach­schu­le für So­zi­al­päd­ago­gik am Sams­tag kom­men nicht nur zahl­rei­che In­ter­es­sen­ten, son­dern auch die Stu­die­ren­den, Lehr­kräf­te, Ehe­ma­li­gen so­wie El­tern oder Freun­de. Da al­ler­or­ten in Kin­der- und Ju­gend­ein­rich­tun­gen Fach­kräf­te­man­gel herrscht, sind die Aus­sich­ten für Er­zie­her der­zeit sehr gut.

Je nach Re­gi­on und Funk­ti­on kön­nen Be­rufs­an­fän­ger ab 2800 Eu­ro brut­to ver­die­nen, mit stei­gen­dem Ge­halt. „Da hat uns der neue Ta­rif­ver­trag ei­ni­ges ge­bracht“, lobt Dr. Cor­ne­lia Be­cker die Po­li­tik be­son­ders in Ba­denWürt­tem­berg. Für Be­cker ist es der ers­te Tag der of­fe­nen Tür. Sie steht seit Au­gust 2019 der Hal­ler Fach­schu­le vor.

Mul­ti­kul­tu­rell und mu­si­ka­lisch

Nach der Be­grü­ßung mit mul­ti­kul­tu­rel­len und mu­si­ka­li­schen Ele­men­ten geht es in die ver­schie­de­nen Räu­me. Auf dem Pro­gramm ste­hen Tanz, Sin­gen, Prä­sen­ta­tio­nen oder of­fe­ner Un­ter­richt. Zu­dem gibt es Aus­stel­lun­gen zu Pro­jek­ten und in­ter­kul­tu­rel­le Bil­dung und in­ten­si­ven Ge­sprä­che mit Stu­die­ren­den und Lehr­kräf­ten.

Die Ot­ten­dor­fe­rin Lil­ly Hoim (17), die Murr­hard­te­rin Miriam Wurst (18) und Ma­de­lei­ne Zü­gel (21) aus Ils­hofen sind in ih­rem ers­ten Jahr, dem Be­rufs­kol­leg.

„Wir ha­ben im Jahr­gang zwei al­ters­ge­misch­te Klas­sen mit Schü­lern zwi­schen 15 und 40“, er­zählt Hoim. „Es gibt spä­ter so vie­le Mög­lich­kei­ten der be­ruf­li­che Ent­wick­lung bei der Ar­beit mit Kin­dern und Ju­gend­li­chen“, schwärmt sie. Man kön­ne nicht nur im Kin­der­gar­ten oder der Krip­pe ar­bei­ten, son­dern auch im Hort, im Ju­gend­haus, als Fach­leh­rer, in Wohn­grup­pen oder auf Äm­tern. „Für mich war es zu­dem wich­tig, dass ich in Hall gleich­zei­tig mei­ne Fach­hoch­schul­rei­fe und den Ba­che­lor ma­chen kann“, er­klärt Zü­gel ih­re Ent­schei­dung für die Hal­ler Fach­schu­le.

„Durch den Aus­bau der Be­treu­ungs­plät­ze und den recht­lich fest­ge­leg­ten Be­treu­ungs­an­spruch für Kin­der ab ei­nem Jahr spricht man von bun­des­weit 200 000 Fehl­stel­len al­lein im Be­reich der Kin­der­gär­ten und Krip­pen“, sagt die Schul­lei­te­rin. „Päd­ago­gi­sche Fach­kräf­te sind auch in Zu­kunft sehr ge­fragt und ha­ben gu­te Auf­stiegs­chan­cen“, un­ter­streicht Be­cker. Der der­zeit wohl be­lieb­tes­te Weg zum Er­zie­her­be­ruf sei die pra­xis­ori­en­tier­te Aus­bil­dung. „Wenn wir mehr Stel­len da­für hät­ten, könn­ten wir die­se je­des Jahr an­bie­ten, so vie­le Be­wer­ber ha­ben wir“, be­tont sie. Der Vor­teil: Man be­kom­me von An­fang an prak­ti­sche Er­fah­run­gen und ein Ge­halt. Der­zeit wer­de die­ses so­gar für die Trä­ger ge­för­dert. „In dem Be­reich liegt der Män­ner­an­teil bei uns bei rund 15 Pro­zent, sonst sind es eher zehn Pro­zent“, er­zählt sie.

Der 18-jäh­ri­ge Ro­bert Hol­lands ist be­reits im zwei­ten Lehr­jahr der schu­li­schen Aus­bil­dung, im Un­ter­kurs. Dort ge­be es der­zeit vier Män­ner. „Den Er­zie­her­be­ruf kann ich mir vor­stel­len, lange zu ma­chen“, sagt er und lä­chelt. „Ich bin froh, dass ich ei­nen Platz be­kom­men ha­be, es ist so toll hier“. Er be­treut an die­sem Tag im Un­ter­ge­schoss die Kunst­aus­stel­lung.

Ei­nen Raum wei­ter dür­fen al­le frei an ei­nem „Ton­berg“ar­bei­ten. Im rie­si­gen Klum­pen im Werk­raum ent­ste­hen nach und nach Höh­len, Türm­chen, Ge­sich­ter oder Mus­ter. Ne­ben­an ist der me­ter­lan­ge „Haupt­ton­berg“aus­ge­stellt. Die bis zu 250 Schü­le­rin­nen und Schü­lern der Fach­schu­le be­kom­men an­fangs ei­ne ge­stal­te­ri­sche Gr­und­aus­bil­dung.

Im Ober­ge­schoss in­for­mie­ren vor al­lem Schü­ler über die An­ge­bo­te, teils herrscht drang­vol­le En­ge vor den Stell­wän­den. „Man kann ver­schie­de­ne Pra­xis­in­hal­te aus­pro­bie­ren, um so zu er­fah­ren, wel­che Be­rei­che ei­nem be­son­ders lie­gen“, lobt An­na Kan­ten­wein im Ge­spräch mit Leo­nie Wilhelm aus West­heim die Viel­falt. Sie ge­he dem­nächst in ein Kin­der­heim, ihr Mit­schü­ler Chris­toph Sie­be­n­ei­cher in ei­nen Wald­kin­der­gar­ten. Wilhelm macht ge­ra­de ein Frei­wil­li­ges So­zia­les Jahr in ei­ner Kin­der­krip­pe und will Er­zie­he­rin wer­den. „Am liebs­ten mit den ganz Jun­gen“, sagt sie und lä­chelt da­bei ih­re be­glei­ten­de Mut­ter an.

Fo­to: Ma­ya Peters

Der „Ton­berg“beim Tag der of­fe­nen Tür der Fach­schu­le für So­zi­al­päd­ago­gik ist bei den Kin­dern be­liebt.

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