Für wen sich der Um­zug aufs Land lohnt

Der gro­ße MOPO-Rat­ge­ber:

Hamburger Morgenpost - - VORDERSEITE - ALISA PFLUG alisa.pflug@mopo.de

Raus aus der Stadt, rein ins Grü­ne: Ges­tern be­rich­te­te die Ham­bur­ger Mut­ter Li­sa St­ein­kopf, war­um sie aus der Schan­ze flüch­te­te und aufs Land zog. An­ge­sichts ex­plo­die­ren­der Mie­ten und un­be­zahl­ba­rer Haus­prei­se über­le­gen das im­mer mehr Ham­bur­ger. Aber auf­ge­passt: Da­für stei­gen dann die Kos­ten für Ki­ta, Ben­zin oder Bahn­ti­cket. Die MOPO klärt, für wen sich ein Um­zug ins Um­land wirk­lich lohnt und was zu be­ach­ten ist.

Klar: Ru­he, gu­te Luft, grü­ne Fel­der statt Be­ton­wüs­te und kein Stress mehr bei der Park­platz­su­che – auf den ers­ten Blick ist das Land­le­ben at­trak­tiv. „Es sind vor al­lem Fa­mi­li­en aus der Mit­tel­schicht, die der­zeit aus der Stadt zie­hen“, sagt Sieg­mund Chych­la vom Mieterverein zu Ham­burg.

Aber: „Auch im Um­land stei­gen die Prei­se bei Mie­ten und Kau­f­im­mo­bi­li­en ge­ra­de stark“, sagt Chych­la. Wie ei­ne Wel­le brei­tet sich die Preis­ex­plo­si­on rund um Ham­burg aus. So stie­gen die Qua­drat­me­ter­prei­se für Häu­ser im Ham­bur­ger Um­land al­lein im letz­ten Jahr um 12,2 Pro­zent auf 2596 Eu­ro, ana­ly­siert die LBS-Bau­spar­kas­se. Auf der an­de­ren Sei­te: Selbst in Ham­burgs Rand­la­gen fin­det man für die­sen Preis nichts, meist muss man eher das Dop­pel­te hin­le­gen, will man auch ei­nen Gar­ten ha­ben.

Aber Im­mo­bi­li­en­prei­se sind nur ei­ne Sei­te der Me­dail­le. Wäh­rend in Ham­burg fünf Ki­ta­stun­den am Tag gra­tis sind, er­gab ei­ne Ber­tels­mann-Stu­die im Mai, dass El­tern in Schles­wig-Hol­stein deutsch­land­weit am meis­ten für Ki­tas zah­len. In Nie­der­sach­sen ge­hen über 3-Jäh­ri­ge mitt­ler­wei­le fünf St­un­den gra­tis in die Ki­ta. Zu­dem ist es im Um­land schwie­ri­ger, über­haupt ei­nen Platz zu fin­den – und Ganz­tags­plät­ze gibt es kaum. Das führt da­zu, dass meist ein El­tern­teil ma­xi­mal Teil­zeit ar­bei­tet – oder gar nicht, wenn die Kin­der

un­ter drei Jah­re alt sind.

Wer dann ar­bei­tet, ver­bringt viel Zeit im Au­to oder in der Bahn, wenn er oder sie wei­ter in Ham­burg ar­bei­tet. Vor al­lem aber sorgt das Pen­deln für sehr ho­he Kos­ten – die kön­nen teils hö­her lie­gen als die Er­spar­nis­se bei Mie­te oder Kauf. Ei­ne Stu­die des Ham­bur­ger Welt­wirt­schafts­in­sti­tuts (HWWI) und der Post­bank hat genau das un­ter­sucht. Er­geb­nis: Bahn­fah­ren ist meist güns­ti­ger als Au­to­fah­ren, wenn Fa­mi­li­en oder Paa­re sich so ein Au­to spa­ren kön­nen. Ob das Le­ben auf dem Land am En­de wirk­lich güns­ti­ger ist, muss je­der für sich aus­rech­nen. Das Er­geb­nis hängt da­von ab, wo ex­akt im Um­land das Ei­gen­heim steht, wie die An­bin­dung zur Ar­beit ist. Pen­deln ein oder zwei Ar­beit­neh­mer, ist Ho­me-Of­fice mög­lich oder steht ein Ren­ten­an­tritt an? Müs­sen die Kin­der län­ger be­treut wer­den, weil Ma­mi und Pa­pi in der Bahn sit­zen oder im Stau ste­hen? „Von den güns­ti­ge­ren Prei­sen, die im Um­land lo­cken, soll­ten sich Kauf­in­ter­es­sier­te nicht blen­den las­sen“, sagt des­halb Micha­el Bin­der von der Post­bank.

Li­sa St­ein­kopf (30) ist mit ih­rer Fa­mi­lie aus der Schan­ze ins Ham­bur­ger Um­land ge­zo­gen. Sie sagt: „Es war genau die rich­ti­ge Ent­schei­dung.“

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