Hamburger Morgenpost

Spaß-Check auf giene-Do dem

Erstes Fest seit anderthalb Jahren! icketsyste­m, Zugangsbes­chränkunge­n Auflagen – Was die PremierenB­esucher sagen:

- Von SAMIRA DEBBELER (Text) und MARIUS RÖER (Fotos)

Ich bin so dankbar, dass der Dom wieder stattfinde­t. Wenn man hier ist, vergisst man alle Sorgen.

Simone Kleingarn

Auf dem Heiligenge­istfeld riecht es nach gebrannten Mandeln. Fahrgeschä­fte blinken in allen Farben. Zig Songs, die sich gegenseiti­g übertönen, beschallen die Betonfläch­e. Die Schaustell­er:innen locken mit Sätzen wie „Einsteigen, bitte“und „Loooos geht’s“. Nach anderthalb Jahren Zwangspaus­e findet der Dom zum ersten Mal wieder statt. Allerdings anders als gewohnt.

Leni Jill (12) und ihre Mutter Anja Kortmeyer (35) haben

gerade eine Fahrt mit der „Wilden Maus“hinter sich. „Ich finde es mega, wieder auf den Rummel gehen zu können. Die Fahrt hat total Spaß gemacht“, sagt die Zwölfjähri­ge. „Wir sind zu Besuch bei meinen Eltern. Eigentlich kommen wir aus Potsdam“, sagt ihre Mutter. „Als wir gehört haben, dass der Dom stattfindi­rekt det, haben wir uns Tickets gebucht. Das ging ganz einfach und schnell. Vorher haben wir einen Coronatest gemacht, den wir am Eingang zeigen mussten. Nach zehnminüti­gem Anstehen konnten wir rein.“

An den Dom-Eingängen der Feldstraße, Glacischau­ssee und Budapester Straße stehen Sicherheit­skräfte. Nur Personen, die getestet, geimpft oder genesen sind, dürfen das Dom-Gelände betreten. Zudem benötigen die Gäste ein Ticket können online kostenlos Zeitfenste­r von jeweils drei Stunden reserviere­n.

Das erste Zeitfenste­r am Freitagnac­hmittag zwischen 15 Uhr und 18 Uhr ist ausgebucht. Rund 7000 Menschen dürfen zeitgleich auf 20 Hektar Dom-Fläche unterwegs sein. Nach anderthalb Stunden wirken die Gänge gut gefüllt.

Die meisten Besucher:innen halten sich an die Maskenpfli­cht – vereinzelt kommen jedoch auch Jugendlich­e ohne Maske entgegen. Dennoch ist es ein angenehmer Spaziergan­g über den Dom – kein Gedrängel an den Ständen und niemand tritt beim Flanieren auf die Hacken. Auch die Anzahl der Schaustell­er:innen wurde herunterge­schraubt. Mit nur 184 Betreiber:innen ist dieses Mal rund ein Drittel weniger als normalerwe­ise vertreten. Die, die da sind, sind überglückl­ich.

„Wir freuen uns, dass wir endlich wieder Geld verdienen können“, sagt Claus Wilhelm (43) Betreiber des

Fahrgeschä­fts „Shaker“. „Wir hatten schon Angst, dass niemand kommt wegen der ganzen Corona-Bestimmung­en, aber es füllt sich so langsam“, sagt er. „Ein paar Leute sind schon da und haben auch Bock, Geld auszugeben. Ich denke, gegen Abend wird es bestimmt noch besser.“

„Die letzten anderthalb Jahre waren echt eine harte Zeit. Ich bin so dankbar, dass der Dom endlich wieder stattfinde­n kann“, sagt Simone Kleingarn (54), Betreiberi­n von „Whirl Ball“. „Wenn man auf den Dom geht, vergisst man alle Sorgen. Ich hoffe, dass es keinen weiteren Lockdown geben wird.“Eine Sache gibt es jedoch schon, die den einen oder anderen stört. „Ich finde die Masken nervig. Vor allem bei der Hitze. Aber die müssen nun mal sein“, sagt Marina Drcec (36). Sie ist gerade mit ihrem zweijährig­en Sohn Filip eine Runde Karussell gefahren. „Filip ist zum ersten Mal auf dem Dom. Ich finde das mega. Man kann endlich wieder raus. Auch das Testen finde ich nicht schlimm, man kennt es momentan ja nicht anders.“

Es gibt aber auch Kritik: Denn während Open-AirVeranst­altungen auch mit deutlich weniger Publikum noch verboten sind, darf das Volksfest mit tausenden Besucher:innen stattfinde­n. Andreas Rieckhof (SPD), Staatsrat der Wirtschaft­sbehörde, sagte dazu am vergangene­n Dienstag: „Das hängt von den jeweiligen individuel­len Konzepten ab. Ein wesentlich­er Unterschie­d ist das Familienpu­blikum bei diesem Volksfest. Das ist einer der Gründe, warum die Gesundheit­sbehörde zugestimmt hat.“

Senatsspre­cher Marcel Schweitzer fügt hinzu, dass auf dem Domgelände keine Menschen „stockbesof­fen“kuscheln würden, weil man gar nicht mit einem Bier in der Hand über das Heiligenge­istfeld gehen dürfe.

Am Eröffnungs­nachmittag halten sich die meisten Besucher:innen an die Regeln. Sie halten Abstand, der Mund- und Nasenschut­z wird überwiegen­d brav getragen. Alkohol wird nur auf Sitzplätze­n konsumiert und wenn jemand beim Schlendern die Maske kurz abnimmt, dann nur, um sich schnell eine gebrannte Mandel in den Mund zu stecken – und das ist erlaubt.

Je nach Infektions­geschehen können die CoronaMaßn­ahmen auf dem Hamburger Dom jedoch noch angepasst werden, beispielsw­eise durch die Minderung der Besucherza­hlen. Wie sich das Volksfest entwickelt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Die Tore zu Hamburgs schillernd­er Dom-Welt sind bis zum 27 August geöffnet

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Ein gewohntes und doch inzwischen ungewohnte­s Bild: ein mit Menschen besetztes Fahrgeschä­ft auf dem Dom
Volle Fahrt voraus! Leni Jill Kortmeyer (12, r.) mit ihrer Mutter Anja (35) in der Achterbahn Ein gewohntes und doch inzwischen ungewohnte­s Bild: ein mit Menschen besetztes Fahrgeschä­ft auf dem Dom
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Am ersten Tag entstanden bei der Kontrolle des Test- oder Impfnachwe­ises lange Schlangen.
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 ??  ?? Sorgte sich, dass niemand kommt: Claus Wilhelm (43), Betreiber des „Shakers“
Sorgte sich, dass niemand kommt: Claus Wilhelm (43), Betreiber des „Shakers“
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Marina Drcec (36) ist zum ersten Mal mit ihrem Sohn Filip (2) auf dem Dom.

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