„Sag de­nen, ich hätt’ mich mit dem Föhn er­schos­sen“Der letz­te Wunsch des Zeich­ners an sei­nen al­ten Kiez-Kum­pel

Hamburger Morgenpost - - HAMBURG - STE­PHA­NIE LAM­PRECHT s.lam­[email protected]

Sie wa­ren en­ge Freun­de, seit sie sich vor vier Jahr­zehn­ten bei Do­me­ni­ca in der Her­bert­stra­ße zum ers­ten Mal tra­fen: der ge­nia­le Zeich­ner To­mi Un­ge­rer ( ✝ 87) und Kiez-Fo­to­graf Gün­ter Zint (77). Als Zint sei­nen al­ten Weg­geffähr­ten zum letz­ten Mal traf, gab der ihm ei­nen Wunsch mit auf den Weg – sehr spe­zi­ell und ty­pisch Un­ge­rer.

„Mach mal ein Fo­to“, sag­te der Künst­ler, als Zint ihn vor ei­ni­gen Jah­ren in Straß­burg be­such­te – hielt sich ei­nen Föhn an den Kopf, grins­te schel­misch und er­klär­te: „Wenn ich mal tot bin, gibst du das an die Pres­se, und die sol­len schrei­ben: ,To­mi hat sich mit sei­nem Föhn er­schos­sen.’“

Gün­ter Zint muss la­chen bei der Er­in­ne­rung: „To­mi war ein alt ge­wor­de­ner Laus­bub, der hat sein Le­ben lang über al­les Wit­ze ge­macht, auch über sei­nen Tod.“

To­mi Un­ge­rer, Karikaturist, Il­lus­tra­tor, Kin­der­buch­au­tor („Kein Kuss für Mut­ter“), iro­ni­scher Frei­geist, starb am 9. Fe­bru­ar 2019 in Ir­land, wo sei­ne Toch­ter lebt.

Un­ge­rer und Zint lern­ten sich ken­nen, als der El­säs­ser Un­ge­rer An­fang der 80er nach Ham­burg kam, um für sein Buch „Schutz­en­gel der Höl­le“zu re­cher­chie­ren – und sich mo­na­te­lang bei Deutsch­lands be­rühm­tes­ter Do­mi­na ein­quar­tier­te: Do­me­ni­ca Nie­hoff ( ✝ 63). Un­ge­rer und Do­me­ni­ca auf dem Bett – das Bild zählt zu Zints be­rühm­tes­ten Fo­tos.

To­mi Un­ge­rer wur­de 1931 in Straß­burg ge­bo­ren, als Sohn ei­nes Uhr­ma­chers. Die el­ter­li­che Vil­la be­her­bergt das To­mi-Un­ge­rer-Mu­se­um mit Ex­po­na­ten von den ers­ten Kin­der­zeich­nun­gen bis zu hin­ter­sin­ni­gen ero­ti­schen Il­lus­tra­tio­nen („Das Ka­ma­su­tra der Frö­sche“).

Zints liebs­tes Er­in­ne­rungs­stück an sei­nen al­ten Freund: „Ei­ne Tas­se in Form ei­nes Ka­me­ra­ob­jek­tivs, die hat er mir auf dem Straß­bur­ger Weih­nachts­markt ge­schenkt.“Mor­gen ab 18 Uhr wird Zint im Sankt Pau­li Mu­se­um (Da­vid­stra­ße 17) von To­mi Un­ge­rer und Do­me­ni­ca er­zäh­len. Es ist Do­me­ni­cas 10. To­des­tag.

Be­rühm­tes Bild: Un­ge­rer im Bett mit Do­me­ni­ca. Der Zeich­ner re­cher­chier­te in der Her­bert­stra­ße für sein Buch „Schutz­en­gel der Höl­le“.

To­mi Un­ge­rer: Das Ba­de­ni­xen-Bild wid­me­te er der Stadt Ba­den-Ba­den.

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