Wei­ßes Haus: Fal­scher Be­weis mit Fa­ke-Vi­deo?

Bil­der sol­len Trumps Aus­ras­ter ge­gen Jour­na­lis­ten recht­fer­ti­gen

Hamburger Morgenpost - - POLITIK -

WA­SHING­TON - Nicht nur, dass Do­nald Trump ei­nen CNN-Re­por­ter we­gen all­zu kri­ti­scher Fra­gen aus der Pres­se­kon­fe­renz warf. Jetzt gibt es auch noch mas­si­ve Vor­wür­fe ge­gen sei­ne Pres­se­che­fin Sa­rah San­ders: Sie soll ein ma­ni­pu­lier­tes Vi­deo ver­öf­fent­licht ha­ben mit dem Ziel, den raus­ge­wor­fe­nen Re­por­ter Jim Acos­ta zu dis­kre­di­tie­ren und Trumps Aus­ras­ter zur recht­fer­ti­gen.

Auf dem vom Wei­ßen Haus ver­öf­fent­lich­ten Vi­deo ist zu se­hen, wie Acos­ta ei­ne schnel­le Hand­be­we­gung ge­gen ei­ne Prak­ti­kan­tin aus­führt, die ihm auf An­wei­sung Trumps das Mi­kro­fon weg­neh­men will. Da­zu der Kom­men­tar von Sa­rah San­ders: Acos­ta ha­be Hand an Prak­ti­kan­tin ge­legt („pla­c­ing hands on a young wo­man“).

Ori­gi­nal­auf­nah­men der Sze­nen zei­gen je­doch, dass Acos­ta eher sacht den Arm der Prak­ti­kan­tin be­rührt und sich auch so­fort bei ihr ent­schul­digt – die Ent­schul­di­gung ist in dem von San­ders ver­brei­te­ten Vi­deo nicht zu hö­ren.

Jour­na­lis­tik-Pro­fes­sor Dan Ken­ne­dy von der Nor­theas­tern Uni­ver­si­ty be­zeich­ne­te das San­ders-Vi­deo als ent­lar­vend für das Wei­ße Haus. „Ich den­ke, wir ha­ben ei­ne neue Li­nie über­schrit­ten“, sag­te er. Das Wei­ße Haus lü­ge „of­fen­kun­dig“und er­war­te, dass Trumps An­hän­ger auch noch dar­an glau­ben. CNN und US-Jour­na­lis­ten­ver­bän­de hat­ten scharf ge­gen den Ent­zug von Acostas Ak­kre­di­tie­rung pro­tes­tiert.

Ma­ni­pu­lier­te Fo­tos ha­ben ei­ne lan­ge Ge­schich­te.

➤ Der so­wje­ti­sche Dik­ta­tor Sta­lin hat­te im Fe­bru­ar 1940 den Chef der Ge­heim­po­li­zei NKWD, Ni­ko­lai Je­schow, er­schie­ßen las­sen – er war in Ungna­de ge­fal­len. Aus Fo­tos, wo bei­de ge­mein­sam zu se­hen wa­ren, wur­de Je­schow her­aus­re­t­u­schiert.

➤ Die nord­ko­rea­ni­sche Nach­rich­ten­agen­tur KCNA ließ auf ei­nem Fo­to ein Ka­me­ra­team ver­schwin­den, weil es of­fen­bar die Op­tik der Trau­er­ze­re­mo­nie für Dik­ta­tor Kim Jong Il stör­te.

➤ Auch ein Fo­to, auf dem Ot­to Gro­te­wohl und Wil­helm Pieck 1946 die Zwangs­ver­ei­ni­gung von KPD und SPD zur SED be­sie­geln, wur­de ma­ni­pu­liert. Zwi­schen bei­den ist im Hin­ter­grund der da­ma­li­ge KPD-Vi­ze Kurt Mül­ler, spä­ter von der Sta­si ein­ge­ker­kert, zu se­hen – be­vor das Fo­to re­tu­schiert wur­de.

➤ Ein Bild des da­ma­li­gen grie­chi­schen Fi­nanz­mi­nis­ters Ya­nis Va­rou­fa­kis sorg­te 2013 für Em­pö­rung: zeig­te er dar­auf doch of­fen­bar Deutsch­land den Stin­ke­fin­ger. Nur: Das Fo­to war ma­ni­pu­liert – ein Sa­ti­re-Gag von Jan Böh­mer­mann.

Die um­strit­te­ne Sze­ne: Ei­ne Prak­ti­kan­tin ver­sucht, Acos­ta das Mi­kro weg­zu­neh­men.

Fäl­schungPieck (l.) und Gro­te­wohl. Mül­ler wur­de ent­fernt.

Ori­gi­nal Fäl­schung Der ver­meint­li­che Stin­ke­fin­ger von Ya­nis Va­rou­fa­kis

Ori­gi­nal

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