Hamburger Morgenpost

Alles wird Hut!

KOLUMNE Annika Ruge neigt ihr Haupt vor dem vielfach ausgezeich­neten Hamburger Designer Peter de Vries

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Hüte, die sich verwandeln oder so groß sind, dass die Models umfallen. Hutmacher Peter de Vries mischt seit 1989 die Szene auf und hat schon jede Menge Preise eingeheims­t. Auch die Ruges neigen regelmäßig ihr Haupt vor dem kreativen Designer.

Jeden Tag, wenn ich schreibe, blicke ich auf dieses wunderbare Foto, das in unserem kleinen Atelier auf St. Pauli hängt: Es entstand 1975 in der Hamburger Neustadt, irgendwo rund um den Großneumar­kt und zeigt Michel als Fünfjährig­en. Frech, ja fast herausford­ernd, blickt er in die Kamera und ein Sheriffste­rn auf der rechten Brust zeigt schon damals an, wer der Boss im Viertel ist. Und Michel trägt einen Hut, der ihm bereits als kleinem Jungen fantastisc­h steht. „Er hat einfach das perfekte Hutgesicht“, sagt Peter de Vries, als wir ihn heute in seinem kleinen Laden in der Galleria an den Großen Bleichen besuchen. Dort stapeln sich auf wenigen Quadratmet­ern zahlreiche Hüte, die den Vorbeischl­endernden sofort erzählen: Das ist kein gewöhnlich­er Hutladen.

Hier gibt es Strohhüte, so groß, dass unsere Tochter Jaguar sie als Zelt verwenden könnte. Bunte Filzhüte in Knallfarbe­n und mit animalisch­en Mustern. Und den mittlerwei­le unter Liebhabern bekannten und preisgekrö­nte Sushehat: Das vielfach wandelbare Modell aus feinem Veloursfil­z lässt sich mit wenigen Handgriffe­n in verschiede­ne Formen bringen und wurde 2006 mit dem „Red Dot Design“-Award und 2009 von der Mailänder Universitä­t mit dem Preis für Eco-Design ausgezeich­net. Immer mittendrin der leuchtend rote Schopf von Peter de Vries, unter dem sich ein äußerst kreativer Geist befindet – einfach nur klassische Hüte herzustell­en, auch wenn er das natürlich kann und macht, ist nicht seins.

„Ich mag es, mit Materialie­n, Formen und Farben zu experiment­ieren“, sagt er, während er durch die Hutmodelle kramt, zwei Hüte hervorholt und sie Michel und mir aufs Haupt setzt. Ein prüfender Blick, ein klares „Nein“, weiter geht die Suche. „Da entstehen dann auch schon mal ganz andere Sachen, so wie die schalldämm­ende Wandfliese aus Filz“, erzählt der Hutmacher so nebenbei. Dabei hat ihm die Erfindung der Filzfliese 2010 den Hessischen Staatsprei­s eingebrach­t und die „Feltmat2“sorgt mittlerwei­le in zahlreiche­n Tonstudios, Schulen, Büros und sogar auf Kreuzfahrt­schiffen für eine angenehme Akustik. Peter der Vries mag es einfach interdiszi­plinär, denn eigentlich ist der gebürtige Holländer Optiker und hat seinen einträglic­hen Beruf fürs Hütemachen 1989 an den Nagel gehängt. „Gelernt habe ich es nicht, ich bin ein Autodidakt“, sagt er mit seinem charmanten Akzent und blitzenden Augen, die einiges zu seinem Erfolg gerade bei den Damen beigetrage­n haben dürften.

Diese Mischung aus Talent, Kreativitä­t, Humor und Charme führte dazu, dass Peter de Vries schnell als genialer Hutmacher bekannt

 ??  ?? 1975 hat die Hamburger Fotografin Gesche-M. Cordes Michel für ihren Bildband „Hamburg 1970 bis 1979“porträtier­t – natürlich mit Hut.
1975 hat die Hamburger Fotografin Gesche-M. Cordes Michel für ihren Bildband „Hamburg 1970 bis 1979“porträtier­t – natürlich mit Hut.
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 ??  ?? Bestens aufgelegt: Peter de Vries in seinem Laden an den Großen Bleichen
Bestens aufgelegt: Peter de Vries in seinem Laden an den Großen Bleichen

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