Sy­ri­en: Wel­chen Plan hat der Wes­ten?

Be­mü­hun­gen um ei­ne po­li­ti­sche Lö­sung. US-Mi­li­tärs: „Sind wei­ter schuss­be­reit “

Hamburger Morgenpost - - POLITIK -

Berlin – Die west­li­chen Mäch­te USA, Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en ha­ben ih­re Waf­fen in Sy­ri­en spre­chen las­sen. Und nun? Tut sich ein Fens­ter für ei­ne po­li­ti­sche Lö­sung in dem Bür­ger­kriegs­land auf? Frank­reich und Deutsch­land for­dern neue Ver­hand­lun­gen.

Der Bun­des­prä­si­dent ist be­sorgt. Frank-Wal­ter St­ein­mei­er sprach mit Blick auf Sy­ri­en und den Fall Skri­pal nun von ei­ner „ga­lop­pie­ren­den Ent­frem­dung“zwi­schen Russ­land und dem Wes­ten. „Es gibt prak­tisch kei­ne Ver­trau­ens­ba­sis mehr – auf bei­den Sei­ten“, sag­te er der „BamS“. Nach An­sicht St­ein­mei­ers ist ein En­de des Krie­ges in Sy­ri­en oh­ne ei­ne Ver­stän­di­gung zwi­schen Russ­land und den USA nicht mög­lich. Wla­di­mir Pu­tin und Do­nald Trump müss­ten sich be­we­gen, das sei­en sie der Welt schul­dig.

Russ­land hat­te nach den Mi­li­tär­schlä­gen auf min­des­tens drei mut­maß­li­che Mi­li­tärb­zw. Che­mie­waf­fen­an­la­gen in Sy­ri­en (bei de­nen es kei­ne To­ten gab) zwar „Kon­se­quen­zen“an­ge­kün­digt, bis Sonn­tag­abend aber nicht re­agiert. Die USA wie­der­um wer­te­ten den An­griff als er­folg­reich. Er ha­be „das Herz des sy­ri­schen Che­mie­waf­fen­pro­gramms“ge­trof­fen, die­ses aber nicht völ­lig zer­stört. Laut ei­nem (noch un­ver­öf­fent­lich­ten) UN-Be­richt exis­tie­ren in Sy­ri­en min­des­tens zwei wei­te­re Che­mie­waf­fen-An­la­gen, in Adra und in Ha­ma. Die USA sei­en des­halb „wei­ter schuss­be­reit“, soll­te As­sad noch ein­mal Gift­gas ein­set­zen, hieß es von US-Mi­li­tärs.

Sy­ri­en-Ex­per­te Sam Hel­ler von der In­ter­na­tio­nal Cri­sis Group hält den west­li­chen Luft­schlag als Bot­schaft der Ab­schre­ckung durch­aus für er­folg­ver­spre­chend, wie er der „NZZ“er­klär­te. Sein Ar­gu­ment: Das Über­le­ben des As­sad-Re­gimes hän­ge nicht vom Ein­satz die­ser Waf­fen ab. Wei­te­re und dras­ti­sche­re Luft­schlä­ge könn­ten sei­ne Po­si­ti­on hin­ge­gen eher ge­fähr­den.

Die Bun­des­re­gie­rung hat un­ter­des­sen an­ge­kün­digt, den po­li­ti­schen Pro­zess nun wie­der vor­an­brin­gen zu wol­len. Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) hat­te den An­griff po­li­tisch un­ter­stützt und ihn als „er­for­der­lich und an­ge­mes­sen“be­zeich­net, gleich­zei­tig aber ei­ne Be­tei­li­gung aus­ge­schlos­sen. Of­fe­ne Kri­tik gab es für den völ­ker­recht­lich durch­aus frag­wür­di­gen Mi­li­tär­schlag von­sei­ten der Bun­des­re­gie­rung nicht.

Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) er­klär­te, Deutsch­land wol­le sich nun ge­mein­sam mit Frank­reich für die Schaf­fung ei­nes in­ter­na­tio­na­len For­mats ein­fluss­rei­cher Staa­ten ein­set­zen, das den po­li­ti­schen Pro­zess vor­an­brin­gen kön­ne. Er plä­dier­te für ei­nen Waf­fen­still­stand in ganz Sy­ri­en, um dann ei­ne Über­gangs­re­gie­rung zu in­stal­lie­ren, die ei­ne Ver­fas­sungs­re­form und Wah­len vor­be­rei­te. Man wer­de al­le Ka­nä­le nach Russ­land nut­zen, um dort auf ei­ne kon­struk­ti­ve Hal­tung zu drän­gen.

Frank­reichs Au­ßen­mi­nis­ter Je­an-Yves Le Dri­an kün­dig­te an, be­reits die­sen Mon­tag „Initia­ti­ven zu er­grei­fen“– im UN-Si­cher­heits­rat und in Brüs­sel beim Tref­fen der EU-Au­ßen­mi­nis­ter. Der rus­si­sche UN-Bot­schaf­ter Was­si­li Ne­bens­ja si­gna­li­sier­te be­reits Ab­leh­nung. Im­mer­hin – bei­de Sei­ten re­den noch mit­ein­an­der: Frank­reichs Em­ma­nu­el Ma­cron und Pu­tin wol­len sich am 24. Mai in Russ­land tref­fen.

Das Foto zeigt das zer­stör­te sy­ri­sche Che­mie­waf­fen-For­schungs­zen­trum in Bar­sah

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.