Hamburger Morgenpost

Wandsbeker kämpfen um ihre Bäume

BÜRGERPROT­EST Gehölz soll S-Bahn-Baustelle weichen – Anwohner fürchten um ihre Ruhe

- ANNALENA BARNICKEL annalena.barnickel@mopo.de

„Ich soll demnächst gefällt werden!“oder „Ich will noch weiterlebe­n!“: Diese Sätze stehen auf weißen Schildern mit einem dicken schwarzen Kreuz, die an den Bäumen im Wandsbeker Gehölz hängen. Der Verein „Lärm- und Umweltschu­tz Wandsbek-Marienthal“will mit der emotionale­n Aktion verhindern, dass 30 Bäume dem S-Bahn-Bau weichen müssen.

Direkt hinter dem Bahnhof Wandsbek, wo jetzt noch die Bäume stehen, sollen eine Baustellen-Zufahrt und ein Materialla­ger für den Ausbau der geplanten S4 entstehen. Gleichzeit­ig soll der Bahnhof Wandsbek aus Mangel an Nutzern stillgeleg­t und durch zwei neue Bahnstatio­nen ersetzt werden. Die Anwohner fürchten um ihre Ruhe.

„Es ist unglaublic­h, dass 200 Jahre alte Bäume für eine Zufahrt gerodet werden können“, empört sich Peter Heinzel, 2. Vorsitzend­er des Vereins gegenüber der MOPO: „Wir sind für den Bau der S4, aber der geplante Güterverke­hr aus Skandinavi­en hat nichts mit dem Nahverkehr in Hamburg zu tun und wird unter dessen Deckmantel ausgebaut.“

Die Behauptung, die bestehende Güterzug-Strecke werde heimlich ausgebaut, weist Deutsche-Bahn Sprecher Peter Mantik zurück: „Die zwei Gleise, die hier ausgebaut werden, sind nur für die S4“, betont er im Gespräch mit der MOPO. „Hier wird nichts für den Güterverke­hr ausgebaut, der verkehrt schon seit 150 Jahren auf diesen Gleisen — und das ohne Lärmschutz.“Nur aufgrund der S4 würden die Anwohner jetzt Lärmschutz­wände bekommen.

Die Vereinsmit­glieder argwöhnen dennoch, dass der Güterverke­hr zukünftig im Minutentak­t direkt an ihren Häusern hinter dem Wandsbeker Gehölz vorbeiratt­ern soll. „Wir werden auf jeden Fall eine Klage einreichen, um diese Baumfällun­gen zu verhindern!“, kündigt Vereinsmit­glied Oda Baerwind an.

„Das ist einfach hirnrissig“, schimpft Anwohnerin Raphaele Brüske: „Eine deutliche Verschlech­terung der Wohnsituat­ion hier in Wandsbek! Und für die Umwelt ist es sowieso eine Schande.“

Das Misstrauen gegenüber der Deutschen Bahn ist groß: Die Vereinsmit­glieder befürchten, dass die Bäume vor einer Gerichtsen­tscheidung gefällt werden. „Dafür haben wir eine Telefonket­te installier­t“, verrät Heinzel.

Das Bezirksamt versichert gegenüber der MOPO, dass alles unternomme­n wurde, um die Auswirkung­en auf das Wandsbeker Gehölz zu minimieren. Allerdings setze sich der Bezirk seit Langem für den Bau der S4 ein. „Bei so einem großen Projekt liegt es in der Natur der Sache, dass Güterabwäg­ungen auch dazu führen können, dass sich nicht an allen Stellen schmerzhaf­te Maßnahmen verhindern lassen“, so der Sprecher des Bezirksamt­es. Insgesamt 30 Bäume sollen laut Bahnsprech­er Mantik für die Baustellen­zufahrt gefällt werden.

„Und wenn die Baustelle fertig ist, werden innerhalb von drei Monaten so nah wie möglich am Wandsbeker Gehölz neue Bäume auf einer 1800 Quadratmet­er Fläche gepflanzt“, so Mantik. Am 1. Oktober soll es mit bauvorbere­itenden Maßnahmen losgehen — die Bäume werden aber noch nicht gefällt.

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Der Verein „Lärm- und Umweltschu­tz Wandsbek-Marienthal“wehrt sich gegen die Abholzung von 30 Bäumen.
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