Den Wan­del ak­tiv mit­ge­stal­ten

Ge­ra­de die Au­to­mo­bil­bran­che steht vor gro­ßen Um­brü­chen, des­halb muss Wei­ter­bil­dung noch stär­ker in den Fo­kus rü­cken – so das Fa­zit ei­nes In­fo­abends des „Bünd­nis­ses für Trans­for­ma­ti­on“in Öh­rin­gen.

Haller Tagblatt - - Wirtschaft Regional / Börse - Von Frank Lutz

Die Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie steht an ei­ner Zei­ten­wen­de – dar­an ließ Jo­chen Küb­ler, ers­ter Vor­sit­zen­der der Bür­ger­initia­ti­ve „Pro Region Heil­bron­nFran­ken“, kei­nen Zwei­fel: „Die ra­s­an­te Ent­wick­lung, die sich mo­men­tan voll­zieht, ist die um­fas­sends­te seit der Ent­wick­lung der Dampf­ma­schi­ne“, sag­te der frü­he­re Öh­rin­ger Ober­bür­ger­meis­ter die­se Wo­che bei der zwei­ten In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung des „Bünd­nis­ses für Trans­for­ma­ti­on“in der Spar­kas­se Ho­hen­lo­he­kreis in Öh­rin­gen. Es stell­ten sich ent­schei­den­de Fra­gen: „Wie neh­men wir die Men­schen in der Region mit? Wie ge­ben wir ih­nen das Ge­fühl, dass sie nicht al­lei­ne ge­las­sen sind in dem Pro­zess – so­wohl die Be­schäf­tig­ten als auch die klei­nen Un­ter­neh­men in ganz Heil­bronn-Fran­ken?“

Prak­ti­sche Un­ter­stüt­zung

Hier setzt das „Bünd­nis für Trans­for­ma­ti­on“an, dem ne­ben „Pro Region“die Be­zirks­grup­pe Heil­bronn/Region Fran­ken von Süd­west­me­tall, die Ar­beits­agen­tu­ren Heil­bronn und Schwä­bisch Hall-Tau­ber­bi­schofs­heim, die IG-Me­tall-Ge­schäfts­stel­len Heil­bronn-Neckar­sulm, Schwä­bisch Hall und Tau­ber­bi­schofs­heim so­wie die Wirt­schafts­för­de­rung Raum Heil­bronn an­ge­hö­ren: Im letz­ten Ok­to­ber am Cam­pus Sont­heim der Hoch­schu­le Heil­bronn ge­grün­det, soll das Bünd­nis in ei­ge­nen Wor­ten „da­zu bei­tra­gen, dass ge­ra­de die KMU in der Region Heil­bronn-Fran­ken prak­ti­sche Un­ter­stüt­zungs­an­ge­bo­te für den in fast al­len Be­rei­chen lau­fen­den Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess er­hal­ten“. Da­mit sol­le ein „Bei­trag der Region zur Stär­kung der Wett­be­werbs­fä­hig­keit der

Un­ter­neh­men und der Ar­beits­platz­si­che­rung“ge­leis­tet wer­den.

Bei der Ver­an­stal­tung in Öh­rin­gen schlug der stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de von „Pro Region“, Dr. Ru­dolf Luz, vor, dass ei­ne Per­son mit po­li­ti­schem Man­dat be­ru­fen wer­den sol­le, um künf­tig die Ak­ti­vi­tä­ten des Bünd­nis­ses zu ko­or­di­nie­ren. Die­se Per­son sei be­reits ge­fun­den: Der Neckar­sul­mer Ober­bür­ger­meis­ter, Stef­fen Hert­wig, ha­be sich da­zu be­reit­er­klärt, sag­te Luz un­ter gro­ßem Ap­plaus. Im Fe­bru­ar soll dann un­ter fe­der­füh­ren­der Lei­tung des neu­en Ko­or­di­na­tors ein Ge­spräch statt­fin­den, wie das Bünd­nis wei­ter­ge­führt wird.

