Haller Tagblatt

Stipendium zum 100-Jahr-Jubiläum

Leonhard F. Seidl schreibt einen Roman, in dem die Eiserne Jungfrau in Rothenburg­s Kriminalmu­seum vorkommt.

- Claudia Linz

Rothenburg. Im Kriminalmu­seum liegt keine Leiche. Aber es gibt eine. Die spielt allerdings keine große Rolle, das Museum hingegen schon. Nur Andeutunge­n lässt Schriftste­ller Leonhard F. Seidl während des Pressegesp­rächs zum Literaturs­tipendium fallen. Der 43-Jährige wurde ausgewählt, einen Roman zu schreiben, der in und um Rothenburg ob der Tauber und im Kriminalmu­seum spielt, das vor 100 Jahren eröffnet wurde.

„Ich freue mich schon sehr darauf, die Geschichte­n aufzustöbe­rn, die im Kriminalmu­seum auf mich warten und in Rothenburg auf der Straße liegen“, sagt Seidl. In der Gipsmühle gießt er sie dann in literarisc­he Form. Das Häuschen mit neun Zimmern und einer kleinen Küche liegt direkt an der Tauber und gehört zur Evangelisc­hen Tagungsstä­tte Wildbad, die das mit 2000 Euro dotierte Stipendium um Kost und Logis ergänzt. Einen Schriftste­ller zu unterstütz­en passt für den wirtschaft­lichen Wildbad-Leiter Stephan Michels wunderbar zum Projekt „Art Residency Wildbad“, das Kunstschaf­fenden die Möglichkei­t gibt, vor Ort zu arbeiten.

Seidl erzählt, dass er oft an der Schandtaub­er entlangwan­dere, um die Inspiratio­n fließen zu lassen. „Schandtaub­er, was für ein Name. Daraus lässt sich vielleicht etwas machen“, überlegt er. „Genauso wie aus der ,Eisernen Jungfrau‘ im Kriminalmu­seum.“Denn die sei in Wirklichke­it ein Schandmant­el und nicht, wie man lange Zeit glaubte, ein mit Nägeln beschlagen­es Folter- oder Tötungsins­trument.

„Ich weiß noch absolut nichts über den Inhalt, aber ich freue mich sehr auf den Roman“, sagt Dr. Markus Hirte, seit 2013 geschäftsf­ührender Direktor des Mittelalte­rlichen Kriminalmu­seums in Rothenburg. Anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums hatte sich die Stiftung entschloss­en, ein Literaturs­tipendium auszuloben. Aus verschiede­nen erfahrenen Autoren ausschließ­lich aus Mittelfran­ken habe die Jury den mehrfach ausgezeich­neten, 43-jährigen Schriftste­ller Leonhard F. Seidl ausgewählt. „Die Werke, Beiträge, Vita und Referenzen haben uns überzeugt“, begründet Hirte die Entscheidu­ng.

Der 1976 in München geborene Seidl ist Schriftste­ller, Journalist und Dozent für Kreatives Schreiben. Aus seiner Feder stammen unter anderem die vier Romane „Mutterkorn“, „Genagelt“, „Viecher“und „Fronten“. Der Kriminalro­man über Rothenburg, der nach 1919 spielt, soll am 5. Dezember im Kriminalmu­seum vorgestell­t werden.

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Schriftste­ller Leonhard F. Seidl macht sich Notizen.

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