Hamburger Morgenpost

Sie entkam einem Kinderschä­nder

Sexverbrec­her wollte sie 1992 töten Jetzt gründete sie eine Opfer-Stiftung

- WIEBKE BROMBERG

Er war in den 90er Jahren der schlimmste Sexverbrec­her Hamburgs. Hans-Gerold B. – der Kinderschä­nder von Ohlstedt. Zwei Mädchen hatte er entführt, bestialisc­h gequält und immer wieder vergewalti­gt. Ein drittes Opfer konnte dem Sexmonster in letzter Sekunde entkommen. Die damals 16 Jahre alte Jugendlich­e ist Stefanie Volkmer-Otto (34). Die Ehefrau des bekannten Medienunte­rnehmers Frank Otto hat nun eine Stiftung gegründet, um traumatisi­erten Kindern zu helfen.

Es war der 17. August 1992. Stefanie wurde beim Trampen von einem älteren Mann mitgenomme­n. „Er war so nett, hat gepfiffen und sich eine Baseballka­ppe aufgesetzt. Wie so ein kleiner Opi“, sagte sie im Prozess. Doch auf einmal fuhr er von der Straße ab. Der Täter verletzte sein Opfer mit einem Messer. Er fesselte die Jugendlich­e, verband ihre Augen. „Das kleine Mädchen war unartig und hat zu viel gesehen. Jetzt musst du sterben“, sagte der Verbrecher. Er würgte das Mädchen. Stefanie kämpfte um ihr Leben. Sie schaffte es, sich zu befreien.

Die beiden anderen Opfer hatten keine Chance zu entkommen. Ende August 1994 zerrte der Sexgangste­r Luisa – damals neun Jahre alt – vom Fahrrad, zwang sie, in den Kofferraum eines Autos zu steigen. Er schlug sie mit einem Gürtel, quälte und vergewalti­gte das Mädchen immer wieder. Luisa musste zwei Nächte und einen Tag lang leiden, bevor sie schwer verletzt, betäubt und verstört im Wald ausgesetzt wurde. Auch die damals elfjährige Jenny wurde Opfer des Sexmonster­s. Ende April 1995 entführte er das Mädchen, fesselte es mit Klebeband, flößte ihm Betäubungs­mittel ein. Er misshandel­te das Kind.

Das Urteil nahm der damals 64-Jährige im Dezember 1996 regungslos zur Kenntnis. Zwölf Jahre Haft und Unterbring­ung in der Psychiatri­e. Für das Verbrechen an Stefanie Volkmer- Otto bekam er vier Jahre wegen versuchter Vergewalti­gung und versuchten Mordes. Noch während seiner Strafe starb Hans-Gerold B. in der Psychiatri­e in Neustadt/Holstein eines natürliche­n Todes.

Stefanie Volkmer-Otto ist heute Chefin eines Schmuck-Ladens am Poelchauka­mp (Winterhude). Sie lebt in einer Villa direkt an der Alster – mit ihrem Mann und den beiden Kindern. Ein Luxus-Leben – überschatt­et von der Tat. Vor Gewalt, und sei es bloß verbaler, habe sie noch immer Angst, sagte Stefanie Volkmer-Otto in einem „Abendblatt“-Interview. Um Projekte zu unterstütz­en, die Hilfe für traumatisi­erte Kinder bieten, hat sie kürzlich die „Stiftung Luka“ gegründet. Damit will sie ein Verspreche­n einlösen. Opfern zu helfen, die Welt wiederzufi­nden.

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2009: Stefanie Volkmer-Otto mit ihrem Mann Frank bei der Verleihung des Medienprei­ses „Goldene Feder“
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Der Kinderschä­nder Hans-Gerold B. (damals 64) während des Prozesses

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