Die Ver­an­stal­tung in die­ser Wo­che soll­te nach Jo­chen Küb­lers Wor­ten zei­gen, „wel­che An­ge­bo­te

vor­han­den sind, um den Struk­tur­wan­del zu ge­stal­ten“. Dass die­ser in der Tat gra­vie­rend aus­fal­len könn­te, zeig­te Sas­kia Drech­sel von „e-mo­bil BW“in ih­rem Vor­trag: Über 310 000 Men­schen be­schäf­ti­ge der di­rek­te Au­to­mo­bil­bau in Ba­den-Würt­tem­berg,

knapp 470 000 sei­en es im ge­sam­ten Au­to­mo­ti­ve-Clus­ter, be­rich­te­te die Re­fe­ren­tin für Mit­tel­stands­the­men bei der Lan­des­agen­tur für neue Mo­bi­li­täts­lö­sun­gen und Au­to­mo­ti­ve. Die­se stün­den vor ge­wal­ti­gen Ve­rän­de­run­gen: Die Welt wer­de „im­mer smar­ter, im­mer ver­netz­ter“, die In­no­va­ti­ons­zy­klen im­mer kür­zer. Hät­ten sie in der klas­si­schen Au­to­mo­bil­in­dus­trie durch­schnitt­lich sie­ben Jah­re be­tra­gen, lä­gen sie in der di­gi­ta­len In­dus­trie bei höchs­tens ei­nem Jahr. Auch neh­me die Kon­kur­renz zu: Neue Play­er – et­wa Ener­gie­er­zeu­ger, La­de­säu­len­dienst­leis­ter und An­bie­ter von Cloud-Di­ens­ten – wür­den auf den Markt drän­gen. „Auf wel­chen Wan­del müs­sen wir uns ein­stel­len?“, frag­te Drech­sel und fass­te zu­sam­men: „Es sind ei­ni­ge sehr kom­ple­xe Ve­rän­de­run­gen.“Es ge­he nicht nur um den An­triebs­strang, son­dern um „viel, viel mehr“.

Wie aber kön­nen sich die Un­ter­neh­men und ih­re Be­schäf­tig­ten auf solch kom­ple­xe Ve­rän­de­run­gen vor­be­rei­ten? Mit ste­ti­ger Wei­ter­bil­dung, mein­te Dr. Ste­fan Ba­ron. Der Ge­schäfts­füh­rer der „Agen­tur Q“, wel­che lan­des­weit die be­ruf­li­che Wei­ter­bil­dung in der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie för­dert, sprach sich für mehr in­for­mel­le und über fach­li­che Wei­ter­bil­dung, für An­pas­sungs qua­li­fi­zie­run­gen und ein­lern för­dern­des Um­feld in den Un­ter­neh­men aus. „Nicht je­der Be­schäf­tig­te muss sich mit Künst­li­cher In­tel­li­genz und Ro­bo­tik aus­ken­nen“, mein­te er. Es kön­ne aber ge­ra­de un­ge­lern­ten Be­schäf­tig­ten die Ar­beit er­leich­tern, wenn man ih­nen Grund­wis­sen über Ro­bo­ter ver­mit­te­le. Ba­rons op­ti­mis­ti­sches Re­sü­mee: „Ich glau­be, der Ar­beits­markt ist zu ge­stal­ten.“

Wie Wei­ter­bil­dung vor dem Hin­ter­grund des di­gi­ta­len Wan­dels kon­kret aus­se­hen kann und wel­che För­de­rungs mög­lich­kei­ten es gibt, er­klär­te Ste­fan Schu­bert, ope­ra­ti­ver Ge­schäfts­füh­rer der Ar­beits­agen­tur Schwä­bisch Hall-Tau­ber bi­schofs heim, an­hand des Qua­li­fi­zie­rungs chan­cen ge­set­zes. Das An­fang 2019 in Kraft ge­tre­te­ne Ge­setz er­mög­licht Be­schäf­tig­ten–un­ab­hän­gig von Aus­bil­dung, Al­ter und Un­ter­neh­mens grö­ße–ei­nen er­wei­ter­ten Zu­gang zur Wei­ter bil­dungs­för­de­rung: Sie kön­nen ei­nen Be­rufs ab­schluss nach­ho­len oder sich wei­ter­bil­den und wer­den da­bei von der Ar­beits­agen­tur un­ter­stützt, wel­che die Wei­ter­bil dungs kos­ten über­neh­men kann und ei­nen Zu­schuss zum Lohn zahlt.

Fo­to: Ju­li­an Stra­ten­schul­te/dpa

Der Wan­del zur E-Mo­bi­li­tät stellt die Au­to­mo­bil­her­stel­ler und ih­re Zu­lie­fe­rer vor gro­ße Her­aus­for­de­run­gen. Doch der Um­bruch in der Bran­che ist noch viel weit­rei­chen­der.

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