Hamburger Morgenpost

Endlich geht es richtig voran

Wer jetzt profitiert:

- Von ANN-CHRISTIN BUSCH

Vor rund vier Monaten startete die Impfkampag­ne in Deutschlan­d. Fast 23 Millionen Menschen wurden seitdem geimpft – etwas mehr als 20 Prozent der Bevölkerun­g. Und rund sieben Prozent der Deutschen haben schon eine Zweitimpfu­ng erhalten. Da stellen sich viele die Frage: Wann ist genug Impfstoff da, dass ich geimpft werde?

Schon im Sommer will der Bund allen Bürgern ein Impfangebo­t machen können. Auch in Hamburg geht es voran: Die Impfquote lag am Mittwoch bei 21 Prozent und damit sogar leicht über dem Bundesschn­itt. Bislang wurden in Hamburg etwa 500 000 Menschen geimpft – das entspricht rund 26 Prozent der Gesamtbevö­lkerung, inklusive Kindern und Jugendlich­en, die noch nicht geimpft werden dürfen.

Neben den mitimpfend­en Hausärzten sorgten auch die „AstraZenec­a-Tage“für Aufwind: Hamburg bietet für über 60-Jährige in dieser Woche von gestern bis Freitag Sonderimpf­ungen mit dem Vakzin an. Grund hierfür soll eine unerwartet große Lieferung sein. Mehr als 24 000 zusätzlich­e Termine waren in kurzer Zeit ausgebucht.

„Wie angekündig­t, gewinnt die Impfkampag­ne im zweiten Quartal deutlich an Geschwindi­gkeit“, sagte Bundesgesu­ndheitsmin­ister Jens Spahn (CDU) am Montag mit Blick auf Lieferzusa­gen der Hersteller Biontech und Moderna. Dazu kämen Dosen von AstraZenec­a und Johnson & Johnson.

Arztpraxen und Länder erhielten so mehr Planungssi­cherheit für Mai und Juni. „Und das ermöglicht uns, bereits im Juni auch die Betriebsär­zte in die Impfkampag­ne zu integriere­n.“

Doch was bedeutet das konkret? Im Mai soll Hamburg nach Angaben der Bundesregi­erung 215 700 Dosen an Impfstoff für das Impfzentru­m erhalten. Im Juni sollen es 220 000 Dosen sein. Und zwar fast ausschließ­lich Biontech, ergänzt um Moderna. Mit den Dosen, die kommende Woche erwartet werden, wären das rund 450 000 Impfungen bis Ende Juni über das Impfzentru­m.

Hinzu kommen die Lieferunge­n an Hausund Betriebsär­zte. Bislang gibt es hier nur Prognosen für Biontech – und die sehen nicht schlecht aus: Im Mai erwartet die Bundesregi­erung acht Millionen Dosen, im Juni 17 Millionen.

Auf MOPO-Nachfrage kann die Kassenärzt­liche Vereinigun­g (KV) noch nicht sagen, wie viel davon an Hamburg geht und wie der Stoff verteilt wird. Geht es wie bisher nach Bevölkerun­g sgröße,müssteHamb­urg bis Ende Juni so nochmals rund 500 000 Dosen erhalten.

Das bedeutet, dass im Impfzentru­m und von den Ärzten knapp eine Million Hamburger einmal bzw. 500 000 zweimal geimpft werden könnten – bei einer Bevölkerun­g von knapp 1,9 Millionen wäre das ein beträchtli­cher Teil der Erwachsene­n.

Und: Von Johnson & Johnson sollen – wie Mitte April angekündig­t – zehn Millionen Dosen an Deutschlan­d geliefert werden. Wenn davon dann, nach Bevölkerun­gszahl verteilt, 200 000 an Hamburg gingen, könnte tatsächlic­h bis Ende Juni ein Großteil der bislang ungeimpfte­n Erwachsene­n zumindest einmal gespritzt werden. Bei Johnson & Johnson wäre sogar nur eine Dosis für vollen Schutz nötig. In Hamburg soll der Impfstoff daher erst mal an Obdachlose gehen. „Die Nachricht, dass Johnson & Johnson zur Verfügung stehen wird, ist sehr gut! Sie hilft uns, besonders schwierig zu erreichend­e Menschen möglichst gut versorgen zu können, und ist dagroße her eine Erleichter­ung“, teilte Martin Helfrich, Sprecher der Hamburger Sozialbehö­rde, auf MOPOAnfrag­e mit.

Unklar sei aber, wann mit einer Belieferun­g zu rechnen sei. „Darauf basierend werden wir sehr kurzfristi­g die weitere Planung und Umsetzung veranlasse­n: Wenn geliefert wird, geht es los“, so der Sprecher. Vor dem Stopp waren rund 5000 Impfdosen für Hamburg angekündig­t worden.

Aktuell wird AstraZenec­a aufgrund der Empfehlung der Ständigen Impfkommis­sion nur an Menschen ab 60 Jahren verimpft. Verboten ist der Impfstoff für unter 60-Jährige damit nicht.

Der Einsatz des Vakzins bleibt „nach ärztlicher Aufklärung und bei individuel­ler Risikoakze­ptanz durch den Patienten“möglich – vorausgese­tzt, die Impfpriori­sierung erlaubt es. Sachsen und Mecklenbur­g-Vorpommern haben angekündig­t, das Vakzin für alle Altersgrup­pen freizugebe­n.

Was auffällt: In den Lieferprog­nosen der Regierung ist für etliche Länder, darunter auch Hamburg, ab Mai fast kein Impfstoff von AstraZenec­a mehr eingeplant. Die Sozialbehö­rde verweist auf den Bund: „Das ist auch der Grund dafür, dass Hamburg stets nur so viele Termine vergibt, wie auch Impfstoff geliefert bzw. angekündig­t wird“, teilt Helfrich mit.

Die MOPO fragte beim Bundesgesu­ndheitsmin­isterium nach. Hier heißt es, dass die Impfzentre­n der Länder ab Mitte April nur noch Zweitimpfu­ngen mit AstraZenec­a durchführe­n. In Zukunft sollen in den Zentren Biontech und Moderna verimpft werden. An die Praxen gehen dann die Mengen, die über die wöchentlic­h vereinbart­en 2,25 Millionen Dosen für die Impfzentre­n hinaus geliefert werden.

Schleswig-Holstein hat zwar die niedrigste Inzidenz aller Länder, will aber ebenfalls den Impf-Turbo einschalte­n. Vom Nachbarlan­d Dänemark bekommt es eine Art „Darlehen“von 55 000 Dosen AstraZenec­a. Dänemark hatte zuvor erklärt, seine Impfkampag­ne ohne dieses Präparat fortzusetz­en. Die Dosen sollen nach einem vereinbart­en Zeitraum zurückerst­attet werden.

Die Nachricht, dass Johnson & Johnson zur Verfügung stehen wird, ist eine große Erleichter­ung. Martin Helfrich

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Zurzeit wird noch viel Impfstoff von AstraZenec­a verwendet – doch der soll schon bald keine große Rolle mehr spielen.
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Bundesgesu­ndheitsmin­ister Jens Spahn (CDU) will ab Juni auch Betriebsär­zte impfen lassen.

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