Hamburger Morgenpost

So läuft es auf der Intensivst­ation

Bericht von der Corona-Front:

- Von CHRISTIAN BRAHMANN

Als die Tür auf den Flur aufgeht, wird schnell klar, wie ernst die Situation ist. Für die Corona-Patienten, die hier liegen, geht es um alles. Oberärztin Carina Claus vom Klinikum Braunschwe­ig versucht gar nicht erst, das zu beschönige­n. „Mit der Intensivst­ation beginnt der Kampf ums Leben“, sagt die 47-Jährige.

Zusammen mit Peter Werning, dem Chefarzt für Anästhesio­logie, will Carina Claus ihren ermüdenden Kampf gegen Corona zeigen. Beim Gang durch die Intensivst­ation sind durch Fenstersch­eiben die Menschen zu sehen, die mit schweren Krankheits­verläufen kämpfen. Um diesen Job gerissen habe sich zu Beginn der Krise wirklich keiner.

Im Covid-Bereich des Klinikums liegen zu diesem Zeitpunkt 36 Patientinn­en und Patienten. Davon zwölf auf der Intensivst­ation, von denen sieben beatmet werden müssen. Aufgrund der aktuellen Lage und der steigenden Anzahl nachgewies­ener Virus-Mutationen verlängert­e das Krankenhau­s das Besuchsver­bot bis Ende Mai.

„Die Pandemie ist eine intensive Belastung“, sagt Claus. Sie zeigt auf einen sogenannte­n K1-Patienten, der selbst gar nicht infiziert ist, aber Kontakt zu einer betroffene­n Person hatte. Um den Mann im nächsten Zimmer kümmern sich gerade drei Pfleger gleichzeit­ig. „Der Aufwand ist groß und die Arbeit extrem anstrengen­d“, berichtet die Medizineri­n. Neben Oberärzten und Assistenzä­rzten arbeiten etwa 60 Pfleger im Schichtsys­tem auf der Station.

Das Team auf der Braunschwe­iger Intensivst­ation wirkt unaufgereg­t und arbeitet mit einer profession­ellen Ruhe. Die Anstrenunt­er gung der Schutzklei­dung ist ihnen aber auch anzuse„Völlig hen. über fordert sind wir derzeit aber nicht“, sagt Oberärztin Claus. Es gebe auch in dieser Krise eine gewisse Gewöhnung. Ein Patient soll gleich gedreht werden, um besser atmen zu können. Keine leichte Aufgabe, die laut Claus aber zur Routine gehört. „Trotzdem ist der ständige Katastroph­en-Modus natürlich anstrengen­d.“

Die Lage auf den Intensivst­ationen in Deutschlan­d wird während der CoronaKris­e beobachtet, um Engpässe in der Versorgung im regionalen und zeitlichen Vergleich zu erkennen. Das Robertch-Institut Ko (RKI) betreibt dafür gemeinsa mit der Deutschen Interdiszi­plinären Vereinigun­g für Intensiv- und Notfallmed­izin (Divi) das Divi-Intensivre­gister. Aus dem Tagesrepor­t des RKI mit Daten dieses Registers ging am Dienstag hervor, dass bundesweit fast 5000 Schwerkran­ke mit Covid-19 auf den deutschen Intensivst­ationen liegen. Zuletzt war die Auslastung Mitte Januar in der zweiten Welle so hoch.

Dass eine genaue Situations­beschreibu ng alles andere als leicht ist, erfuhr zuletzt auch Niedersach­sens Ministerpr­äsident Stephan Weil (SPD). Er wurde in der vergangevo­n nen Woche Medizinern kritisiert, weil er die Lage in den Kliniken als „e ntspannt“b ezeichnet hatte. „Es wird gestorben“, sagt der Braunschwe­iger

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Carina Claus, Oberärztin der Intensivst­ation, berichtet über ihren Klinikallt­ag in Braunschwe­ig.
Peter Werning, Chefarzt für Anästhesio­logie am Klinikum Braunschwe­ig Carina Claus, Oberärztin der Intensivst­ation, berichtet über ihren Klinikallt­ag in Braunschwe­ig.

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