Hamburger Morgenpost

Von E-Books, Shakespear­e und ganz viel Sex

- NADINE RINKE kultur@mopo.de

Kurzes Gespräch vor ein paar Minuten im Homeoffice. Er: „Was starrst du da so vor dich hin?“Ich: „Ich denke übers Editorial nach. Wäre doch schön, was zum ,Welttag des Buches‘ zu machen. Der ist morgen. Wir haben deswegen auch extra ’ne Menge dazu auf den Seiten. Neue Bücher, eine Lesung mit Musik und auch was Kleines für Kinder unter freiem Himmel!“Er:„...“Ich: „Vielleicht schreibe ich ja was über die Verkaufsza­hlen 2020 so ganz generell? Oder speziell über den gestiegene­n Umsatz im E-Book-Markt, die Menschen gehen ja nicht mehr vor die Tür. Der Absatz ist von 32,4 auf 35,8 Millionen verkaufte Exemplare geschossen,dasistdoch­was!“Er: „Aber was willst du da erzählen? Die Menschen lesen halt mehr.“Ich: „Wäre dann ein ziemlich kurzer Text.“Er:„...“Ich: „Oder ich schreib was über Shakespear­e! Der Welttag ist ja morgen, weil das unter anderem sein Geburts- und Todesdatum ist. Weiß man alles nicht so genau, das mit den Daten, klar, aber der UNESCO war’s immerhin einen Gedenktag wert. Da geht es auch um Rechte der Autoren am geschriebe­nen Wort und so. Das ist ja ein wichtiges Ding!“Er: „Vielleicht ein bisschen dröge?“Ich: „ ... “Er: „Und wenn du über das schreibst, was du gerade liest?“Ich: „Über dieses ,Bridgerton‘Buch? Das ist doch peinlich! Da geht’s die ganze Zeit um Sex!“Er: „Na, da hastes doch! Sex geht immer.“

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