Schü­ler auf der Na­zi-Ver­bre­chens Nazzz­ziiii----Verrrr­brrr­re­chenssss Spur ei­nes

10 Jah­re Ber­ti­ni-Preis: Ju­gend­li­che for­schen über Lynch­mord an jun­gem Po­len

Hamburger Morgenpost - - Hamburg - RAI­NER KREY

To­bi­as Blief­fert (16). Das Er­geb­nis der Be­fra­gun­gen von Stel­ler Bür­gern und an den Stel­ler Schu­len im Früh­jahr 2007 war nie­der­schmet­ternd. „An­geb­lich wuss­te nie­mand et­was von den Vor­gän­gen.“ Und kaum ei­ner woll­te et­was dar­über hö­ren. „Wir wur­den ge- warnt, die Fin­ger von der Sa­che zu las­sen“, be­rich­tet Schü­ler Fa­bi­an Skud­larek (16), „es wür­den noch ei­ni­ge der da­mals Be­tei­lig­ten le­ben.“ Die jun­gen Leu­te mach­ten trotz­dem wei­ter. Mit Er­folg: Im Ju­ni 2007 or­ga­ni­sier­ten sie ei­nen Um­zug vom Stel­ler Bahn­hof zur Hin­rich­tungs­stät­te mit an­schlie­ßen­der ka­tho­li­scher Mes­se und Kranz­nie­der­le­gung zu Eh­ren des er­mor­de­ten Po­len. Rund 100 Schü­ler aus Har­burg so­wie ei­ni­ge Stel­ler Bür­ger nah­men dar­an teil.

Der fei­ge Lynch­mord vom 4. Mai 1942 – of­fen­bar ist er im Dorf auch nach fast

An ei­nem schö­nen Früh­lings­tag am 4. Mai 1942 hält ein Prit­schen­wa­gen mit SSMän­nern vor dem Bau­ern­hof, auf dem der jun­ge pol­ni­sche Zwangs­ar­bei­ter Ju­li­an Mi­ley­ski ar­bei­tet. Die Män­ner ver­schlep­pen den 20-Jäh­ri­gen. Was sie ihm vor­wer­fen, heißt im Na­ziJar­gon „Ras­sen­schan­de“. Der jun­ge Po­le hat­te sich in ei­ne Ham­bur­ge­rin ver­liebt, die nach dem Be­ginn der Bom­ben­an­grif­fe in die klei­ne Ge­mein­de Stel­le im Sü­den der Stadt ge­kom­men war. Für ih­re Er­in­ne­rungs­ar­beit über Mi­ley­ski wur­den 18 Schü­ler der Haupt­und Re­al­schu­le Hanho­ops­feld (Har­burg) ges­tern im Ernst Deutsch Thea­ter mit dem Ber­ti­ni-Preis aus­ge­zeich­net.

Der ver­lieb­te Zwangs­ar­bei­ter Mi­ley­ski war nach sei­nem Ver­hör noch am sel­ben Tag von ei­nem SS-Kom­man­do in ei­nem klei­nen Wald­stück bei Stel­le er­hängt wor­den – oh­ne Ge­richts­ver­fah­ren. Auf das grau­sa­me Schick­sal von Ju­li­an stieß Ge­schichts­leh­rer Günter Schwa­be, als er dar­über in ei­nem Buch des in­zwi­schen ver­stor­be­nen Stel­ler Ge­mein­de­ar­chi­vars Ger­hard Rieck­mann las. Die Be­sich­ti­gung des Tat­orts im No­vem­ber 2006 scho­ckier­te die Schü­ler. Der im Volks­mund „Hen­kers­wald“ ge­nann­te Hain war to­tal ver­müllt, es gab kei­ner­lei Hin­weis dar­auf, dass hier ein Na­zi-Ver­bre­chen statt­ge­fun­den hat­te. Nur die al­te Ei­che, ne­ben der da­mals der be­helfs­mä­ßi­ge Gal­gen ge­zim­mert wor­den war, stand noch. Die Ju­gend­li­chen leg­ten selbst Hand an, um das Wald­stück vom Müll zu be­frei­en.

„Bei un­se­ren Re­cher­chen stie­ßen wir im­mer wie­der auf ei­ne Wand des Schwei­gens“, er­in­nert sich Schü­ler 66 Jah­ren noch ein Ta­bu­the­ma. „Stel­les Bür­ger­meis­ter Joa­chim Wilcke woll­te uns kein In­ter­view ge­ben“, so Schü­ler Marc Glas­hoff (16). Und auch die Auf­for­de­rung der Pro­jekt­grup­pe an die Ge­mein­de, ei­nen Ge­denk­stein für den er­mor­de­ten Zwangs­ar­bei­ter auf­zu­stel­len, stieß auf we­nig Ge­gen­lie­be. Bis heu­te hat sich der Ge­mein­de­rat nicht zu ei­nem ent­spre­chen­den Be­schluss durch­ge­run­gen. „Wir ma­chen wei­ter Druck“, kün­digt Leh­rer Schwa­be an. „Jetzt will sich der pol­ni­sche Ge­ne­ral­kon­sul ein­schal­ten.“

Leh­rer Günter Schwa­be (59) mit To­bi­as (16), Fa­bi­an (16) und Marc (16, v. l.) an der Ei­che, an der Ju­li­an Mi­ley­ski ge­lyncht wur­de.

Eh­rung für die Schü­ler der Schu­le Hanho­ops­feld: Ralph Gior­da­no ver­leiht ih­nen im Ernst Deutsch Thea­ter den Ber­ti­ni-Preis für ih­re Er­in­ne­rungs­ar­beit über den Lynch­mord an ei­nem Zwangs­ar­bei­ter.

So wie auf die­sem his­to­ri­schen Fo­to ha­ben SS-Män­ner auch den Lynch­mord an dem pol­ni­schen Zwangs­ar­bei­ter Ju­li­an Mi­ley­ski be­gan­gen.

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